Schlecker: Drei Monate Galgenfrist – danach wird es schwierig

Drei Monate hat Schlecker nun Galgenfrist. Bezahlt wird alles vom Insolvenzgeld. Über die Zeit danach herrscht völlige Ungewissheit. Das größte Manko für das Unternehmen: Schlecker fehlt ein Profil, das Unternehmen wurde über Jahre durch Profitmaximierung kaputtgespart.

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Nach Angaben von Christiane Scheller von ver.di, sei der Betrieb bei Schlecker wieder aufgenommen worden. Die Regale in den Schlecker-Märkten sind wieder voll, die Mieten werden bezahlt und die Löhne der Arbeitnehmer sind gesichert – zumindest für drei Monate. Das bestätigte auch Insolvenzverwalters Arndt Geiwitz von Schneider Geiwitz & Partner Wirtschaftsprüfer, Steuerberater und Rechtsanwälte auf dem Schlecker-Blog. Finanziert wird der laufende Betrieb – die Kosten bewegen sich im dreistelligen Millionenbereich – durch das sogenannte Insolvenzgeld, sagt Scheller. Dieses Geld wird von der Bundesagentur für Arbeit gezahlt und von Arbeitgebern durch Zahlung einer Umlage finanziert.

Im Vordergrund stehe für den Insolvenzverwalter wie auch für ver.di der Erhalt des Filialnetzes über die drei Monate hinaus. Scheller sagte, der Vorteil des Unternehmens sei, dass es so gut wie keine Schulden besitze – Schlecker habe sozusagen eine „rote Null“. Zudem erklärt sie, würden die Auslandsfilialen gut laufen.

Erst Anfang der Woche hatte Meike Schlecker, Tochter des Unternehmers Anton Schlecker, verkündet, dass es kein privates Vermögen mehr gebe. Dies sei nun vom Insolvenzverwalter zu prüfen. Geiwitz, am Montag vom Amtsgericht Ulm zum vorläufigen „starken“ Verwalter ernannt, erhält damit die Verwaltungs- und Verfügungsbefugnis über das Vermögen des Schuldners. Neben der Sichtung der Finanzen der Auslandsfilialen, werde er sämtliche Transaktionen der letzten zehn Jahre prüfen. Scheller sagt, er sei zudem bemüht Investoren „ins Boot zu holen“, um keine Unternehmensanteile verkaufen zu müssen.

Wie es mit dem Unternehmen und den Arbeitsplätzen nach März weitergeht ist völlig offen. Beobachter rechnen mit erheblichen Schwierigkeiten. Denn Schlecker hat enormen Modernisierungs-Bedarf. Das Geld der Familie dürfte in den vergangenen Monaten vor allem zum Stopfen von Liquiditätslöchern verwendet worden sein. Die Filialen müssten im Grunde vollständig auf den neuesten Stand gebracht werden. Das Konzept von Schlecker – vergleichsweise hohe Preise, schäbige Ausstattung und wenig Kundenservice – ist, so sind sich Beobachter einig, nicht wettbewerbsfähig. Die Branche kämpft schon seit einiger Zeit mit erheblichem Margendruck. Eine Differenzierung ist schwierig. Wenn sich die wirtschaftliche Lage in Europa weiter verschlechtert, werden die Kunden noch preisbewusster vorgehen. Schlecker fehlt in dieser Hinsicht eine eindeutige Positionierung.

Die Gewerkschaft tröstet sich und die Mitarbeiter damit, dass wenigstens die Lichter nicht von heute auf morgen ausgehen. Immerhin sei eine Insolvenz kein Kündigungsgrund. Zudem gäbe es eine Kündigungsfrist von Minimum drei Monaten, die eingehalten werden müsse. Über Einzelheiten wie Abfindungen oder Tarifverträge müsse man dann Gespräche führen. Ver.di fordert entschieden die Erhaltung der über 30.000 Arbeitsplätze sowie ein Sanierungskonzept im Sinne der Beschäftigten. Beides wird schwer umzusetzen sein.

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Kommentare

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  1. der Bauer vom Hunsrück sagt:

    Das größte Manko für das Unternehmen: Schlecker fehlt ein Profil, das Unternehmen wurde über Jahre durch Profitmaximierung kaputtgespart. Selbst Unternehmen, denen das „Profil“ (was auch immer das sein mag) sparen, koste es was es wolle. Das ach so tolle Management meint zwar Kosten sparen zu müssen, dass mit der Reduzierung des Kostenfaktors Mitarbeiter aber auch der Umsatz reduziert wird, will so und in dieser unmittelbaren Konsequenz niemand wahrhaben. Ergo: Dienst geradeso nach Vorschrift, nicht mehr, nicht weniger.

  2. H.F. sagt:

    Nur mal so zur Meinungsbildung:

    Schlecker hat ein sehr strenges, „schwäbisch geiziges“ Regiment geführt. Er war aber auch „streng“ zu sich selbst. Er hat bis zur Entführung seiner Kinder, für deren Erlös er Millionen zahlte, in einer ganz normalen Reihenhaussiedlung gewohnt und erst danach ein „gesichertes“ grösseres Haus gebaut.
    Er hat völlig unauffällig und zurückgezogen gelebt und nur einmal in der Woche eine Gruppe alter Freunde zum Saunieren nach Hause eingeladen.
    Das einzig Spektakuläre, wenn man so will, ist die Ausrichtung des jährlichen „Schlecker-Cups“, mit renomierten Handball-Vereinen.
    Es war in Ehingen und Umgebung bekannt, dass er möglichst kreditfrei leben wollte und immer sein ganzes Geld in die Firma steckte.

  3. BigBoppa sagt:

    Leider ist es so, dass es die 3-monatige Kündigungsfrist während der Insolvenz real nicht gibt.
    Der Insolvenzverwalter kann jeden Mitarbeiter SOFORT freistellen, der ist dann zwar noch bei Schlecker, aber ohne Arbeit und ohne Bezüge. Dass dann die Kündigung erst in 3 Monaten wirksam wird, ist unerheblich.

  4. Rico Coracao sagt:

    die Infrastruktur wäre es vielleicht wert,
    aber der Name „Schlecker“ ist doch das Grundproblem..
    wär ja zu schön um war zu sein, wenn dieser Gier-Alte
    wirklich nirgendwo Geld hingeschafft hat und privat pleite geht..
    glaub ich aber nicht..offshore hat der was liegen

  5. Realist sagt:

    „Totgespart?“
    Na dann hat Anton Schlecker gute Chancen in der derzeitigen Politszene und wird bald entdeckt werden.
    Vielleicht war er aber auch schon als DER Sparkommissar, zunaechst fuer Griechenland vorgesehen. Wichtig bei solchen Posten ist, an allem zu sparen, nur nicht im eigenen privaten Bereich! Damit punkten unsere Politiker seit Jahren!