Spanien: Rentner kapern Linienbus, um gegen Fahrpreise zu protestieren

Um gegen die jüngsten Sparpläne zu protestieren, hat eine Rentnergruppe in Barcelona kurzerhand einen Linienbus gekapert. Die „Yo no pago“-Bewegung hat erneut einen U-Bahnhof in Madrid gestürmt.

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Die Preiserhöhungen – insbesondere bei Ticketpreisen öffentlicher Verkehrsmittel – sorgt in Spanien für weitere Protestbewegungen. In Barcelona und Madrid haben am Mittwoch erneut Protestaktionen stattgefunden. Nach Angaben der spanischen Zeitung El País hat am Mittwochmorgen eine Gruppe von Rentnern einen Bus der Linie 47 in Barcelona besetzt. Die etwa 70 Senioren stiegen an der ersten Haltestelle ein und bezahlten wie jeder andere Fahrgast ihre Tickets. Erst dann eröffneten sie ihren Protest mit Trillerpfeifen und Sprechchören. Ausgestattet mit Plakaten stiegen die Rentner an jeder Haltestelle aus, um Flugblätter zu verteilen. Trotz ständiger Parolen und Pfiffe, duldete der Busfahrer die Rentner-Aktion über die gesamte Strecke. Die Gruppe „iaioflautas“ hatte zuvor im Internet aufgerufen, die „Zerstörung des öffentlichen Verkehrs“ zu verhindern. Die Rentner wollten damit auf ihren Unmut über die Preiserhöhungen,  gestrichene Buslinien sowie den massiven Sozialabbau aufmerksam machen. Der Streik hatte keinen Einfluss auf den Betrieb, erklärt die Transports Metropolitans de Barcelona (TMB).

Barcelona ist in diesem Jahr besonders stark von Ticketpreiserhöhungen für öffentliche Verkehrsmittel betroffen. Seit Beginn des Jahres kostet ein Ticket für zehn Fahrten 9,25 Euro – eine Erhöhung um 12 Prozent. Ein Einzelticket wurde um 38 Prozent auf zwei Euro angehoben. Der Plan der Regierung sei gewesen, den Reiz für Monats- und Quartal-Tickets zu steigern. Jedoch sei deren Preis ebenso angehoben worden, sagt Lluís Recoder, Minister für Planung und Nachhaltigkeit.

In Madrid hatte die Bewegung „Yo no pago“ (ich zahle nicht) erneut zu einer Aktion aufgerufen. Ohne ein Ticket zu lösen, schlichen sich Mittwochabend mehrere Dutzend Spanier in den U-Bahnhof Tirso de Molina ein und erregten mit Parolen wie „Ich bezahle nicht – weder ihre Krise noch ihre Schulden“ Aufmerksamkeit. Zuvor versuchten die insgesamt über 200 Demonstranten andere Bahnhöfe zu stürmen. Das wurde durch starke Polizeipräsenz verhindert. Nach einem Wettlauf durch Madrid gelang es dann rund 50 Aktionisten sich in den Tirso de Molina einzuschleusen. Die Polizei nahm bei der Aktion insgesamt fünf Demonstranten fest.

Die „Yo no pago“-Bewegung entstand Ende vergangenen Jahres im Social Network und hatte bereits Mitte Januar in ganz Spanien Aktionen durchgeführt (mehr hier).

Kommentare

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  1. Schwarzsauer sagt:

    Modell für Deutschland? Die undurchsichtige, undemokratische, absolutistische Verkehrsmafia sorgt für das Gegenteil ihres Auftrages, nämlich für zusehende Immobilität zu unverschämten Preisen.
    Die Steuermilliarden versickern in einem Sumpf aus Großunternehmen und Verkehrsfunktionären. Der Fahrgast ist der natürliche Feind des Verkehrsbetriebes, ein ungeliebter Störfaktor im totalitären Verkehrssystem. Und zusätzlich zu exorbitanten Preisen wird der Gefahrene schutzlos Gefahren durch vagabondierende Kriminelle ausgesetzt.
    Überhaupt ist das anonyme Zusammengepferchtwerden mit fremden Menschen zwecks Beförderung im höchsten Maße inhuman. Daher wird dies gerade von Links-Grünen präferiert, denen der Individualverkehr per se suspekt ist und der mit einem Katalog aus Strafen und Ököschuldzuweisungen sanktioniert wird.
    Selbstredend gelten diese Restriktionen nicht für die linken Funktionäre, die von jeglichen Einschränkungen des Massenverkehrs ausgenommen sind und für sich gewissenlos umweltschädigende Sonderbehandlungen (Starfighteralleinflüge, etc.) reklamieren.

  2. bendix sagt:

    Wir können uns ALLE mal ein Beispiel an den spanischen Rentnern nehmen, Alzheimer
    giebts demnach nur in Deutschland. Früh eine ordentliche Hiobsbotschaft in den Medien und Mittags schon wieder vergessen. Wir sind ja schon so sehr mit Gleichgültigkeit geimpft, wir kotzen ja regelrecht ab wenn der Gerichtsvollzieher aus
    Brüssel vor der Tür steht und wir können „Wera am Nachmitag“ nicht zu Ende schauen.