Griechisch-orthodoxe Kirche: Erzbischof nennt Sparkurs eine „tödliche Medizin“

In ungewohnt scharfen Worten kritisiert der griechisch-orthodoxe Erzbischof Hieronymos die von EU und IWF geforderten Sparauflagen für Griechenland: Die Troika verabreiche Griechenland eine tödliche Medizin, die zu Unruhe führen wird und verantwortlich für die steigenden Selbstmorde ist.

Der griechische Erzbischof Hieronymos, Oberhaupt der griechisch-orthodoxen Kirche, hat zu einem  äußerst seltenen Mittel gegriffen. In einem Schreiben an den griechischen Premierminister Lucas Papademos äußerte er ernsthafte Bedenken über die Wirksamkeit der Sparmaßnahmen und zeigte sich besorgt über das griechische Volk. Er bezweifelte ganz offen die Rolle der Troika. „Es gibt im Moment Forderungen nach noch härteren, noch schmerzhafteren und noch unfaireren Maßnahmen“, so der Erzbischof. Forderungen der Troika nach „noch größeren Dosen eines Medikaments, das sich als tödlich erweisen wird.“ So wird das griechische Problem nicht gelöst werden, sondern vielmehr „der vorhergesagte Tod unserer Wirtschaft“ aufgeschoben.

Das griechische Volk lobte der Erzbischof indes. Er sei von dem Zusammenhalt der Menschen und dem großen Ausmaß der Hilfen ergriffen, die die Griechen denjenigen anbieten, die schlechter gestellt sind. Die Krise zeige ihre Wirkungen in dem Anstieg der Selbstmorde, der Obdachlosigkeit und der Arbeitslosigkeit. Er warnte zudem vor großen sozialen Unruhen. „Die beispiellose Geduld der Griechen geht zu Ende, Angst weicht der Wut und die Gefahr einer sozialen Explosion kann nicht mehr ignoriert werden“, schrieb Hieronymos, „weder von jenen, die die Befehle geben, noch von denen, die deren tödliche Rezepte ausführen“.

„Es scheint jetzt klar, dass das Drama unserer Heimat hier nicht aufhört, sondern eher neue, unkontrollierbare Ausmaße annehmen werde“, fügte er hinzu. „Sie verpfänden unseren Wohlstand, und auch den Reichtum, den wir aus unserem Land und dem Meer beziehen könnten. Sie verpfänden unsere Freiheit, Demokratie und die nationale Würde.“

Die griechisch-orthodoxe Kirche ist eine Staatskirche. Eine Trennung zwischen Kirche und Staat gibt es in Griechenland nicht. So wird die Angelobung des Regierungschefs in einer kirchlichen Zeremonie vollzogen. Kürzlich sind auch die Mönche vom Berg Athos in den Sog von Korruptions-Vorwürfen geraten. Gegen einen Mönch wurde ein Haftbefehl erlassen.

Kommentare

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  1. Sorbas sagt:

    Warim machen die deutschen nicht endlich eone eigene EU? Am besten mit sich selbst…von vetterleswirtschaft versteht man hier auch einiges
    ..

  2. Freigeist sagt:

    Es ist ein Skandal, dass diese Kirche den Staat bisher total ausgenutzt hat.
    Ich frage mich, warum ich als Deutscher nun die kirchliche Märchenerzählung in Griechenland bezahlen soll.

  3. ALPAONE sagt:

    Wer das Verhältnis der Griechen zur Kirche kennt, weiss was diese Aussage des Erzbischhofs bedeutet. Tja, die Griechen brauchen wohl bald wieder einen neuen „Papa“…

  4. khaproperty sagt:

    Der Kirchenfunktionär hat ja Recht:

    Daher ist es dringend nötig, richtig und auch nachhaltig, unverzüglich zuerst über die Insolvenzerklärung die Schulden abzuschütteln und dann mit der neuen nationalen Währung weiter zu machen, so gut es eben geht.

    Die sog. freiwillige Quotierung der sog. privaten Glübiger muß scheitern, weil zu viele nicht mitmachen werden und auch nicht müssen. Die versuchen dann entweder via CDS ihr Geld zu holen oder pfänden die nächsten Jahrhunderte bei allem Griechischen weltweit penibel hinterher.

    Gerade Letzteres muß vermieden werden. Daher die Notwendigkeit der Insolvenzerklärung durch Griechenland selbst oder durch die Rating-Agenturen.
    Alles andere ist Hühnerkram und Zeitverschwendung.

  5. jay twelve sagt:

    Die Krönung durch die Popen, das ist uns längst bekannt, hat nie funktioniert.
    Wenn die Popen irgend ein Einfluss beim himmlischen Gott gehabt hätten, wäre Griechnland nicht pleite.
    Mit Staunen stellen wir fest, nur der Vatikan und die Orthodoxe Kirche sind Steinreich. Der Teufel weiß warum.

    • Munnie sagt:

      @jay twelve
      Die Kirche wußte schon immer, wie sie an Geld kommt und hat das auch reichlich ausgenutzt. Jahrtausendelang…….

      Alles im Dienste Gottes!
      (der muss auch für alles herhalten) 😉

  6. spion und spion sagt:

    Ich muß sagen, ganz schön trostlos, was hier reflexhaft von sich gegeben wird.
    Brüssel kann zufrieden sein.
    Die Konditionierung funktioniert.

  7. skeptiker sagt:

    Die Aufnahme Griechenlands in den Euro war eine tödliche Medizin für die EU.