Schweizerische Nationalbank: Jordan fürchtet politischen Zugriff

Der Interimspräsident der Schweizer Nationalbank, Thomas Jordan, sieht die Unabhängigkeit der SNB in Gefahr. Analysten erwarten, dass die nächste Intervention der SNB unmittelbar bevorsteht. Sie rechnen damit, dass die SBN diesmal den doppelten Betrag im Vergleich zum vergangenen September einsetzen wird müssen, um die 1,20 CHF zu halten.

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Die Schweizerische Nationalbank (SNB) gerät zwischen die Fronten. Auf der einen Seite ist es die Politik, die nach Einschätzung des Interims-Präsidenten Thomas Jordan als Folge der Affäre Hildebrand (mehr hier) offenbar den Zugriff auf die Bank verschärft. In einem Interview mit der Financial Times sagte Jordan, die Bank sei unter innenpolitischen Druck über die möglichen Kosten der Koppelung des Schweizer Franken an den Euro geraten: „Es gibt einige Untersuchungen und Berichte über den Einfluss der Regierung auf die Bank, welche möglicherweise die Unabhängigkeit der SNB beschränken könnten.“

Die SNB war ins Visier der Schweizer Politik geraten, weil sich der damalige SNB-Chef durch angebliche Insidergeschäfte seiner Frau angreifbar gemacht hatte. In der Schweiz wurden daraufhin kritische Stimmen laut, die den SNB-Bankern und ihren politischen Aufsehern Selbstbedienungsmentalität beziehungsweise mangelnde Kontrolle vorwarfen.

Das ausgesprochen ungeschickte Verhalten Hildebrands nutzten Kritiker der SNB-Politik, um auch die Entscheidung der SNB, den zu stark gewordenen Schweizer Franken an den Eurokurs zu binden, in Frage zu stellen. Beobachter gehen davon aus, dass die Bilanz durch die Ankäufe von Euros bereits erheblich aufgeblasen ist (mehr hier). Analysten vermuten, dass die SNB bei ihrer ersten Intervention im September 2011 etwa 7 Milliarden CHF ausgegeben hat.

Valentin Marnov von der Citi schätzt, dass die SNB diesmal das Doppelte wird aufbringen müssen, um den festgelegten Wechselkurs halten zu können. Investoren sind über diese Strategie, die Jordan in der FT nochmals bekräftigte, besorgt. Der Markt sieht eine dreißigprozentige Wahrscheinlichkeit, dass der festgelegte Wechselkurs von 1,20 CHF nicht bis in den März werde halten werde. Schon jetzt ist der Franken nahe an diese Marke gekommen, weshalb Analysten glauben, dass die nächste Intervention unmittelbar bevorstehen könne.

So wünschenswert ein starker Franken für Investoren ist, die die Währung gerade im Zuge der Euro-Krise als sicheren Hafen sehen, so problematisch wäre der harte Franken für die Schweizer Wirtschaft. Sie klagt schon seit Monaten über Export-Probleme und deflationäre Tendenzen und hofft, dass Jordan sein Wort hält und den Kurs von Hildebrand nicht ändert (hier und hier).

Jordan sagte: „Es sollte absolut kein wir immer gearteter Zweifel bestehen, dass die SNB die Möglichkeiten hat, den Mindestwechselkurs zu halten. Wir sind darauf vorbereitet, ausländische Währung in unbegrenztem Ausmaß zu kaufen, so es nötig ist.“ Ob er das noch allein wird entscheiden können, ist indes eine andere Frage. Jordan räumte in dem Interview ein, dass auf politischer Ebene in der Schweiz diskutiert werde, ob der Zukauf von Fremdwährungen durch die SNB begrenzt werden solle.

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Kommentare

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  1. Freiberufler sagt:

    Es heißt immer, dass die Unabhängigkeit einer Notenbank Garantin für Preisstabilität sei. Nur zur Erinnerung: Die Hyperinflation 1922/23 wurde von einer unabhängigen Reichsbank herbei gedruckt. Besonders deren Präsident Havenstein hielt gegen alle politischen Widerstände bis zuletzt unbeirrt am Gelddrucken fest.

    • Erwin Kappeler sagt:

      >Es heißt immer, dass die Unabhängigkeit einer Notenbank Garantin für Preisstabilität sei.

      ROFL. Im Mittelalter hiess es sogar, dass die Erde eine Scheibe ist?! Preisstabilität war noch nie die REALE Aufgabe einer Notenbank… Merke: Wer sich traut selbständig denken, ist nicht nur heutzutage im Vorteil 😉

  2. Chris sagt:

    Die SNB erweist sich mit den Devisenankäufen einen Bärendienst! Diese Papiere sind wertlos und können später nicht mehr ohne Verlust verkauft werden! In der SNB sollte man zu der Einsicht gelangen, daß die derzeitigen Verhältnisse außerordentlich extrem sind. Das fordert leider auch extreme Abwehrmaßnahmen wie Kapitalverkehrskontrollen. An dieser Stelle wird im Übrigen offensichtlich, wie wichtig ein großer Währungsraum ist.

    • jay twelve sagt:

      Chris, ein großer Währungsraum birgt die gleicher Gefahr, wie ein große Staudamm, der auf Erdbebengebiet gebaut ist. Wenn die Dämme brechen, das ist jetzt in der USA der Fall, dann bleibt unten im Tal kein Stein auf Stein verschont. Das leuchtet Dir ein, nicht wahr?

  3. Wake News sagt:

    …die SNB ist derzeit in der Hand privater Interessen! Sie in die Hand von der Regierung und deren Partei-Interessen zu geben wäre nur linke Tasche/rechte Tasche. Sie muss in die Hand des Souveräns, dem Volk und die Golddeckung und das Gold der Schweizer muss wieder rückgeführt werden (gem. Verfassung) und die privaten Banker und korrupten Politikern sollten einen Tritt in den … erhalten!

    • Robespierre sagt:

      Was heisst hier nur die SNB. Alle Zentralbanken sind in der Hand privater Interessen. Es ist kein Geheimnis mehr, dass amerikanische Präsidenten umgebracht wurden, weil sie diesen Umstand korrigieren wollten.

    • Gonzo sagt:

      Ja, bravo!

  4. Wolfgang Hoffmann sagt:

    Die Devisenkäufe der SNB können hier nachvollzogen werden: http://www.snb.ch. Der Bilanzposten „Devisen“ hat sich um Faktor 5 aufgeblasen. Die Schweiz sollte sich nicht weiterhin Schrottwährungen in den Keller legen. Man beachte dazu die bevorstehende Staatspleite Griechenlands und den „Konkurskandidaten“ Deutsche Bank: http://www.querschuesse.de/leistung-aus-leidenschaft/

    Der Euro ist keine gute Geldanlage. Kritische Stimmen aus der Schweiz: http://www.weltwoche.ch/weiche/hinweisgesperrt.html?hidID=543900
    http://www.whistleblocher.ch
    http://www.zeitkritik24.ch/index.php?id=47

  5. Robespierre sagt:

    Bundesbanken und die EZB sind halbprivate Organisationen, fest in der Hand der Banken. Sie haben sich vom Steuerzahler die Geldschöpfung erschlichen. Unabhängig sind sie ganz und gar nicht, weil sie fest im Filze der Banken und Grossindustrie sind. Würde die Politik dagegen setzten müssten die Nationalbanken ganz in den Händen der Steuerzahler sein. Das Zins und Zinseszinsen System muss abgeschafft werden und der Staat gibt zinslose Kredite für alle, wie es Islamische Banken tun.
    Nur so kommen wir aus der tödlichen Spirale des Lügen Geldsystems.
    Es kann noch tausend Kriesengipfel geben. Die Krise wird nur durch das Lösen des Grundübels überwunden. Geldschöpfung aus dem Nichts und Spekulation an den BÖrSEN. Wenn wir das nicht schaffen vernichten wir uns selber, es kommt Krieg und Hunger. Wollen das die Mächtigen der Welt um ihr Lügensystem weiterzuführen. Wir, wollen das nicht und die Mächtigen braucht es nicht.

    • Chris sagt:

      Ach ja, wer sind denn die privaten Eigner der Bundesbank (es gibt nur EINE!) und EZB? Solche Leute wie du, die nicht die geringste Ahnung haben sind an der Krise schuld, weil sie ständig nach neuen sozialen Wohltaten rufen und die Finanzierbarkeit ausblenden. Jetzt kommt die Rechnung für das verantwortungslose Verhalten!

  6. Fürchtenix sagt:

    Die Gegner brauchen gar nichts tun, sondern nur warten, die Schweiz rouniert sich selbst, siehe streit Banken-USA, Einfluss der Politik in die Finanz ( Das wird uns gerade in der EU vorexerziert, was da raus kommt, wenn sich die Politik überall einmischt, ) Probleme mit dem starken Franken in der Wirtschaft…. u.s.w.

    Da kann man nur sagen, alles Gute Schweiz !!!

  7. Grauber sagt:

    Kapitalflucht verursacht ähnliche Probleme, wie unkontrollierte Zuwanderung von Wirtschaftsflüchtlingen.

    Die Ursache für beide „Phänomena“ ist an der Börse zu suchen.

    • Chris sagt:

      Kapitalflucht ist eine Folge von Rechtsunsicherheit und schlechter Investitionsbedingungen. Menschen verlassen ihre Heimatländer wegen Krieg oder schlechter Zukunftsaussichten. Beides wird von Politikern verursacht und hat nicht im Geringsten etwas mit Börsen oder Kapitalmärkten zu tun! Das sollten inzwischen auch Schulabbrecher verstanden haben.

      • mueller sagt:

        @chris
        jessäsgott, mach dich mal schlau!
        politik und finanzwelt sind ein riesenfilz, lassen sich nicht getrennt studieren.
        @ ösi
        und wir schweizer,innen werden genauso geradestehen müssen für die maroden anleihen wie die deutschen.
        ALLE sind am zocken.
        @s.r.
        wer immer noch glaubt, es gehe um irgendwelche hilfen, hat gar nichts verstanden…

  8. Ösi sagt:

    Tzzz, die Scheizer wissen schon gar nicht mehr wohin mit dem Zaster. Wollen die nicht helfen, Griechenland, und all den anderen? Rettungsschirm? Gar nix?

    http://www.tagesanzeiger.ch/ausland/europa/Wegen-abnormer-Anfragenflut-mieten-Schweizer-Banken-Hotelschliessfaecher/story/13883662

    Die Ungarn stürmen übrigens grad die Ösi Banken mit Einlagen, und die Italiener die Tankstellen in Kärnten. Hauptsache, alle sind in Bewegung.

    • S.R. sagt:

      Wieso soll die Schweiz helfen? Wir sind nicht in der EU, nicht im Euro – wieso sollen wie eure Probleme zu unseren machen?

      • Chris sagt:

        Vollkommen richtig, nur leider hat sich das noch nicht bis zur SNB rumgesprochen. Dort ist man der Meinung, das Volksvermögen müsse in insolventen EU Ländern investiert werden.