Angst vor Banken-Crash in Spanien: 175 Milliarden Euro faule Assets

In Spaniens Finanzsystem braucht sich etwas zusammen: In den Bilanzen der Banken sind gigantische Massen an Immobilien-Schrottpapieren versteckt. Die Regierung versucht es mit Notmaßnahmen. Wirtschaftsminister de Guindos weiß, dass die Lage ernst ist: Als Ex-Lehman-Banker hat er schon einmal erlebt, wie schnell der Crash kommen kann.

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Spaniens Finanzsystem ist stark angeschlagen. Zu viele schlechte Kredite halten die Banken. Nun sollen die Banken in den nächsten zwölf Monaten ihr Kapital um 50 Milliarden Euro erhöhen. Außerdem sollen die Rücklagen für Kredite auf bis zu 80 steigen. Vor allem die Immobilienblase von 2008 wirft ihre Schatten auf Spaniens Finanzsystem.

Die spanischen Banken halten extrem hohe Mengen an Giftpapieren, die stark an Wert verloren haben und die Bilanzen der Finanzinstitute bedrängen. Bereits im November erreichten die schlechten Kredite der spanischen Banken mit einem Wert von 134,1 Milliarden Euro ein 17-Jahres-Hoch. Nun liegen die Giftpapiere Bloomberg zufolge bei 175 Milliarden Euro.

Entsprechend versucht die spanische Regierung nun, Reformen im Finanzsektor durchzuführen. So sollen die spanischen Banken beispielsweise innerhalb eines Jahres ihr Kapital um 50 Milliarden Euro aufstocken und im gleichen Zuge ihre Bilanzen von faulen Immobilienkrediten bereinigen. Gehen die Banken Fusionen ein und melden diese bis Ende Mai an, erhalten sie ein weiteres Jahr Zeit.

Als Hilfestellung sollen die Finanzinstitute Darlehen vom staatlichen Hilfsfonds zur Umstrukturierung den Bankensektors (FROB) nutzen können. Die Ressourcen des Fonds sollen von 9 auf 15 Milliarden Euro aufgestockt werden. Steuergelder sollen jedoch für die Umstrukturierung nicht genutzt werden, so der spanische Wirtschaftsminister Luis de Guindos. de Guindos drängt auf eine rasche Lösung. Er weiß nämlich, wovon er spricht: Der Minister war vor seiner politischen Karriere Chef von Lehman in Spanien. Wie schnell es mit zu viel Giftmüll abwärts gehen kann, hat er schon einmal hautnah erlebt (mehr hier).

Darüber hinaus will Luis de Guindos die Banken dazu bringen, ihre Kreditvergaberichtlinien zu verschärfen. Die Privatwirtschaft könnte so weiter in Bedrängnis kommen (und das verschärft die Rezession – mehr hier). Die Kredite sollen nun auch mit deutlich höheren Rücklagen abgesichert werden: bis zu 80 Prozent sollen diese ausmachen. Am Freitag soll die Reform vom Kabinett verabschiedet werden.

Wie stark das spanische Finanzsystem angeschlagen ist zeigt sich auch an den neuesten Veröffentlichungen über die Target2-Verbindlichkeiten der spanischen Zentralbank. Im Dezember stiegen sich die Verbindlichkeiten der spanischen Zentralbank gegenüber der EZB von 137,178 Milliarden Euro auf 174,979 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Die Deutsche Bundesbank vergibt über Target2 Geld an die EZB– muss sich also keines leihen (Verleiht sie jedoch mehr Geld als sie Assets besitzt, wird es problematisch – mehr hier).

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Kommentare

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  1. Wetterleuchten sagt:

    Das war klar, das musste so kommen. Kein geld an GR., und Sp. Die Spanier, solen erst einmal den Immo-Markt zusammenbrechen lassen. Anders, wird dieser sich nie wieder erholen.

  2. Elsbeth sagt:

    Viele glauben, der Euro wurde nur eingeführt um Deutschland auszuplündern. Das böse Ende kommt für Deutschland noch, da sorgen schon die Leute mit der gewissen Haltung der Hände dafür.

  3. Michele sagt:

    Ich staune immer wieder über die Schulden die überall herumgeistern; scheins ist man insgesamt Schulden sehr zugeneigt. Kann man sich doch mehr leisten als mit dem Sparstrumpf allein. Hat man sich wohl arg übernommen!?

    Allerdings wundert es mich derzeit nicht, weil Trichet und Draghi den Eckzins „einiges“ unter die Inflationsrate drücken…vom Prinzip her, kontraproduktiv zu den propagierten Schuldenbremsen.

    Es passt momentan einiges nicht in mein gewünschtes Weltbild.

  4. Buerger67 sagt:

    Es sollen 18200 Mrd. Euro sein!

    Zitat aus der Veröffentlichung der DiePresse.com vom 17.02.2009 (also mehr als 6 Monate vor der Zustimmung am 08.09.2009 zum Art.125 Abs.1 AEUV im deutschen Bundestag):

    „18,2 Billionen Euro faule Werte vergiften europäische Banken
    44 Prozent der Vermögens-Werte der europäischen Banken sind „faul“ oder unverkäuflich – in Summe 18,2 Billionen Euro. Dieses systemische Risiko könnte weitere Banken-Hilfspakete notwendig machen.
    Die europäischen Banken sitzen derzeit auf 16,3 Billionen Pfund (18,2 Billionen Euro) giftiger Wertpapiere. Demnach seien derzeit rund 44 Prozent aller Vermögenswerte der europäischen Banken „faul“ oder unverkäuflich und könnten für das EU-weite Bankensystem ein „systemisches“ Risiko bedeuteten. Das geht aus einem Papier der EU-Kommission hervor, auf das sich die britische Tageszeitung „Daily Telegraph“ beruft…“

    http://diepresse.com/home/wirtschaft/boerse/453406/182-Billionen-Euro-faule-Werte-vergiften-europaeische-Banken

    • Ösi sagt:

      Österreichs Banken haben rund 230 Milliarden Euro an Krediten in Osteuropa laufen.

      Was gerade im Falle Ungarns große Freude bereitet, aber nicht nur. Ich höre von einem Bekannten, dass es in den „Goldgruben“ böse knarrt.

  5. Helmut Josef Weber sagt:

    Macht doch nichts, bald werden doch wieder Billionen von der EZB an die Banken praktisch verschenkt; bzw. wird es ihnen aufgezwungen.
    Aufgezwungen, damit sie damit die faulen Staatspapiere kaufen können, an denen sie dann 300 bis 500% verdienen.
    Wann zwingt mich mal jemand?
    Viele Grüße
    H. J. Weber

  6. Zukunft sagt:

    Wo wird dies alles enden?
    Muss es enden?
    Wie wird es enden?

    Hier wahrscheinlich die einzige brauchbare Antwort: http://zukunftsvorsorge.blogspot.com

    Maranatha!

  7. Grauber sagt:

    Die Küsten sind mit Bauruinen verschandelt – Zeugen der Gier.

    Der erwartete Verkauf und damit der spekulative Gewinn trat nicht ein, die Berater verließen die Bühne.

    Europa war der Sponsor dieses Strohfeuers – nun ist Zahltag – überall.

    • MasseStattKlasse sagt:

      Sogar meine Sparkasse hatte spanische Imobilien als sicher Anlage im Angebot. Z.B. eine Steinhütte mit 20 m2, 40 km von der Küste in den Bergen für 100.000 €!

    • Gast137 sagt:

      Wer die Immobilien zu diesen Wahnsinnspreisen gekauft hat ist selber Schuld.

      Ich bin ein Sonnenliebhaber und habe jahrelang nach einer Immobilie geucht.

      Ich war aber nicht bereit für Schrott so ein haufen Geld auszugeben.

      Mein Motto war und ist: Dann miete ich und habe keine Sorgen!