Griechenland: Spekulationen über Papademos-Rücktritt

In der Griechenland-Krise spitzt sich die Lage offenbar wieder zu. Premier Papademos hat mit seinem Rücktritt gedroht, wenn die Koalition seinem Sparplan nicht zustimmt. Ein Treffen der Euro-Gruppe am Montag wurde überraschend abgesagt.

Aktuell
Preis für Euro-Hilfe: China will Ende des Waffen-Embargos

An Athen stehen die Zeichen wieder einmal auf Showdown. Der griechische Premierminister Lucas Papademos hat offen mit dem Rücktritt gedroht. Nach Informationen aus Regierungskreisen will Papademos so versuchen, seine Sparpolitik durchzusetzen. „Es ist augenscheinlich, wenn eine der großen Parteien Nein zu den notwendigen Maßnahmen sagt, wie dann jemand reagieren wird“, hieß es aus dem unmittelbaren Umfeld des Ministerpräsidenten. Auch die griechische Zeitung Kathimerini spricht von einem „make or break meeting“, das Papademos mit den führenden Politikern Griechenlands führen will. Er überlege, zurückzutreten, wenn die drei Parteien in seiner Koalition nicht den Reformen zustimmen werden, so die Zeitung.

Es wird erwartet, dass sich Papademos am Samstag mit George Papandreou (PASOK), Antonis Samaras (Nea Dimokratia) und Giorgos Karatzaferis (LAOS) trifft. Diese drei Politiker, schreibt Kathimerini, müssen den Maßnahmen der Troika zustimmen. Neben dem Schuldenschnitt eine der Voraussetzungen für das nächste Rettungspaket (das allem Anschein nach sogar vergrößert werden muss – hier).

Ein Problem ist beispielsweise auch die von der Troika geforderte Arbeitsmarktreform. Der Mindestlohn von 751Euro brutto im Monat soll gesenkt und die Arbeitskosten im der Privatwirtschaft sollen um 25 Prozent reduziert werden. Am Freitag erhielt Papademos, so Kathimerini, einen Brief von den Arbeitergewerkschaften und den Arbeitgebern, in dem sie erneut Lohnkürzung ablehnten.

Der Guardian berichtet indes, dass die Beamten in Griechenland diese Nachricht herunterspielen. „Das kam nicht auf. Es wurde nicht diskutiert“, antwortete der Regierungssprecher Pandelis Kapsis auf die Frage nach einem möglichen Rücktritts Papademos. „Wir arbeiten alle daran, eine Lösung zu finden.

Dennoch ist in Brüssel eine steigende Nervosität zu verzeichnen: Ein für Montag geplantes Treffen der Finanzminister der Euro-Gruppe wurde kurzfristig abgesagt: Es werde definitiv kein Treffen geben, sagte ein Sprecher. Bei dem Treffen hätte eigentlich der überfällige Schuldenschnitt und der Deal mit den privaten Gläubigern besprochen werden sollen.

Nun gibt es weder einen politischen Konsens, noch einen Deal. In EU-Kreisen ist man besorgt, dass sich die Dinge jetzt in Richtung einer ungeordneten Staatspleite entwickeln könnten.

Mehr zum Thema
Griechisch-orthodoxe Kirche: Erzbischof nennt Sparkurs eine „tödliche Medizin“
Angst vor Banken-Crash in Spanien: 175 Milliarden Euro faule Assets
OECD: Rettungsschirme brauchen 1 Billion Euro

Kommentare

Dieser Artikel hat 40 Kommentare. Wie lautet Ihrer?

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

  1. Dagmar sagt:

    Ein Mindestlohn von 751 Euro ist also zu hoch? Aha.. und wieviel bekommen die griechischen Politiker? Ich verstehe auch den Zusammenhang nicht. Warum müssen die Löhne in der Privatwirtschaft gesenkt werden? Weniger Lohn = weniger Steuereinnahmen = weniger Kaufkraft. Wie soll das funktionieren?

  2. Justin Time sagt:

    Soll er doch zurücktreten, die Zentrale hat sicher noch einige Goldmänner in Reserve. Notfalls können sie ja irgendeinen Eurobetonkopf schicken. Bei denen können sie ja aus dem Vollen schöpfen.

  3. Reform? Nein, danke. sagt:

    Das hat gerade noch gefehlt. Nun hetzt auch noch die griechische Kirche das eigene Volk auf. Tenor: Ihr Bemitleidenswerten seid selbstverständlich überfordert. Euch Reformen zuzumuten, das ist eine Unverschämtheit. Wehrt euch! Und das bedeutet, dass auch die orthodoxe Staatskirche ihren alten dicken Hintern nicht hochkriegen will Typisch Staatsreligion.

  4. Gast sagt:

    Vielleicht ist hier ja jemand Jurist. Was mich an der Sache immer mehr magerlt: wir können uns aufregen, solang wir wollen, in einem Rechtsstaat gibt es Gesetze, Definitionen von Betrug, etc. Je mehr ich es bedenke, frage ich mich, ob es diesbezüglich überhaupt was gibt, denn wie können solche Zustände möglich sein.

    Wir werden beschäftigt und zugemüllt mit einer Zettelwirtschaft sondergleichen, und wenn am Klo einer Gaststätte der Seifenspender leer ist und der Hygieneheini kommt gibts Bußgeld. Ich brauche das nicht weiter ausführen. Und wir kontrollieren uns gegenseitig, wer wo nicht entspricht.

    Und dann gibts da eine völlig losgelöste Zockerei, die lustig nach Belieben bedruckte Zettel fabriziert, asozial, dekadent, machtrauschig – und wir haben danach zu funktionieren.

    Wer hat da aller versagt, dass diese Zustände überhaupt möglich sind? Sicher nicht die breite Masse, die die komplexe Materie ja auch gar nicht durchblickt, gar nicht durchblicken kann. Die hochbezahlten Wissenschaftler, (die Politik duchschaut das möglicherweise gar nicht) sie verkohlen uns doch die ganze Zeit, wie kann das sein.

    Ein wenig sind wir selber auch schuld, schließlich finden wir, ein Politker darf nicht mehr als ein Durchschnittseinkommen haben, das „Volk“ ist auch ein knausriger Arbeitgeber.
    Wir gönnen ihnen nichts, und wir sind ihnen auch schnuppe.

    Solange wir der Karotte, die an der Peitsche hängt, nachlaufen, wird sich nichts ändern.

    In meiner Umgebung haben so gut wie alle das diffuse Gefühl, dass es so nicht weitergeht. Aber man ist verstrickt in einem Ablauf von Sinnlosigkeit, jeder funktioniert für sich, das Gemeinwohl wird zunehmend unverläßlich, das macht die Angst.

    Ich glaube, wir können mehr, und das läßt sich nicht in Zahlen ausdrücken. Damit meine ich jene, die für etwas wirklich eintreten, und wenn es wenige sind.

  5. Robespierre sagt:

    „Lucas Papademos hat offen mit dem Rücktritt gedroht“. Die Goldmann Lakaien scheinen ein kurzes Verfalldatum zu haben? Papademos soll abdanken – so schnell wie möglich. Das ganze Rettungstheater geht ja nur um die Banken und nicht um die Menschen. Das Volk verhungert und die Politiker und Banker lassen es sich gut gehenn. Seit Wochen sagen sie uns es sei kurz vor Abschluss – nichts ist vor Abschluss, der Staatsbankrott steht bevor. Ungeordnet. Warum? Weil Bankster immer Bankster bleiben – Fressen um gefressen zu werden.