Italien erzürnt über Monti-Ausspruch zur Job-Sicherheit

Junge Leute müssten sich daran gewöhnen, öfter den Job zu wechseln; es sei ja ohnehin „langweilig“, immer dasselbe zu tun. Mit dieser Aussage in einer TV-Show hat sich Premier Mario Monti den Zorn Italiens zugezogen. Die Jugendarbeitslosigkeit in Italien ist auf 31% geklettert.

Der ruhige, glatte italienische Premier Mario Monti hat sich den Zorn seiner Landsleute zugezogen. In einer TV-Sendung hatte Monti gesagt, dass sich die jungen Leute daran gewöhnen müssten, nicht auf einen „fixen Job“ hoffen zu müssen. Dies sei auch nicht weiter schlimm, denn schließlich sei es „langweilig“, immer im gleichen Job zu arbeiten. (Noch ein zweiter, kleinerer Fehler unterlief ihm, als er von der EZB als der Deutschen Zentralbank sprach, da korrigierte er sich jedoch gleich und sagte, es sei ein Versprecher gewesen.)

Die Gewerkschaften halten diesen Ausspruch für zynisch, ein Sprecher der Linken forderte die „fristlose Entlassung“ des Regierungschefs. Susanna Camusso von der Gewerkschaft CIGL sagte, Flexibilität könne nicht die Schaffung eines neuen Prekariats bedeuten.

Auf Montis Facebook Seite überschlugen sich die Proteste gegen den ungeliebten Technokraten. Erst vergangene Woche hatte die italienische Statistik-Behörde die neuesten Zahlen veröffentlicht, denen zufolge die Jugendarbeitslosigkeit auf 31% angestiegen ist.

Arbeitsministerin Elsa Fornero sagte, man werde die Liberalisierung des Arbeitsmarkts notfalls auch gegen den Willen der Gewerkschaften durchziehen. Interessant ist, dass eben diese Ministerin bei der Präsentation des Sparpakets für Rentner bei einer Pressekonferenz in Tränen ausgebrochen war (Video hier). Das Wohl der Jugend scheint Fornero dagegen deutlich weniger emotional zu betrachten.

Der schwierigste Punkt ist dabei der § 18 im italienischen Arbeitsgesetzbuch. Demnach genießen Angestellte mit unbefristeten Verträgen einen de facto unbegrenzten Kündigungsschutz.

Der Konflikt in Italien ist also vor allem auch ein Generationenkonflikt: Während ältere Arbeitnehmer unantastbar sind, finden junge Leute nicht in den Berufsalltag. Diesem Problem sehen sich auch immer mehr Akademiker gegenüber. Sie sind gezwungen, ihren Lebensunterhalt in Positionen zu verdienen, die weit unter ihrer Qualifikation liegen.

Montis Spruch mag also zutreffen. In das aktuelle politische Umfeld gesprochen, zeigt er jedoch eher die Weltfremdheit des Goldman-Bankers an der Regierungsspitze als dessen Weisheit, ein gespaltenes Land mit Weisheit zu führen.

Monti selbst ist dem Prinzip des häufigen Wechsels im Übrigen treu: Er kündigte an, keinesfalls länger als bis 2013 das Amt des Ministerpräsidenten ausüben zu wollen. Auch das ist eine Attitüde, die man bei Investment-Bankern häufig findet: Sie bevorzugen die schnelle Durchlauferhitzung und finden selten Gefallen an der Vorstellung, für etwas, das sie angestoßen haben, auch direkt zur Verantwortung gezogen zu werden. Man kann davon ausgehen, dass, wie in Griechenland, die meisten „Reformen“ erst nach 2013 stattfinden werden. Montis in dem Interview geäußerte Sorge, er könne bis 2013 wegen der Sparprogramme nicht überleben, sind daher unbegründet. Das italienische Konzept scheint insoweit von einem breiten Konsens getragen zu sein, dass die meisten gesellschaftlichen Kräfte den Status Quo bewahren wollen. Die EZB mit Montis Goldman-Kollegen Mario Draghi soll es möglich machen. Die junge Generation dürfte jedoch früher oder später gegen dieses „Nach-uns-die-Sintflut“-Denken aufbegehren. Sie hat im Grunde auch kaum Alternativen.

Kommentare

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  1. kinitalialand sagt:

    Eigentlich hat Monti doch nichts als die brutale Wahrheit gesagt, mögen es viele Italiener nicht gerne hören, aber da gehts hin.

    Nix ist mehr mit einem Arbeitsplatz für das ganze Leben, das war mal.
    Arbeitkraft zählt seit der Globalisierung schon
    lange nicht mehr, der Arbeitnehmer hat das Nachsehen..neues Sklaventum.
    Der, der viel Geld hat lässt sein Geld arbeiten und schafft keine Arbeitsplätze.

    Sieht man ja gut in Deutschland trotz Aufschwung….wie es vielen geht.

    • J. C., geb. Püschl sagt:

      Zitat: „Der, der viel Geld hat lässt sein Geld arbeiten …“

      Da stimmt etwas nicht, denn Geld arbeitet nicht. Menschen arbeiten.

      Die Profite derer, die Geld „arbeiten“ lassen, basieren auf der Arbeit von Menschen, denen so manche Frucht ihrer Arbeit weggenommen wird bzw. die sie gar nicht erst erhalten.

      Zinsgewinn ohne Leistung bestiehlt den Gewinn aus der Leistung anderer.
      Das ist einer der Umverteilungsmechanismen der Zinswirtschaft.

  2. Margrit Steer sagt:

    Der kommt doch auch von Goldman-Sachs.
    Und scheinbar will er nun in Italien das nachmachen was Schröder hier eingeführt hat.
    Die jungen Leute sollen halt erst mal als unbezahlte Praktikanten arbeiten oder für wenig Lohn befristet usw.
    Na toll.
    Diese ganzen Typen, einerseits stramm kapitalistisch, anderrseits stramm sozialistisch, sind auf dem besten Weg ganz Europa in den Abgrund zu reißen und überall Bürgerkriege auszulösen
    Oder ist das gar gewollt?

    • Buhu sagt:

      Klar ist das gewollt!
      Nach einem europaweitem Bürgerkrieg, und der damit verbundenen und gewollten Dezimierung der Bevölkerung kann dann die NWO installiert werden: Der Totale Überwachungsstaat!
      Freut euch auf Gedankenkontrolle, RFID-Chips usw. usf.
      Die Welt wird dann so aussehen wie in Fritz Langs „Metropolis“……..

  3. Brainsworld sagt:

    Da trifft ein Träumer auf Realität, schön das sich auch die abgehobensten Leute jetzt mal mit Menschen beschäftigen müssen. Das es was bringt bezweifel ich, aber für Stress im Kopf sollte ordentlich gesorgt sein.

  4. mueller sagt:

    habt ihr mal seine mimik studiert? der typ (monti) ist total machtgeil. in einem andern interview erzählte er von dem fortschreiten der probleme der euroländer im gegenuhrzeigersinn… wer sowas sagt, sitzt in einer loge.
    diese typen werden sich vor lauter machtgeilheit gegenseitig vom podest stürzen.
    und die nachhaltigen netzwerke werden überleben.
    gier gehört nun mal nicht zum repertoire des survival of the fittest…. zumindest nicht langfristig.

  5. Livia sagt:

    Der Mann bezieht erstens von sich auf Andere und kennt eine wichtige politische Regel nicht, die aber zu allen Zeiten galt: Die Jungen haben wir und die Alten brauchen wir nicht! In Italien scheint man sich in dem Punkt an das Gegenteil zu halten!
    Dabei wird in Folge dieser Politik der qualfiziertere Teil der Jungen auswandern und langfristig dem Land verloren gehen und der Rest, der auch woanders keine Chanche sieht, auf die Straße gehen und den Aufstand proben!
    In Deutschland hat man das gelernt – auch wenn zu viele junge Leute in präkeren Arbeitsverhältnissen stecken – im Zweifelsfall läßt man sich was einfallen, um unkündbare Ältere loszuwerden – notfalls schließt man das ganze Werk und macht es woanders wieder auf – im Zweifelsfall den jüngsten Bewerber einstellen. Langzeitarbeitslose über 50 gehen nicht mehr auf die Straße; Rentner erst recht nicht.
    Und man befürchtet bei uns auch, daß junge Migranten eher schwierig werden, wenn sie ohne Einkommen sind, als ethnische Deutsche, die sowieso gerne länger bei den Eltern leben, und handelt danach.

  6. Infokrieger sagt:

    Was will man von einem Ober-Bilderberger denn erwarten?
    Die wollen doch das es so kommt.