Griechenland: EZB erwägt indirekten Beitrag zum Schuldenschnitt

Die EZB überlegt derzeit, ihre griechischen Anleihen an den Rettungsschirm zu verkaufen, um sie abschreiben zu können. Eine Beitrag der Zentralbanken des Euroraums zum Schuldenschnitt ist auch im Gespräch.

Aktuell
Griechenland: Spekulationen über Papademos-Rücktritt

Die Forderungen, die EZB ebenfalls am Schuldenschnitt zu beteiligen werden immer lauter (mehr hier). Am Freitag bat auch der griechische Finanzminister Venizelos darum. Ein freiwilliger Schuldenschnitt könnte die EZB jedoch in ihrer Unabhängigkeit gefährden. Ein solcher Schritt würde das Gesetz über die verbotene Finanzierung von Staaten verletzen. Zudem würde es nicht zuletzt den europäischen Steuerzahler belasten – aber die Deutsche Bundesbank als größten Gläubiger der EZB und somit die deutschen Steuerzahler in besonderem Maße (mehr hier).

Doch nun scheint die EZB doch nach einem Weg zu suchen, sich zu beteiligen. Das berichtet unter anderem die Nachrichtenagentur Bloomberg. Drei EU-Beamten zufolge werden derzeit zwei Möglichkeiten diskutiert. Ein Plan ist, die griechischen Anleihen der EZB an den EFSF zu dem Preis, zu dem sie die Zentralbank gekauft hat, zu verkaufen. Ein Verkauf der griechischen Anleihen an den Rettungsschirm würde es der EZB erlauben, die Anleihen abschreiben zu können, ohne die Unabhängigkeit der Bank zu gefährden. Ein Vorschlag, den bereits der IWF und der Bankenverband einmal thematisierten (zum Rechenmodell hier).Allerdings, so die Beamten, sei der EFSF momentan gegen diesen Vorschlag. Man fürchte, diese Aktion könnte die Kapazitäten des Rettungsschirmes überdehnen.

UBS und Barclays Capital schätzen, dass die EZB zwischen 36 Milliarden und 55 Milliarden Euro in griechische Anleihen investiert hat. Ganz gleich zu welcher Möglichkeit eventuell gegriffen werden würde, müsse die EZB so oder so Netto-Verluste in Kauf nehmen, sagt Marco Valli von der UniCredit. Wenn der EFSF beispielsweise Anleihen von der EZB zu deren Einkaufpreis kaufe, würde „der Verlust am Ende des Tages von der EZB“ über den EFSF „in die Regierungen wandern.“

Ein weiterer diskutierter Plan sieht vor, dass die Zentralbanken des Euro-Raums auf Gewinne verzichten oder Verluste auf griechische Anleihen in ihren Portfolios hinnehmen. Diese Anleihen sind nicht mit denen in den Beständen der EZB identisch, sagte einer der Beamten. Keiner der beiden Vorschläge werde jedoch zurzeit bevorzugt besprochen.

Mehr zum Thema
Griechenland: Milliardenloch wegen Krise in der Schifffahrt
Preis für Euro-Hilfe: China will Ende des Waffen-Embargos
Griechisch-orthodoxe Kirche: Erzbischof nennt Sparkurs eine „tödliche Medizin“

Kommentare

Dieser Artikel hat 19 Kommentare. Wie lautet Ihrer?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

  1. J. C., geb. Püschl sagt:

    Zitat: „Ein solcher Schritt würde das Gesetz über die verbotene Finanzierung von Staaten verletzen.“

    Jetzt wird´s spannend!
    Wenn sie das Verbot übertreten, entlarven sie sich als Kriminelle, und können stehenden Fusses festgenommen werden.

  2. luther sagt:

    lausige Hütchenspieler, Papierschrott virtuell hin und herschieben und am Ende bluten die Zipfelmützen.
    Klar ersichtlich, die BRD hat die Bestimmung über die Finanzen schon verloren, die liegt jetzt bei GS. Da läuft ein Beutezug ab der in die Geschichtsbücher eingehen wird.

  3. János sagt:

    Die EZB „gehört“ nicht den Staaten, sondern den nationalen Zentralbanken. Es gibt zwischen der EZB, der Bundesbank und der Bundesrepublik weder eine Anstaltslast noch eine Gewährträgerhaftung, die festlegen würde, dass der Steuerzahler für Verluste der Zentralbank in Rechenschaft zu ziehen ist. Das Gesetz über Deutsche Bundesbank (BBankG) sieht ohnehin keinen wie auch immer gearteten Ausgleich möglicher Verluste der Bundesbank vor.

    Uns gehört „nur“ das Eigenkapital, welches wir schon bezahlt haben und die Rücklagen.

    Somit können hunderte von Milliarden übernommen ausgelagert und Pö a Pö abgeschrieben werden ohne uns zu belasten. Außerdem haben EZB und BB diese Papiere nicht zum Nennwert hereingenommen. Da es sich nur um Buchgeld handelt entsteht der Realwirtschaft keinerlei Liquditätsverlust.

    Zwar fehlen im Haushalt dann die Zuwendungen aus den Gewinnen der Bundesbank, dies ist jedoch nur ein Bruchteil der Summe die unsere Regierung der Finanzmafia hinterher schmeißt.

    Merkel & Co sollen uns nicht weiter für dumm verkaufen, sondern UNSER GELD dort holen wohin sie es verschoben haben.

    • braveheart sagt:

      Es gehört gar nichts mehr irgendwozu, durch den Hochverrat herrscht Anarchie! Rechtsbruch, Willkür, Macht ist der EU Religion!