EU frustriert: „Venizelos plant nur seine Zukunft, nicht die seines Landes“

Die Nerven liegen blank: In einer Telefonkonferenz erregten sich die Euro-Finanzminister über das offenkundige Desinteresse des griechischen Chefverhandlers an einer Lösung der Krise. Finanzminister Venizelos sei für die Troika nicht erreichbar, weil er mit dem Wahlkampf für den PASOK-Vorsitz beschäftigt sei. Venizelos kontert, er leiste „Übermenschliches“.

Aktuell
Griechenland: EU fordert Antwort bis Montag Mittag

Die EU-Finanzminister äußerten sich am Samstag in einer Telefonkonferenz ungehalten über die griechischen Beiträge zur Rettung des Euro in Griechenland: Ein Sprecher sagte Reuters, dass alle Teilnehmer der Meinung sein: „Genug ist genug. Es herrschte große Frustration, weil die Griechen die Verhandlungen verschleppen. Sie sollen ihren Kram auf die Reihe bekommen, ehrlich verhandeln, entschieden und schnell, um die Dinge geordnet zu bekommen, die noch offen sind.“

Besondere Verärgerung hat offenbar Finanzminister Evangelos Venizelos ausgelöst: „Es herrscht großer Unmut über Minister Venizelos, den man nur sehr schwer erreichen kann, weil er mit seinem Wahlkampf für den PASOK-Vorsitz sehr beschäftigt ist; daher kann er sich nicht mit den Mitgliedern der Troika treffen“, sagte ein Offizieller. Und: „Er bereitet seine eigene politische Zukunft vor, viel mehr als die Zukunft seines Landes. Die Leute sind ernsthaft verärgert und haben ihm das auch am Samstag sehr deutlich zu verstehen gegeben.“

Venizelos konterte umgehend: Das sei „lächerlich, ja geradezu bösartig“. Jeder der den Kalender des Ministers kenne, wisse, dass er „übermenschliche Anstrengungen leiste, und zwar 24 Stunden täglich“. Vor allem aber weiß Venizelos, dass der Großteil der nächsten Tranche nicht den Griechen, sondern den Banken zugute kommen wird (mehr hier).

Die EU-Finanzminister glauben daher, dass Griechenland auf Zeit spiele, weil die EU eine Pleite fürchte: „Sie denken, dass wir denken, dass das Undenkbare nicht gedacht werden können. Sie sollten da lieber noch mal drüber nachdenken.“

Die Nerven liegen offenbar ziemlich blank: Ein EU-Beamter sagte Reuters, dass der Troika zum jetzigen Zeitpunkt auch ein von allen unterschriebener Brief nicht reichen würde. Man verlange einen klaren Zeitplan, wann welche Reformen in Gesetzesform verankert würden. Die Frage ist allerdings, ob die Griechen einen solchen Zeitplan für verbindlich erachten würden.

Mehr zum Thema
Griechische Gewerkschaften kündigen 24-Stunden-Streik an
Griechenland: Treffen Papademos’ mit Parteiführern endet ohne Durchbruch
Spanien im Januar: 1000 Pleiten pro Tag im Mittelstand

Kommentare

Dieser Artikel hat 49 Kommentare. Wie lautet Ihrer?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

  1. Ja ja sagt:

    Das Hauptproblem ist nicht Brüssel,

    die Wurzel allen Übels ist unser Deutsches Bundesverfassungsgericht, weil es all die Verträge abgenickt hat, die größenwahnsinnige Deutsche Politiker im Rahmen der EU unterschrieben haben. Das BVG hat auch immer und immer wieder die ausufernde Deutsche Staatsverschuldung abgenickt. Ja, gelegentlich hat es mahnend den Zeigefinger nach dem Motto gehoben: Bis hierher aber nicht weiter; hat dann aber brav jedes Weiter abgenickt. Wer so wenig auf das Grundgesetz aufpasst, wie die Richter am BVG, der gehört eigentlich als erster vor ein neues, unabhängiges Gericht.

    • J. C., geb. Püschl sagt:

      Nein, nein!

      Die Wurzel allen Übels ist das BVerfG nicht.

      Aber die Verfassungsrichter haben gleich mehrere schwerwiegende Probleme:

      1. Sie alle haben ein Parteibuch, sind also parteiisch und können damit nicht mehr unparteiisch sein.

      2. Sie sind den Weisungen des Justizministers ausgeliefert, der ein Teil der Exekutive ist, und repräsentieren folglich keine eigenständige Gewalt nach der gängigen Lehre.

      3. Sie haben nur Dienstausweise, die sie als Bedienstete ausweisen, und keine Amtsausweise, die sie als Amtsträger ausweisen könnten. Folglich ist ihr vermeintliches Amt nur eine Mutmassung.

      4. Sie haben in ihrer Rolle als Verfassngsrichter keine Verfassung, nur ein provisorisches Grundgesetz, das seit 1990 keinen Geltungsbereich mehr hat, und wegen dieses Mangels nirgendwo mehr rechtmässig angewendet werden kann.

      5. Einer ihrer bekanntesten Sprüche, die BRD sei mit dem Deutschen Reich identisch (1973), ist durch Art.133 GG und den Haager Gerichtshof (http://www.deutsche-mittelstands-nachrichten.de/2012/02/37506/#comment-54834) offenkundig widerlegt.

      6. Immer weniger Deutsche nehmen ihre Sprüche unkritisch hin und ihr Ansehen ist im Schwinden begriffen.

      Eigentlich müsste man mit den Verfassungsrichtern Mitleid haben, wenn man nur wüsste, ob sie selber unter den Misständen leiden, oder lediglich ein rechtsfeindliches Gesindel bilden!

      • Michi sagt:

        Es ist vielen noch immer nicht klar, dass Deutschland nicht die BRD ist. Deutschland (DR) ist der Staat, die BRD das Verwaltungskonstrukt nach dem II. WK im Sinne Haager Landkriegsverordnung. Da die BRD kein Staat ist, gibt es auch keine Staatsangehörigkeit, deshalb DEUTSCH.

  2. der Bauer vom Hunsrück sagt:

    venizelos kappt die Verbindungen zur EU, die GR in die Tiefe ziehen, das ist das einzig richtige um nicht zu ertrinken. die EU wird´s überleben – oder auch nicht (hoffendlich)

  3. Atreides sagt:

    Ich habe immer öfters den Eindruck, daß da in Brüssel nur Dilettanten am Werk sind, denen der notwendige Weit- und Ausblick fehlt. Das habe ich schon vor zwei Jahren so kommen sehen, und jetzt wundern die sich, wo es doch alles Experten in Wirtschaftssachen sind. Sie sollten allesamt zurücktreten.

  4. Ben sagt:

    Erst muss auch noch die letzte Reserve aus den Überresten des griechischen Volkes gesaugt werden,bevor vor man den Vorhang fallen lässt.Lohnkürzungen etc.sollten vor der endgültigen Versklavung noch durchgezogen werden und so kommt mir das ganze wie immer, als eine gut inszenierte Schauspieleinlage vor.Das diese Eliten zuerst an sich denken, dürfte mittlerweile wohl jedem Menschen bewusst sein.Man kann nur hoffen das dieses Schmierentheater bald sein Ende findet.Wie es den Menschen in Griechenland geht ist Ihnen egal,denn die ganzen Rettungsmaßnahmen dienen ja nur der Umschichtung des noch vorhandenen Kapitals zu den Banken. ARME VERBRANNTE ERDE MIT EINER AUSGEHÖHLTEN GESELLSCHAFT….

    • Dagmar sagt:

      Leider sieht es auf EU-Ebene, sprich in Brüssel und Straßburg auch nicht anders aus. Was würden wir mit dieser Mammutbehörde machen, wenn der Euro crasht. Hartz4 und ne Wohnung im Silo fände ich persönlich gut, die Eurokraten in Brüssel und anders wo sicher nicht.

  5. schlaumeister sagt:

    Die Gläubiger werden wie dumme Jungens vorgeführt, die korrupten Eliten in GR
    haben Abermilliarden abgesahnt, dumm dümmer EU-Hühnerhaufen!!

  6. conforma sagt:

    Mal ehrlich – diese Troika, was sind das eigentlich für Bürokraten-Hampelmänner? Mein Eindruck: Die wissen gar nicht so recht, wozu sie überhaupt diese Griechenland-Ausflüge machen, was machen die eigentlich? Wollen die sich nur die schönen Auslands-Spesen und Sonder-Erschwernis-Zulagen verdienen und mal zur Abwechslung in den tollsten Hotels wohnen? Oder holen die lediglich Briefe ab und reichen sie dann weiter an ein paar EU-„Führer“ in der Brüsseler Pöstchen-Anstalt?
    Es ist schlimm, dass man diesen ganzen Irrsinn nur noch mit Sarkasmus und als eine Art Lach-Nummer ertragen kann. Dabei muss der normale Grieche jeden Tag mehr um seine Existenz kämpfen, weil er von diesen Venizelos-Ganoven nieder gemacht wird.
    Und es ist sehr bedauerlich, dass dann auch noch von deutscher Seite Hass und Hetze gegen diese entwürdigten Griechen vorgetragen werden.

  7. jupp88 sagt:

    Der gr. Finanzminister muss unter starkem realitätsverlust leiden. Wahlen in griechenland: was ein witz. Der wahlgewinner hat doch eh nix zu melden.

    • Rosa Galler sagt:

      Jupp 88

      Das ist das beste Beispiel dafür, wie die Elite an das Volk denkt.

      Nämlich gar nicht!!