Poker in Athen: Troika will hart bleiben – Griechenland auch

Im Endspiel um Griechenland droht die EU in die Defensive zu geraten. Dies vor allem deshalb, weil die Griechen zumindest in einem Punkt sehr genau rechnen können: 81% des nächsten Bailouts werden wieder zum Schuldendienst an die Banken verwendet, knapp die Hälfte des gesamtes Geldes geht wieder nach Europa zurück. Was also haben die Griechen zu verlieren?

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Die EU-Finanzminister sind sichtlich genervt, weil der griechische Finanzminister Venizelos sie mehr oder weniger hinhält (hier). Das ist nicht wirklich verwunderlich: Die Griechen wissen, dass die Banken und die EU das Geld der nächsten Tranche gerne haben wollen. Denn nur 19% der nächsten Tranche gehen in das griechische Haushaltsdefizit. Wir haben das schon bei allen vorherigen Tranchen erlebt (siehe Grafik).

Die Forderungen, die die Troika nach Informationen des griechischen Fernsehsenders Mega TV am Wochenende als im Grunde unumstößlich wiederholt haben, sind für die Griechen in ihrer aktuellen Situation inakzeptabel: Der Mindestlohn soll auf unter 600 Euro gedrückt werden (jetzt 750 Euro); mindestens eine der Sonderzahlungen in der privaten Wirtschaft soll fallen; einige Renten sollen um 35% gekürzt werden. Alle Parteien sind gegen diese Forderungen (hier). Die Griechen bieten stattdessen Kürzungen der Sachleistungen an (hier), unter anderem im Militärbereich: Auch das wird den Europäern nicht gefallen, denn das meiste Militärgerät sind Importe aus EU-Staaten.

Die Warnung des griechisch-orthodoxen Erzbischofs, dass weitere Sparmaßnahmen das Volk strangulieren würden (hier), gibt den griechischen Politikern die moralische Legitimation, hart zu bleiben. Der Angriff von Jugendlichen auf die Residenz des Staatspräsidenten am Samstag (hier) hat viele Spitzenpolitiker erschreckt – auch wenn die Attacke ohne großen Schaden blieb.

Im Übrigen wissen die Griechen auch, dass ein freiwilliger Schuldenschnitt unter anderem die griechischen Pensionsfonds hart treffen würde. Sie wären im Fall eines Verzichts auf 70% kaum in der Lage, die fälligen Renten in den kommenden Jahren auszuzahlen.

Die Tatsache, dass Hedge Fonds bei Klagen eine gute Chance hätten, ihre Ansprüche durchzusetzen (hier), interessiert die Griechen ebenfalls herzlich wenig: Am Ende würde dieses Geld von der EZB (= der Deutschen Bundesbank) gezahlt werden (hier).

Interessant ist in diesem Zusammenhang ein Interview, das der IWF-Sprecher Poul Thompsen der Zeitung Kathimerini gegeben hat: Darin lockert der Däne schon die Forderungen und spricht davon, dass man den Griechen bisher zuviel zugemutet habe, und man die griechischen Wirtschaft nicht zu Tode sparen könne (Interview hier im Original/englisch).

Diese Position macht deutlich, dass die Troika im Grunde schlechte Karten hat. Die Demütigungen der Griechen (etwa durch das deutsche Ultimatum – hier) haben in Athen die Bereitschaft verstärkt, die Pleite als Option in Erwägung zu ziehen. Weil die EU vermutlich keine Plan B hat, sondern fürchten muss, dass der Fall Griechenland sich in allen anderen unter Druck geratenen Euro-Staaten wiederholen dürfte, stehen in der aktuellen Sackgasse die Europäer eindeutig näher vor der Wand.

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Kommentare

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  1. Justin Time sagt:

    Ich wünsche es nicht, aber die Griechen knicken ein oder werden eingeknickt. Gegen das Monster EU ist kein Kraut gewachsen.

  2. Manu sagt:

    Eine gute Mögligkeit um „Das zweite Wunder von Wörgl“ auszuprobieren…
    Vielleicht könnten die Griesche wieder Geschichte schreiben und die Wirtschfts auf diese Weise wieder am laufen zu bekommen.
    Abschaffung der Banken, Zins aufs Geld, bedingungslose Grundeinkommen, Reale Wirtschafts.
    Dann könnten andere Länder folgen.

    Oder was meint ihr??

  3. wei sagt:

    die EU hat doch garnix zu melden, 5 US Banken halten ca 90% der CDS,das gezedere geht darum das Griechenland nicht pleite gehen darf weil dann die CDS fällig werden-gehen sie fällig reist es den ganzen Laden um -das ist das Problem.Einen Schuldenschnitt kann nur der IIF machen,denn der steht dem ganzen Bankenmist vor und kann damit die untergeordnete Bankenwirtschaft zwingen- alles kalter Kaffee was da aus der EU kommt.Hat im übrigen Ackermann vor ein paar Tagen selbst erzählt

  4. Pilger sagt:

    Man soll die Dumheit der Hühner dem Fuchs nicht als Klugheit anrechnen.

    Die Miesere in GR hat zwei Seiten und damit zwei Ursachen:

    Die internationale Hochfinanz hat wie ein Dealer seine Süchtigen herangezogen und die Politik in die Abhänigkeit geführt. Die Volksverräter sind nicht bereit ihr Versagen einzugestehen und dadurch den Weg für eine Kurskorrektur freizumachen. Sie haben das Volksvermögen veruntreut und verweigern die Übernahme der Verantwortung durch das ignorieren der Tatsachen.

    Die Bevölkerung hat, solage sie darin einen Nutzen für sich selber sah, durch ihre Anspruchshaltung diesen Prozess gefördert. 14. Monatsgehalt, tote Rentner, …….

    Beide Seiten haben durch ihre schamlose Gier die katastophale Lage herbei geführt.
    Die Verantwortung nur den Finanzaktören zuzuschreiben greift zu kurz. Ausbaden darf die Soße der kleine Mann. Leider am wenigsten der, welcher Nutznieser der mafiösen Verhältnisse war.

    Ich bin 52 Jahre alt, arbeite seit meinem 15. Lebensjahr als Zimmermann, das sind inzwischen 37 Jahre und soll nun für andere bluten. Vor 9 Jahren hatte ich einen schweren Arbeitsunfall, mein Kreuz ist seither völlig am A…. Komm mir bloß keiner mit seinem Gutmenschengeschwätz von wegen Solidarität mit Leuten, die nach 30 Jahren Sesseldienst in Rente gehen.

    Leckt mich am A……

    • Robespierre sagt:

      Es sind nicht die Finanzaktöre. Es ist das System. Das Finanzsystem der Zins und Zinseszinsen. Das führt zur Zockerei in allen Ebenen. Wir alle sind daran schuldig und machen mit.

      • J. C., geb. Püschl sagt:

        Zitat: „Wir alle sind daran schuldig und machen mit.“

        Das stimmt so nicht!
        Das gegenwärtige System war schon da, als wir geboren wurden und wurde uns ungefragt „übergestülpt“.
        Wir mussten irgendwie mitmachen, ob wir nun wollten oder nicht, ob wir davon Kenntnis hatten oder nicht.

        So trifft den Otto und den Michel mit seinen Familien keine Schuld.
        Schuld tragen diejenigen, die das System erfunden, konstruiert und betrieben haben bzw. noch betreiben (wollen).
        Diese werden sich zu gegebener Zeit zu verantworten haben und dürfen sich darauf vorbereiten, den Preis dafür zu bezahlen, den sie für „Unbeugsame“ vorgesehen haben.

        Noch lassen sich die Bürger Europas von den selbsternannten „Gouverneuren“ reiten; bald werden die Reiter ihre Apokalypse mit eigenen Augen wahrnehmen, spätestens dann, wenn sie abgeworfen und zertrampelt werden!

    • der Bauer vom Hunsrück sagt:

      nein, aber die kleinen Leute in GR wie du und ich hier in D haben am wenigsten von den Krediten profitiert. Die politmafia setzt sich ab.

    • Rosa Galler sagt:

      Pilger

      Sie werden wohl noch mehr für Griechenland zahlen müssen. Wir, als Verbraucher sollen nämlich jetzt Ökostrom für Griechenland mit bezahlen.
      Damit auf diesem Wege die griechische Wirtschaft angekurbelt wird.

  5. Franz-Georg sagt:

    Gute Runde hier. Gut auch, daß in den vielen Foren endlich Klartext geredet wird, was lange nicht der Fall war, ich glaube das ist bereits die Wende, die bekanntlich immer erst im Geiste anfängt. Ich habe dem nichts hinzuzufügen.

    • mueller sagt:

      ach leute, ihr wisst gar nicht, wei gut das tut, hier rumzustöbern und auf kritisch gesinnte zu treffen. redet mit euren freunden und nachbarn, lasst uns die kritische masse bilden, auf dass die zockerbande bald nur noch offshore an ihrem bitesgeld knabbern kann.
      hier ein tipp für suchende: shaxsons „schatzinseln“ (wo und wie verschwindet das ganze geld?!)

  6. ichi sagt:

    klar geht fast alles zurück an die banken.
    ist ja auch normal wenn man sich einen kredit bei der bank nimmt das dann die raten bezahlt werden müssen.
    einzige was man eigentlich den banken vorwerfen kann ist doch dass sie den griechen einfach zuviel geld geliehen haben.

  7. louis-portugal sagt:

    BeppO völlich einverstanden.

  8. der Bauer vom Hunsrück sagt:

    ich schicke noch einen LKW Nato-Stacheldraht, einen Zug voll Minen und jede Menge Flugabwehrraketen um die Bastion der Ablehnung zu festigen. Es wäre so toll, wenn morgen in der Zeitung stünde: GR läßt Troika abblitzen – €-Land Geschichte.

  9. Schluss jetzt! sagt:

    Wenn die Griechen nur halb so raffiniert ihr eigenes Land führen würden, wie sie den Rest von Europa betrogen haben und jetzt versuchen uns abzuzocken, würde das Land besser dastehen.

    Ich bin für ein Ende mit Schrecken. Lassen wir das Land mit seinen korrupten Politikern und Beamten voll an die Wand fahren.

  10. der Bauer vom Hunsrück sagt:

    suuuuuper klasse!
    die Bombe ist gelegt, wer zündet bitte die Lunte an?