Spanien im Januar: 1000 Pleiten pro Tag im Mittelstand

Im Januar mussten in Spanien über 30.000 Selbständige die Insolvenz anmelden. Seit 2011 ist vor allem der spanische Mittelstand in äußerster Bedrängnis. Vor allem die Vorauszahlung der Umsatzsteuer macht den Selbständigen zu schaffen.

Aktuell
Griechenland: EU fordert Antwort bis Montag Mittag

Im Jahr 2011 sind 32.579 Selbstständige in Spanien pleite gegangenen, berichtet die spanische Zeitung El Confidencial. Von ihnen ausgestellte Rechnungen in Höhe von über 1,930 Milliarden Euro wurden nicht bezahlt. Doch damit nicht genug: Allein im Januar 2012 haben weitere 30.458 Selbstständige Insolvenz angemeldet, also nur etwa 2.000 weniger als im gesamten letzten Jahr. Damit kommen 1000 Pleiten pro Tag vor die Insolvenzverwalter.

Neben der schlechten wirtschaftlichen Situation bereitete den Selbstständigen vor allem die Umsatzsteuer (IVA) Probleme. Diese mussten sie zahlen, obwohl die entsprechenden Rechnungen noch nicht beglichen waren. Vor mehr als einem Jahr hatte die EU die Mitgliedsstaaten bereits gebeten, die Gesetzgebung zu ändern. So sollten die Steuern erst beglichen werden müssen, wenn diese tatsächlich erst nach dem Bezahlen der gestellten Rechnungen von den Selbstständigen eingenommen worden sind.

Die aktuelle Situation der Selbstständigen in Spanien ist „eine Barbarei, ein Skandal“, kommentierte Lorenzo Amor, der Präsident des nationalen Verbandes der Selbstständigen (ATA) die neuesten Daten. Die Regierung müsse diese Tortur zum Wohle aller stoppen. Immerhin schaffen die Selbstständigen Arbeitsplätze und sind mitverantwortlich für das wirtschaftliche Wachstum des Landes. „Diese Zahlen verdeutlichen die Tiefe der Krise“, sagte Sebastiàn Reyna, Generalsekretär der Union der Fachkräfte und Selbständigen (UPTA). „Es zeigt, welche Schwierigkeiten wir in Zukunft haben werden, Arbeitsplätze zu schaffen“.

Im letzten Quartal des vergangenen Jahres schrumpfte das BIP Spaniens um 0,3 Prozent und warf das Land in eine Rezession (die spanische Notenbank erwartet im ersten Quartal 2012 sogar ein Minus von 1,5 Prozent – mehr hier). Die Sparmaßnahmen der Regierung tragen stark zum Schrumpfen der Wirtschaft bei und mobilisieren zunehmend auch die spanische Bevölkerung (hier). Ein weiteres Problem stellen die Assets der spanischen Banken dar. Diese halten Schrottpapiere im Wert von 175 Milliarden Euro (mehr hier).

Mehr zum Thema
Griechische Gewerkschaften kündigen 24-Stunden-Streik an
Finanz-Metropole Frankfurt: 18% Leerstand bei Büros
UBS-Index: Der Schweiz droht eine Immobilien-Blase

Kommentare

Dieser Artikel hat 19 Kommentare. Wie lautet Ihrer?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

  1. Cill sagt:

    Hatte selber die Probleme hier in Spanien , IVA ( Mwst.) immer bei Rechnungsstellung abführen , bei der grottenschlechten Zahlungsmoral der Kunden bricht einem das schnell das Genick .
    Aber wir Kleinunternehmer sind ja einfallsreiche Kerle und wir zahlen jetzt überhaupt keine Steuern mehr , ohne Einnahmen keine Steuern , das geht sicherlich nicht ewig gut aber das Überleben geht erst mal vor.
    Ich kenne in meinem Umfeld hunderte die das so machen , das wird die Talfahrt Spaniens rasant beschleunigen. Das heisst nicht das wir dieses wollen , wir haben teilweise Jahrzehnte unsere Steuern pünktlich bezahlt und dabei auch gut gelebt .

    Mit verantwortlich ist auch das rigorose Finanzamt , die haben hier direkten Zugriff auf dein Konto , wenn das Finanzamt denkt irgendetwas ist nicht in Ordnung , wird abgebucht und du bist dann in der Beweislast .

    Insbesondere in Spanien sehe ich tatsächlich riesige Probleme für Europa,
    denkt bitte auch mal an die paramilitärische Polizei die hier das sagen hat , die Jungs sind nicht zimperlich und auch sehr Machtversessen.

  2. Harald sagt:

    Selbständig heist „man Arbeitet selbst und das Ständig“.