Finanz-Metropole Frankfurt: 18% Leerstand bei Büros

Der hessische Ministerpräsident ist gegen die Finanztransaktionssteuer. Er fürchtet um die Attraktivität des Finanzplatzes Frankfurt und um Arbeitsplätze. Die Bankenmetropole hat ein strukturelles Problem, weil sie sich nie von der Dot-Com-Blase erholt hat.

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Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier hat sich entschieden gegen die neue Finanztransaktionssteuer ausgesprochen. In der aktuell diskutierten Form – ohne Großbritannien – würden die Bedenken überwiegen: „Eine Steuer muss so ausgestaltet werden, dass die Interessen des Finanzplatz Frankfurts gewahrt werden. Geschäfte dürfen nicht von Frankfurt nach London oder anderswo hin verlagert werden. Ansonsten verlieren wir Arbeitsplätze“, sagte Bouffier im Interview mit dem Handelsblatt.

Wie schmerzlich ein weiterer Verlust von Arbeitsplätzen vor allem im Bankensektor wäre, zeigt auch ein anderes Phänomen: In den vergangenen 20 Jahren hat sich der Leerstand von Büroimmobilien verfünffacht. Frankfurt ist die Stadt mit dem größten Leerstand von Büros in Deutschland.

In der Bankenmetropole stehen 18 Prozent aller Büros leer. Während in den Jahren 2000 bis 2010 die Zahl der Büroangestellten leicht zurückging, wuchs die Bürofläche um 23 %.
Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) macht für die hohe Zahl leerstehender Büros vor allem eine Tatsache verantwortlich: Die Nachfrage nach Büroflächen hat sich seit dem Platzen der Dot-Com-Blase Anfang des Jahrtausends nicht mehr vollständig erholt. Damals wurden in Erwartung des großen Technologie-Booms tausende neue Büroeinheiten errichtet, von denen viele jedoch niemals bezogen wurden.

Viele der Büroimmobilien entsprechen daher nicht mehr dem Standard, der mittlerweile erwartet wird. Bestandsgebäude müssten kostenintensiv saniert werden, um den hohen Ansprüchen neuer Mieter zu entsprechen. Die steigende Bedeutung von Modernität und Effizienz lässt die Nutzungsdauer von Büroimmobilien sinken. Die neue Transaktions-Steuer würde dem Börsenplatz Frankfurt vielleicht nicht direkt schaden. Viele finanznahe Dienstleister würden jedoch vermutlich abwandern, wodurch die bestehenden strukturellen Probleme weiter verschärft würden.

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Kommentare

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  1. Wetterleuchten sagt:

    18% Leerstand bei Büroräumen, heißt, das sich langsam die virtuellen Spielchen dem Ende zu neigen.

    Es gibt allerdings so gut wie keinen Leerstand bei Wohnraum. Da schnellen die Preise jährlich nach oben.

  2. harry sagt:

    Diese Scheindebatte um die Transaktionssteuer ist doch völliger Blödsinn. Am Ende zahlt sie ja wieder der einfache Bürger und Steuerzahler. Sollte sie evtl. zu Verlusten bei den Banken führen, ist ja eh schon klar, wer dafür aufkommt, oder?
    Von daher schadet sie im Endeffekt Frankfurt und somit Deutschland. Im globalen Internetzeitalter fließt der Umsatz dann eben nach London oder Singapur.
    Schwer zu verstehen?

  3. Fred Kirchheimer sagt:

    Wieso ist der Leerstand von Büroflächen ein Problem der Stadt Frankfurt?
    Die kassieren dafür Grundsteuer. Auch die Stadtwerke halten die Hand auf, egal ob vermietet oder nicht.

    Wenn es ein Problem ist, dann ggf. für die Eigentümer der Gebäude. Und die Stadt sollte sich nicht deren Sorgen zueigenmachen. Die Stadt sollte lieber darüber nachdenken, wie Büroflächen ggf. in Wohnraum umgewidmet werden können.