Griechenland: Senkung des Mindestlohns als möglicher Kompromiss

Als möglicher Kompromiss in der Griechenland-Krise kursiert die Senkung des Mindestlohns. Dagegen läuft bereits die Handelskammer Sturm. Denn der Mindestlohn ist das Maß für Tarif-Verhandlungen und Sozialleistungen: Wird er um 20% gesenkt, sinken über kurz oder lang alle Einkommen in der Privatwirtschaft um 20%. Die Staatsbediensteten würden dagegen vermutlich besser wegkommen.

Der griechischen Premier Papademos pendelt zwischen Telefonaten mit der Troika und Treffen mit den Parteiführern. Momentan zeichnet sich ein möglicher Kompromiss ab: Die Parteiführer brüsten sich, dass sie die Streichung des 13. und 14. Monatsgehalts abgewendet hätten. Wenn es jedoch stimmt, dass sie stattdessen einer 20%-Senkung des Mindestlohns zugestimmt haben, hätte dies für die griechische Wirtschaft möglicherweise sogar noch gravierendere Folgen.

Der Chef der griechischen Handelskammer ESEE , Vassilis Korkidis attackierte die Parteien scharf und sagte, dies käme einer Kriegerklärung an das eigene Volk gleich. Die Kammer werde dagegen mit allen Mitteln kämpfen, um den Lebensstandard der Griechen und das Überleben der griechischen Wirtschaft zu sichern.

Die Parteien glauben offenbar, dass sie mit dem Mindestlohn leichter in der Öffentlichkeit durchkommen. Tatsächlich ist der Mindestlohn (derzeit 750 Euro pro Monat) eine wichtige Kenngröße im griechischen Sozialgefüge: An ihm orientieren sich die Tarifgehälter und das Arbeitslosengeld.

Der Troika kann es egal sein, wo gespart wird. Allerdings geht auch sie ein Risiko ein: Wenn der soziale Frieden weiter so gefährdet bleibt, könnten die Griechen den Mindestlohn irgendwann zu einer anachronistischen Größe erklären.

Die größte Gefahr besteht, wie bereits in den bisherigen Sparrunden, für die freien Berufe und die Privatwirtschaft. Denn im aufgeblasenen öffentlichen Dienst will Finanzminister Evangelos Venizelos nicht sparen. Daher wird konsequent die Privatwirtschaft geschwächt. Das Problem für Venizelos: Mit dieser Strategie mag er vielleicht den Sprung zum sozialistischen Parteichef schaffen. Wenn er jedoch Hunger hat, werden ihn die Papiere der Bürokraten nicht sättigen – Brot, Milch und Butter muss er bei der Privatwirtschaft kaufen. Die weitere Schwächung des produzierenden Gewerbes würde die Krise in Griechenland auf einen neuen Höhepunkt treiben.

Die Produzenten werden nicht tatenlos zusehen: Am Sonntag haben Kartoffel-Bauern in Griechenland tonnenweise Kartoffel an die Bürger verschenkt – aus Protest gegen die niedrigen Preise, die sie für ihre Produkte bekommen, während Kartoffeln aus anderen Ländern en masse importiert werden.

Kommentare

Dieser Artikel hat 38 Kommentare. Wie lautet Ihrer?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

  1. greekrabbit sagt:

    Zitat:
    Die Parteiführer brüsten sich, dass sie die Streichung des 13. und 14. Monatsgehalts abgewendet hätten.

    Hier die Info dazu:
    bisheriger Mindestlohn 751 Euro mal 14 = 10514 Euro jährlich

    wenn der 13. und 14. Gehalt gekürzt worden wäre:
    bisheriger Mindestlohn 751 mal 12 = 9012 Euro jährlich

    jetztiger Mindestlohn minus 20% ist 600,80 Euro mal 14 = 8411,20 Euro jährlich

    sprich ein Verlust für Arbeitnehmer 600 Euro jährlich ………

    dazu kommt noch der Steuerfreibetrag von 10000 Euro wurde ja bereits heruntergesetzt auf 5000 Euro, d.h. dann wohl das hier auch noch etwas zu versteuern ist.

    Die selbe Rechenaufgabe ergibt sich auch aus dem Arbeitslosengeld,
    bisher pauschal 461 Euro monatlich, nach dem neuen Sparpaket 369 Euro…….
    wie soll der Grieche mit Preisen teilweise Teurer als in D & Ö hier überleben ??

    Der Normalbürger in Gr fühlt sich verar…… !!! und wird weiter auf die Strasse gehen !!!

  2. mamalu von luluba sagt:

    wenn das so weitergeht, brennt Griechenland bald

  3. Rosa Galler sagt:

    Bald können die Ärmsten in Griechenland nicht mehr atmen. Sosehr schnürt man ihnen die Luft ab.

  4. Hans sagt:

    Also diese Griechen sind richtig clever. Das wird mir hier auf diesen Seiten ganz klar bewusst. Während sich hier die Kommentatoren gegenseitig zerfleischen, tun sie NICHTS. Und genau das scheint derzeit der richtige Weg, um an den Inhalt euer aller Brieftaschen zu kommen… ha, ha, ha… (wenn´s nicht so traurig wär)

  5. Wetterleuchten sagt:

    Warum die Armen noch ärmer machen? Deren Kaufkraft völlig vernichten? Wieso regelt man nicht die Höchsteinkommen der staatlich Bediensteten oben ab? Anstelle 6000 EURO eben 2000 EURO.

    • Hans sagt:

      Das ist es ja eben! Der Staatsdienst und die Betuchten werden geschont von Venizelos. Die Lasten werden denen aufgebürdet, die ohnehin nicht auf Rosen gebettet sind. Ich behaupte, die Strategie des V. ist, dass die dadurch möglicherweise entstehende Anarchie als ein weiteres Druckmittel auf die Geldgeber, auf Europa, auf uns alle instrumentalisiert werden soll. Ich meine, ein zynisches Spiel. Wir sollten es nicht mitspielen!

  6. ungefragt sagt:

    Ein niedriger Mindeslohn schafft vielleicht Anreiz zur Schaffung von Arbeitsplätzen. Mehr haben die Griechen eben nicht zu bieten, als billige Arbeiter. Wer investiert freiwillig in ein Land mit derartiger Korruption usw???????? Das einzige was bei denen gut funktioniert sind die Gewerkschaften.

    • Klotho sagt:

      So so das ist auch die Arbeitsweise in Deutschland, Dumpinglöhne scheibchenweise einführen und diese repressive Arbeitsmarktpolitik in ganz Europa ausführen. Ich erkenne wie gehirngewaschen schon viele Deutsche sind.

      In Portugal und in Spanien sind die Löhne nicht hoch und auch in Griechenland sind die Löhne auch nicht so hoch für die meisten der Bevölkerung.
      Hohe Löhne werden in Deutschland an die Tarifparteien gezahlt, da passen die Gewerkschaften schon auf. Aber gilt nur für Tarifparteien die noch eine Arbeit haben, für diejenigen die die Arbeit verlieren und auch keine Anstellung finden gilt das nicht mehr. Die sind zum Abschuß freigegeben.

      Der Mindestlohn ist ein Schutz vor Armut, das ist die Existenzgrundlage, das Mindesteinkommen das garantiert ist.

      Das 13. und 14. Gehalt entspricht dem deutschen Urlaubsgeld und Weihnachtsgeld. Also erhalten auch viele deutsche Arbeitnehmer das 13. und 14. Gehalt.

      Wohl auf journalistische Worthülsen hereingefallen. Und wenn die hiesige Regierung allen ihren Angestellten und Beamten sagt, daß das 13.und 14. Gehalt, also Urlaubsgeld und Weihnachtsgeld gestrichen werden und der Lohn um 25 % gesenkt wird, was werden dann die Arbeitnehmer sagen?

      Werden die deutschen Arbeitnehmer freudestrahlend applaudieren und das toll finden?????????