Kriegsspiel: US-Think Tank simuliert israelischen Angriff auf Iran

US-Präsident Obama rechnet nicht mit einem israelischen Angriff auf den Iran. Er weitete die US-Sanktionen jedoch auch gegen die iranische Finanzwirtschaft aus. Sicherheitshalber hat ein amerikanischer Think Tank den Ernstfall schon einmal mit verteilten Rollen simuliert. Dabei gab es einige überraschende Wendungen.

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US-Präsident Barack Obama rechnet nicht mit einem Angriff Israels auf den Iran. Er sagte dem Sender NBC, dass er auf eine diplomatische Lösung hoffe. Zugleich verschärfte Obama die Sanktionen gegen den Iran. Er verfügte die Blockade von Eigentum und Vermögenswerten der iranischen Regierung und Zentralbank in den USA. Betroffen seien auch alle iranischen Finanzinstitutionen. Die Maßnahmen wurden vom Weißen Haus mit den „betrügerischen Praktiken“ der iranischen Zentralbank und der Finanzwirtschaft in Teheran begründet. Das Verhalten des Iran stelle ein inakzeptables Risiko für das internationale Finanzsystem dar (hat Teheran griechische Staatsanleihen gekauft?)

Beobachter sind unterdessen der Ansicht, dass der Iran kein wirkliches Interesse an einem Krieg habe: Das Land leidet unter enormen wirtschaftlichen Problemen. Vor allem eine Hyperinflation macht die wirtschaftliche Steuerung immer schwieriger.

Dennoch wollen die Amerikaner auf Nummer Sicher gehen. Wie die Zeitschrift Foreign Policy berichtet, hatte der Washingtoner Think Tank Brookings Institution rund zwei Dutzend frühere Regierungsmitarbeiter und Nahostexperten zu dem Test geladen. Karim Sadjadpour, Mitarbeiter der amerikanischen Stiftung Carnegie Endowment for International Peace, gesteht in dem Artikel ein, dass im Grunde keiner die Folgen eines Angriffs abschätzen konnte. Nur eines sei gewiss: „Es wird hässlich“.

Aufgeteilt in drei Teams – Israel, Iran und USA – begann die Simulation mit dem Überraschungsangriff auf iranische Atomanlagen. Der Angriff forderte „wenige“ zivile Opfer, obwohl die Anlagen in der Nähe von Wohnvierteln liegen.

Sadjapour, der die Rolle des obersten geistlichen Iran-Führer, Ayatollah Khamenei, übernahm, schürte mit der Veröffentlichung grausamer Bilder die Empörung im Volk. Ein gemeinsamer Auftritt mit der Opposition im Fernsehen sollte den iranischen Nationalismus zusätzlich anheizen. Die iranische Antwort: Raketen auf Öl-Installationen in Saudi-Arabiens Ostprovinz, der die Ölpreise explodieren ließ. Die libanesische Hisbollah und die Hamas im Gaza-Streifen schlossen sich den Angriffen auf Israel an. Zudem wurden vom Iran in Europa Terrorzellen aktiviert, die Bomben in sämtlichen europäischen Städten zündeten. Das Ziel: Eine öffentliche Anti-Israel-Stimmung zu entfachen. So könne man die Europäer zur Druckausübung auf Israel zwingen.

Es gab jedoch auch Überraschungen in dem Spiel: Zum einen unterließ es der Iran, die USA direkt zu provozieren. Er griff dabei zum bewährten Mittel der Unerreichbarkeit: Mehrere versuchte Kontaktaufnahmen der Amerikaner mit Teheran scheiterten. Interessant war auch die Reaktion der USA. So schickte Washington eine Geheimbotschaft nach Teheran, die das israelische Vorgehen nicht guthieß und versprach auf Jerusalem mäßigend einzuwirken. Das lässt für den Iran die Interpretation zu, gegen Israel vorgehen zu dürfen, ohne die USA zu fürchten.

Nach 24 Stunden war Schluss mit dem Spiel. Insgesamt habe die Simulation kein eindeutiges Ergebnis geliefert, berichten die Teilnehmer. Die anschließenden Einschätzungen gingen deutlich auseinander: Einerseits wurden Vermutungen einiger Teilnehmer, die Kosten eines israelischen Angriffs seien größer als die erreichbaren Ziele, bestätigt. Andere, die behaupteten das Risiko des Angriffs wäre vertretbar, hielten jedoch weiter daran fest.

Ob die Tatsache, dass ein glorreicher Sieger der Amerikaner nicht zweifelsfrei auszumachen war, Obamas Votum für eine diplomatische Lösung beeinflußt hat, ist nicht überliefert.

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Kommentare

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  1. marcus regenberg, Krefeld sagt:

    U.S.A. (United States of Apes) plans to attack Iran with a mix of nuclear and conventional weapons !

    http://unfassbaraberleiderdiewirklichkeit.blogspot.com

    Gruß,

    marreg

  2. marcus regenberg, Krefeld sagt:

    „Kommt es zum Krieg gegen Iran?“ – Interview mit Christoph R. Hörstel

    2011 erlebte die Welt mit dem Arabischen Frühling die Rebellion des Volkes. Oder doch nicht? Nahost-Experte Christoph R. Hörstel ist sich sicher, dass in allen Ländern, in welchen das Volk gegen das vorherrschende Regime auf die Straße geht, die USA ihre Finger mit im Spiel hatten. Deutlich wird dies zum Beispiel an den NATO-Luftwaffen-Übungen zum bevorstehenden Krieg in Libyen, welche bereits 14 Tage vor den ersten Aufständen in Libyen stattfanden.
    Auch im aktuellen Konflikt mit Syrien, ist es alles andere als ein Zufall, dass ausgerechnet jetzt die Aufständigen gegen Damaskus ziehen….

    http://nuoviso.tv/vortraege/politik/531-kommt-es-zum-krieg-gegen-iran

    https://www.youtube.com/watch?v=0ynwuA9i9w0&feature=player_embedded#!

  3. fat_bob_ger sagt:

    Iran hetzt in seinen Schulbüchern schon seit Jahren gegen Israel und die westliche Welt und beliefert die Hisbolah mit Waffen. Und es ist durchaus erlaubt zu sagen, dass Iran keine nukleare Anreicherung ohne jegliche Kontrollen machen darf.

    Die, die hier gegen die USA schießen, haben vergessen was das stalinistische Russland mit seinen Satellitenstaaten gemacht hat. Die Ossis haben geschrieen: Wir wollen raus! Jetzt wo sie es dürfen, kommen von PDS-nahen Quellen, (PDS = Verlierer = Linke) Angriffe auf das westliche Bündnis. Die sind deshalb gegen den Auftrag der Bundeswehr, weil sie sich lieber von Russland beschützen lassen wollen. Putin, Fiedel und Chaves liegen mit ihrer politischen Ausrichtung genau auf der Linie der Linken. Die edlen Chinesen, die überall, wo sie hinkommen, Harmonie verbreiten (z. B. in Tibet) und dort auch noch antikolonialistisch vorgehen, das sind die richtigen KPartner, wenn es nach der Linken geht. Wer sich von dieser Truppe einwickeln lässt, ist selber schuld. Wer verbündet sich denn in Afrika mit den korruptesten Systemen um an Rohstoffe zu kommen? Putin, ein ehemaliger Geheimdienstchef, eine Vertrauensperson? Russland ist ein Handelsparter, mit dem man freundlich Geschäfte machen kann, aber soll man deswegen blind der russ. Außenpolitik vertrauen?!

    Die Alt68er haben damals nicht gemerkt, was in China und Russland gespielt wird. Sind die überhaupt lernfähig? Ein Krieg um Wasser, Rohstoffe und Öl, das sind wenigstens gute Kriegsgründe, wie uns unsere 5000 jährige Geschichte zeigt. Die Partyzeit des unbegrenzten Wohlstandswachstumes auf Kredit sind vorbei, jetzt werden wieder die harten Bandagen ausgepackt. Da können wir verwöhnten Wohlstandsbürger auch nichts dran ändern.