Portugal trifft erste Vorbereitungen für Schuldenschnitt

Die portugiesische Regierung soll Berater bezüglich eines Schuldenschnitts konsultiert haben. Ähnlich wie in Griechenland könne man so schneller seine Schulden umstrukturieren. Es kursieren Befürchtungen, das Rettungspaket sei für 2012 nicht mehr ausreichend.

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Während in Griechenland seit Wochen verhandelt wird und die Entscheidungen von einem Tag auf den anderen verschoben werden (mehr hier), gerät Portugal wieder ins Blickfeld. Die portugiesische Regierung soll diskret Berater hinsichtlich eines möglichen Schuldenschnitts für Portugals Schulden konsultiert haben. Reuters zufolge ging es beispielsweise darum, welche Aspekte des PSI in Griechenland man nutzen könnte, um angemessen mit den eigenen Schuldner zu verhandeln. Entsprechend wachsam verfolgt man in Portugal die Geschehnisse in Griechenland.

„Wenn der PSI in Griechenland erfolgreich sein würde, dann könnte das die Türen für einige Regierungen öffnen“, so einer der Berater, die mit der portugiesischen Regierung gesprochen hat. „Es würde zeigen, dass jeglicher Schuldenabbau möglich ist und eben nicht das Ende der Welt.“ Eine solche Verzögerung wie in Griechenland dürfe es allerdings nicht geben.

Indes sagte der portugiesische Premier Pedro Passos Coelho, dass Portugal nicht in einer ähnlichen Situation wie Griechenland sei. „Wir werden nicht erlauben, dass das, was in Griechenland geschieht, auch hier passiert“, so Coelho. Außerdem sei die Verschuldung Portugals (110,1%) eher mit der Irlands vergleichbar (mehr hier). Auch Barroso betonte jüngst, dass sein Heimatland nicht pleite sei (hier). Der portugiesische Finanzminister verneinte, dass eine solche Konsultation über einen portugiesischen Schuldenschnitt stattgefunden haben soll.

Die Zinsen, die Portugal derzeit am Staatsanleihenmarkt aufbringen muss, sind horrend. Eine Refinanzierung der Schulden wird dadurch immer schwieriger. Erst vergangene Woche war die EZB gezwungen, am Sekundärmarkt einzugreifen (mehr hier). So gibt es mittlerweile auch Befürchtungen, dass das portugiesische Rettungspaket im Wert von 78 Milliarden Euro nicht ausreichen könnte. Die Investoren gehen bereits von einer 70-prozentigen Wahrscheinlichkeit einer Pleite Portugals aus (hier).

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Kommentare

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  1. Donnerkeilchen sagt:

    laßt den € sausen, verlaßt die EU, der Pakt der einen jeden in der Zeit der Not auch noch mit Häme überzieht, ist es nicht wert, aufrecht zu erhalten. Portugal als deutsch-französiches Protektorat mit Sonder-Taschengeld-Konto undter Führung eines deutschen Gauleiters, das ist für NIEMANDEN erstrebenswert!

    Merkel und Sarkozy = die Totengräber Europas

  2. poppenbüttelborn sagt:

    GR – Haircut
    P – Haircut

    mensch Leute lernt Friseur oder Friseurin, das ist ein Beruf mit Zukunft

  3. Moon sagt:

    Schon wieder dieses geflügelte Wort Schuldenabbau…
    Mal sehen, ob ich da irgendwas falsch verstehe:

    Nur mal angenommen ein hoch verschuldetes Land wie Deutschland, würde von einem auf den anderen Tag von den 2 Billionen Staatsschulden 1 Billion zurückzahlen. Also von jetzt auf nachher 1 Billion Schulden abbauen (ich weiß, dass das spekulativ ist, aber wir spekulieren einfach mal mit).

    Am selben Tag noch würden doch viele Menschen über genau diese 1 Billion verfügen. Denn abbauen heißt ja demjenigen zurück geben, der es geliehen hat. Was machen diejenigen mit der 1 Billion nun? Verbrennen? Unters Kopfkissen legen?

    Oder wieder „investieren“?

    Aber was heißt denn investieren? Hmm, im Grunde doch nur: Jemanden finden, der bereit ist (aus welchem Grund auch immer) sich zu verschulden.
    Wenn nun aber der Staat das Geld von denen, die es nun haben, nicht mehr will, weil er ja gerade diese 1 Billion zurückgezahlt hat, wer nimmt es dann?

    Verdammt nochmal ist das kompliziert. Wer um Himmels Willen will (oder besser gesagt kann) sich denn in Höhe dieser 1 Billion nun verschulden?
    Eigentlich bleiben ja dann nur noch die Unternehmen und die Privatpersonen.

    Aber das heißt ja, dass wenn sich der Staat nicht mehr verschulden will, und sogar Schulden zurückzahlt, dass dann zwangsläufig die Verschuldung der Unternehmen und privaten Haushalte steigen MUSS!

    Das ist wirklich verdammt clever ;-)!!