Portugal: Gastronomie mit dramatischen Umsatzeinbrüchen

Die portugiesische Gastronomie kämpft ums Überleben. Durch die höhere Mehrwertsteuer erwartet der Fachverband, dass mehr als 25% der Restaurants das Jahr 2012 nicht überleben werden.

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Die Auswirkungen der harten Sparmaßnahmen infolge des 78-Milliarden-Euro-Rettungspakets von EU und IWF sind in Portugals Gastronomie deutlich sichtbar. Die Kaufkraft der Portugiesen ist merklich geschwächt, kaum einer kann sich noch einen Restaurantbesuch leisten – damit bleibt der Umsatz der Gastronomen aus, berichtet Reuters. „In den ganzen 18 Jahren, seitdem ich hier bin, war es noch nie so schlimm“, sagt Rogerio Oliveira, Besitzer des „O Pote“ Restaurants in Arruda dos Vinhos, angesichts seines leeren Lokals in der Mittagszeit.

Auf den ersten Blick scheint die Lage – im Vergleich zur ganzheitlichen Wirtschaftskrise Portugals – weniger dramatisch. Doch: Die Gastronomiebranche liefert als viertwichtigster Zweig eine Menge Arbeitsplätze. Damit entsteht ein erhebliches Risiko für die Wirtschaft, denn bisher brachten Gastronomie und Hotelgewerbe rund 7 Milliarden Euro Umsatz pro Jahr ein – also rund 4 Prozent des BIP. Jedoch bereits im vergangenen Jahr kam es zu starken Umsatzeinbrüchen. Die Regierung erhöhte im Januar dennoch die Mehrwertsteuer auf 23 Prozent.

„Viele Restaurants sind bereits bankrott, die Mehrwertsteuererhöhung wird ihnen den letzten Stoß verpassen“, sagt Ana Jacinto, stellvertretende Generalsekretärin des portugiesischen Hotel- und Gaststättenverbands AHRESP. Der Verband warnte davor, dass 21.000 Restaurants, von schätzungsweise 90.000, in diesem Jahr schließen müssen – damit würden rund 45.000 Arbeitsplätze verloren gehen. In dem Ort Arruda dos Vinhos haben bereits seit Beginn des Jahres vier Restaurants geschlossen, andere mussten einen Teil ihrer Servicekräfte entlassen.

Jacinto sagt, die Rechnung der portugiesischen Regierung werde nicht aufgehen. So sollten mit der Mehrwertsteuererhöhung eigentlich die Einnahmen erhöht werden. Das Gegenteil ist nun der Fall: Die Arbeitslosenzahlen steigen, der Staat muss mehr Arbeitslosenhilfe aufbringen und Portugals Ausgaben werden sich erhöhen.

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Kommentare

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  1. Oskar sagt:

    wieviel mal im Monat kann sich ein Durchschnittsverdiener mit seiner Familie(4Personen) einen Gaststättenbesuch bei uns leisten?

  2. MIKEMT sagt:

    Die Gastronomie befindet sich europaweit im Wandel. Und wir werden in den nächsten Jahren noch viel darüber lesen.
    Es wird sich zeigen, dass nur noch die Spitzengastronomie und der Fast-Food-Bereich überleben werden.
    Bei der gehobenen Gastronomie müssen 90 Prozent der Bevölkerung auch bei uns schon passen.

  3. Nathan d.W. sagt:

    Was die Währung betrifft, hat sich der Anfangs-Euro zum extremen Teuro entwickelt, während sich bei den Gehältern nichts bewegt hat. Restaurant u n d Supermarktpreise verdoppelten sich. Lidl etc. ist teurer wie hier!
    Woher soll die Kaufkraft kommen?
    Im Gegensatz zu uns gibt es in Portugal sehr viele, riesige Einkaufszentren. Mit eigener Restaurant-Ebene. Natürlich ausschließlich Restaurant-Ketten, bei denen die Masse den Umsatz bringt. Und natürlich bevölkert von der jungen Generation, ein Teil des globalisierten, gesteuerten Lebensstils, wie die Ami-Musik. Individualität, Tradition ist nicht gefragt, man verachtet die „dumme“ Gesellschaft und es zählt bei der Jugend nur die „one world“. Wie hier und überall!
    Traditionelle, einfache Restaurants in Lissabon waren mittags von Geschäftsleuten bevölkert, weil sich ein Heimweg nicht lohnt. Die Teuro-Preise und die nun hohe Mwst. sind das Aus.
    Düster im Moment, weil keine Touristensaison ist.
    Portugal ist, durch die Kolonial-Immigranten, neben der Belastung und Verdrängung auch optisch zu einem 3.Welt-Land heruntergekommen. Zudem zerstört ein künstlicher Modernismus das Land. Wie in Berlin.
    Die Globalisierung ließ Portugal, nach kurzem Aufschwung, durch Flucht im Stich.Die im Kopf verglobalisierten Menschen stehen da ohne Rückhalt.

    • Lisboeta sagt:

      Stimmt, in manchen Innenstadtstellen (Lissabon beim Rossio) hat man das Gefühl, man ist irgendwo in Afrika. Sehr viele schwarze eingewanderte Leute auf einen Fleck, ohne Bildung und ohne Arbeit, ohne Chancen und ohne Hafen,treffen sich dort den ganzen Tag.
      Für mich eine gefährliche Mixtur wenn das alles noch weiter so geht…denn ärmer können die nicht mehr werden. und haben somit nichts mehr zu verlieren.

  4. der Bauer vom Hunsrück sagt:

    fügt euch ihr Portugiesen!
    ihr habt keine Wahl als unter deutsch-französischem Protektorat und Führung eines deutschen Gauleiters in der EU zu verbleiben, oder ihr müßt dieselbe verlassen, aber das wollen wir, Merkel und Sarkozy ja nicht, das würde ja unsere Machtbasis schwächen……also schön fügen.

    Demnächst in der BILD: „Portugal kündigt EU-Vertrag“
    Demdemnächst in der…..: „Portugal wird Mitglied des Mercosur“

  5. uri125 sagt:

    Wie die Bilder sich gleichen. Kaputtsparen in Griechenland , wie in Portugal mit den gleichen Ergebnissen, der Inlands Markt bricht zusammen. Die Geldverknappung traegt ihre Früchte. Der Ausstieg der bedrohten PIIGS Länder aus dem Euro wird dringender. Die Politik jagt von einem Gipfel zum anderen um letztendlich ihre Hilflosigkeit zu dokumentieren.

    • xdl sagt:

      Denkfehler. Die sind alles andere als hilflos.
      Genau das ist deren Ziel. Sie wollen (und werden) aus den europäischen Staaten Drittewelt-Länder machen.

  6. louis-portugal sagt:

    Expat, wann waren Sie zum letsten mal in so ein shoppingmall.
    Wo ich komme sind bedeutend weniger esser.
    Viele kleinunternehmen mit 2 oder 3 arbeinehmer haben schon geschlossen.
    Ich kenne persönlich mehrere.
    Früher stand man sontags bei O POTE schlange und jetzt kan man zo herein laufen.

    Eine 13 liter Gazflasche kostet hier schon 27.30 €
    Viele normal familliën haben kaum geld um eine flasche zu kaufen.
    Man verdient 500 € im Monat und transport von und nach die Arbeitsstelle kostet für vielen schon biss zu 200 €

    Und Griechenland isst noch schlimmer.

  7. Bogumil sagt:

    seltsam, den deutschen Gastronomen, die Einbußen durch das Rauchverbot erleiden oder schon dichtgemacht haben, wird kein Mitleid entgegengebracht oder ein Artikel gewidmet.
    ( Kein Vorwurf an die Redaktion – Ihr seid Spitze, danke für Eure Arbeit )

  8. Bazookaaa sagt:

    Ich habe mal in Portugal Urlaub gemacht, gut es ist ein paar Jahre her, aber eins viel mir auf, dass in Portugal die Uhren wie in der DDR tickten. Bei denen ist die Moral genauso sch…