Unternehmen in Europa von Überschuldung bedroht

Unternehmen mit schlechter Bonität müssen in diesem Jahr europaweit Kredit in Höhe von 54 Milliarden Euro refinanzieren. Weil die Banken ihre Kreditrichtlinien drastisch verschärft haben, droht eine Pleitewelle.

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Nicht nur die Staaten in der Euro-Zone kämpfen mit ihren Schulden – auch etliche europäische Unternehmen. Für das Jahr 2012 erwarten Experten, dass die Zahl der Insolvenzen in der Euro-Zone um zwölf Prozent ansteigen wird. Griechenland, Spanien und Italien werden die höchsten, jährlichen Zuwächse an Unternehmenspleiten verzeichnen (in Griechenland wird mit mehr als 60.000 Pleiten gerechnet – mehr hier).

Europäische Unternehmen mit einer Kreditwürdigkeit unter dem „Investmentgrad“ müssen in diesem Jahr Kredite in Höhe von rund 54,305 Milliarden Euro refinanzieren, schätzt Standard & Poor’s. Ungefähr zwei Drittel der europäischen Unternehmen, die zahlungsunfähig werden, müssen am Ende Konkurs anmelden, weiß Ludovic Subran, Chefökonom von Euler Hermes, einer Kreditversicherungsgesellschaft in Paris.

Nicht nur der zurückgehende Konsum in den Euro-Ländern ist dafür ausschlaggebend. Vor allem ist eine europaweite Kreditklemme dafür verantwortlich. Die Banken schauen sich mittlerweile sehr genau an, in wen sie investieren, wem sie Kredite vergeben. Von den fast 500 Milliarden Euro aus dem 3-Jahres-Tender der EZB ist kaum etwas in der Privatwirtschaft angekommen (selbst EZB-Chef Mario Draghi ist besorgt – mehr hier).

Die neueste Studie der EZB zeigt, dass die europäischen Finanzinstitute ihre Kreditbedingungen in den letzten Monaten des vergangenen Jahres sogar eher verschärft haben. Etliche Banken gaben auch an, noch weitere Einschränkungen vorzunehmen (hier). „Es gibt einen Mangel am Geschäftsvertrauen in Europa“ sagte Jonathan Loynes vom Londoner Research Institut Capital Economics, „Die Kreditvergabe an die Privatwirtschaft verschlechtert sich, und es liegt ein enormer Druck auf der europäischen Wirtschaft.“

Entsprechend müssen die Unternehmen zur Refinanzierung von Schulden versuchen, ihre Investitionen zu kürzen und Aktien (sofern sie börsennotiert sind) zu verkaufen. Doch die geringeren Investitionen führen schnell zu mangelnder Wettbewerbsfähigkeit. Der abnehmende Konsum wirkt in diesem Zusammenhang wie ein Brandbeschleuniger.

Die einzige Lösung, die vielen krisengebeutelten Unternehmen am Ende bleibt, ist die Übernahme durch andere Unternehmen. So nutzen beispielsweise amerikanische, aber auch chinesische Firmen die Gunst der Stunde und schlagen zu (hier). Allerdings nur, wenn die Geschäftsidee solide, interessant und zukunftsträchtig ist und lediglich die Refinanzierung nicht aus eigener Kraft der europäischen Unternehmen gelingt.

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Kommentare

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  1. nachdenken sagt:

    Wenn alles bekannt ist-Gesetzmäßigkeiten im Kapitalimus -und unsere Politiker
    sich diese bedingungslos unterwerfen,fördern und durch ihre falschen Entscheidungen
    beschleunigen, warum werden sie gewählt?Wo ist der Aufschrei der klugen Köpfe
    in unserem Land,die wissen und nicht korrupt sind?Die aktuelle Mannschaft in
    Berlin ist Unfähig!Keine aktuelle Partei will den Wandel im System (mit Geld Geld machen).Banken sind Dienstleister mit frenden Geld (Treuhand ,Verwalter).
    Die Geldmehrung muß an die Wertschöpfung ( materielle oder Dienstleistung)
    gebunden sein.Nur dann gibt es wieder Geld in gesunde Investuitionen!
    Die Schulden werden nie zurück bezahlt!Das war auch nie vorgesehen!
    40% aller Preise an Waren und Dienstleistungen sind heute Zinsen. Wer also
    glaub „schuldenfrei“ zu sein irrt!!!!!!!!! wir sind alle in der ,von der Politik gewollten
    Schuldenfalle.Der Markt als Regulator ist nicht mehr vorhanden.Die Allmacht der Baken muß gebrochen werden .An die Stelle von Zinsen kommen Gebüren.
    Die können sich nicht von selbst erhöhen oder wachsen.!!!!So entsteht mehr genossenschaftliches Eigentum mit deren Haftung.Das ist gesund und fördert Verantwortung für sich und der Gesellschaft.

  2. Mecky sagt:

    Diese unfähige Kanzlerin,geht als Bittstellerin nach China,in der Hoffnung das die Chinesen in den Rettungschirm investieren.Wie dumm, muss jemand sein, zu glauben so etwas ohne Gegenleistung von statten geht?Die Chinesen werden hier billig insolvente Firmen aufkaufen, und entweder Ihre billigen Arbeitskräfte mitbringen, oder was underer Kanzlerin auch gut gefallen würde,um die Arbeitslosenzahlen in noch besseres Licht erscheinen zu lassen,deutsche Arbeitnehmer zu chinesischen Bedingungen,von 2,50 Euro Std malochen zu lassen.Denn dann, könnte Sie auch auf FDP. Wunsch alle anderen Löhne auf Almosenniveau drücken!

  3. Michael sagt:

    Da würde ich nicht unruhig werden. In Erwartung der Europleite hatten die deutschen Unternehmen in Übereinstimmung mit der Ansicht eines crack up booms ihre Schulden binnen kürzester Zeit von 100 Mrd. € auf 250 Mrd. € hochgefahren. Da besteht wegen der extrem niedrigen Zinsen in der westlichen Hemisphäre kein ernster Grund zur Sorge.

  4. Margrit Steer sagt:

    Keine Sorgen, es ist doch längst beshlossen, wie es weitergehen wird.
    Vielleicht so?

    Wenn die Börsenkurse fallen,
    regt sich Kummer fast bei allen,
    aber manche blühen auf:
    Ihr Rezept heißt Leerverkauf.

    Keck verhökern diese Knaben,
    Dinge, die sie gar nicht haben,
    treten selbst den Absturz los,
    den sie brauchen – echt famos!

    Leichter noch bei solchen Taten
    tun sie sich mit Derivaten:
    Wenn Papier den Wert frisiert,
    wird die Wirkung potenziert.

    Wenn in Folge Banken krachen,
    haben Sparer nichts zu lachen,
    und die Hypothek aufs Haus
    heißt, Bewohner müssen raus.

    Trifft’s hingegen große Banken,
    kommt die ganze Welt ins Wanken –
    auch die Spekulantenbrut
    zittert jetzt um Hab und Gut!

    Soll man das System gefährden?
    Da muss eingeschritten werden:
    Der Gewinn, der bleibt privat,
    die Verluste kauft der Staat.

    Dazu braucht der Staat Kredite,
    und das bringt erneut Profite,
    hat man doch in jenem Land
    die Regierung in der Hand.

    Für die Zechen dieser Frechen
    hat der Kleine Mann zu blechen
    und – das ist das Feine ja –
    nicht nur in Amerika!

    Und wenn Kurse wieder steigen,
    fängt von vorne an der Reigen –
    ist halt Umverteilung pur,
    stets in eine Richtung nur.

    Aber sollten sich die Massen
    das mal nimmer bieten lassen,
    ist der Ausweg längst bedacht:
    Dann wird ein bisschen Krieg gemacht.

    Kurt Tucholsky, 1930, veröffentlicht in „Die Weltbühne“

  5. Margrit Steer sagt:

    Dann hat Merkel doch geschafft was sie bei ihrem China-Besuch wollte. China übernimmt uns.
    Na dann Gute Nacht. Dann sitzen hier Chinesen und sagen wo es lang geht
    Merkel hat doch gute Arbeit geleistet