China: Überraschender Anstieg der Inflation

Im Januar stiegen die chinesischen Verbraucherpreise wieder an. Das macht der erhofften Lockerung der Geldpolitik einen Strich durch die Rechnung. Zudem wird mit einem Rückgang der chinesischen Exporte gerechnet.

Aktuell
Draghi lobt Fiskal-Pakt, weil Euro-Staaten ihre Souveränität aufgeben

Fünf Monate konnte die chinesische Regierung verschnaufen, als die Verbraucherpreise nach und nach wieder sanken. Doch im Januar meldet sich die Inflation zurück. Sie stieg von zuletzt 4,1 Prozent im Dezember auf 4,5 Prozent. Grund hierfür sind unter anderem auch die großen Einkäufe zum chinesischen Neujahrsfest. Allerdings hat diese Preissteigerung negative Folgen für die Wirtschaft.

Um eine mögliche Immobilienblase zu verhindern und die Inflation zu bekämpfen, hatte die chinesische Regierung lange Zeit wachstumsdämpfende Maßnahmen ergriffen. Diese führten allerdings im Gegenzug zu einer Kreditklemme in der chinesischen Wirtschaft. Um dem entgegenzuwirken, begann China in den vergangenen Wochen, die Mindestrücklagen, die Banken vorweisen müssen, um Kredite zu vergeben, zu senken (hier). Auch ein Fonds zur Unterstützung der Mittelständler wurde angekündigt (hier).

Doch die zunehmende Inflationsrate wird weitere Lockerungen, die dringend notwendig wären, in naher Zukunft nicht möglich machen. „Wir glauben nicht, dass es vor März eine Kürzung des Mindestreservesatzes geben wird“, sagt Wei Yao von Société Générale in Hongkong.

Ein weiteres Sorgenkind sind die chinesischen Exporte. Der chinesische Handelsminister Chen Deming sagte der Nachrichtenagentur Bloomberg, dass die Exporte im Januar zurückgegangen seien. Zurückzuführen sei dies auf das geringe Wachstum im Außenhandel und die Euro-Krise. „Chinesische Handelsunternehmen, von Klein- und Kleinstunternehmen sind zunehmend unter Druck geraten“, so Deming. In der Nacht von Donnerstag auf Freitag wird die Veröffentlichung der neuen Exportdaten erwartet. Der IWF warnte erst zu Beginn der Woche, dass eine Rezession in Europa das Wirtschaftswachstum Chinas halbieren könnte (hier).

Mehr zum Thema
Unternehmen in Europa von Überschuldung bedroht
Deutschland: Größter Einbruch in der Produktion seit drei Jahren
Türkei: Anzeichen einer Immobilienblase

Kommentare

Dieser Artikel hat 3 Kommentare. Wie lautet Ihrer?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

  1. tomorrow sagt:

    Im Grunde war es klar, dass ein Wirtschaftseinbruch in Europa, nicht spurlos an der Werkbank der Welt vorüber geht. Dennoch halte ich China im Asiatischen Bereich für so gut aufgestellt, dass man diese Lücke kompensieren kann. Im übrigen ist ja nicht der gesamte Handel zum Erliegen gekommen, sondern es ist nur eine konjunkturelle Delle.

    Was Chinas Immobilienblase betrifft, ist schon wesentlich bedeutsamer. Dieser Schuss wird, wie andernorts auch, nach hinten los gehen. Dieses Problem ist hausgemacht und wird den Staatshaushalt sicher mehr belasten, als kurzfristige Exportschwankungen.

  2. schlaumeister sagt:

    Der weltweite wirtschaftliche Niedergang zeichnet sich ab. Alte Systeme und Denk-
    schemata funktionieren nicht mehr, nur hats die Elite noch lange nicht begriffen.

  3. Fred Kirchheimer sagt:

    Für wen soll der Anstieg der Inflation überraschend gewesen sein?

    Eine Inflation von 4,1% (so der amtliche Wert) hat doch eh schon eine gewisse Dynamik, so daß man sich nicht wundern sollte, wenn er jetzt bei 4,5 % liegt. Wir reden doch von einer normalen Varianz. Mag ja sein, daß die nicht gewünscht ist. Es ist ja anzunehmen, daß es sich dabei sowieso um eine geschönte, eben um eine politische Zahl handelt.

    Nebenbetrachtung:
    Warum der Grund für die angestiegene Inflation unter anderem auch in den großen Einkäufen zum chinesischen Neujahrsfest liegen soll, erschließt sich nicht. Nur Käufe allein forcieren keine Inflation, allerdings birgt eine große Nachfrage die Gefahr, daß Händler die Preise anheben (–> Inflation) aber das ist eben nur möglich, weil auch in China zu viele Leute glauben, zu einem bestimmten Anlaß kaufen zu müssen egal was es kostet.