Griechenland: Behörden treiben nur 1% der Strafen von Steuersündern ein

Die Troika fordert eine Vereinfachung und Überarbeitung des griechischen Steuersystems. Die Steuern in Griechenland generieren so gut wie gar keine Einnahmen. Nur ein Prozent der ausgestellten Strafen für Steuerhinterziehung wurden 2011 überhaupt eingesammelt.

Die Forderungen der Troika sind eindeutig. Die Beschränkung von Steuerbefreiungen, die Vereinfachung der Mehrwertsteuer und der Grundsteuer. Zudem sollen 1000 zusätzliche Steuerprüfer eingesetzt werden und die Zahlungsfristen für fällige Steuern und Sozialversicherungsbeiträge verkürzt werden. Eine Schließung von 200 Finanzämtern ist ebenfalls vorgesehen.

Normaler Weise generiert der Staat vor allem Einnahmen aus erhobenen Steuern, doch in Griechenland scheint dies nicht erkannt worden zu sein. Das Land verfügt nicht nur über eine große Zahl an Bürgern, die Steuern hinterziehen, sondern das ganze Steuer-System steht sich selbst im Wege.

Der stellvertretende Finanzminister Pantelis Economou gab am Donnerstag bekannt, dass der Staat in den vergangenen zwei Jahren Strafen wegen nicht bezahlter Steuern in Höhe von 8,6 Milliarden Euro ausgestellt hat. Doch er gab nicht an, wie viel von diesen ausgestellten Strafen tatsächlich eingesammelt wurden. Die griechische Zeitung Kathimerini hat aus zwei Quellen erfahren, dass lediglich ein Prozent der 8,6 Milliarden Euro eingesammelt wurden. Dass entspricht weniger als 100 Millionen Euro.

Da ist es kein Wunder, dass die Kreditgeber Griechenlands es nicht als glaubwürdig empfinden, Griechenland könne seine Schulden auch durch Steuereinnahmen finanzieren. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 70.000 Kontrollen durchgeführt, was zu einer Aufdeckung von 55.000 Straftätern geführt hat. Diese waren für rund vier Millionen Steuerdelikte verantwortlich.

Kommentare

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  1. pappensatt sagt:

    15.000 Beamte entlassen, Bis Ende 2015 soll die Zahl der Beamten um weitere 135.000 sinken. Gehälter, Renten und Arbeitslosenhilfen gekürzt. Ja, so entsteht Wachstum!? So generiert man staatlicherseits Einnahmen?, mit denen dann der Schuldendienst aufgenommen werden kann. Und diese Forderungen/ Auflagen/ Vorschläge kommen von dejenigen, die das Geld erwarten! Wie intelligent ist das denn?
    Wir wundern uns anschließend über Bilder in der Zeitung in denen unsere Kanzlerin im Kostüm aus den 30igern gezeigt wird. Wie viele Staatsoberhäupter haben das vor ihr geschafft?

    Um es mit Dieter Nuhr zu sagen: „…wenn man keine Ahnung hat einfach mal die F…. halten.“
    Erst ziehe ich dich nackig aus und fordere dann deine Hose…; fehlt nur noch: …und willst du nicht mein Bruder sein dann schlag ich dir den Schädel ein. Also ich bin Pappensatt!

  2. Gast sagt:

    Wenn Griechenland erstmal 150000 Beamte entlassen hat, dann wird Griechenland zum Steuerparadies. Weniger Beamte = weniger Finanzbeamte = weniger Einnahmen von Steuersündern. Die Sparvorschläge der EU sind echte Witze und führen genau zum Gegenteil von dem was man eigentlich erreichen möchte. War aber von der EU auch nicht anders zu erwarten.

    • Andreas sagt:

      Woher wissen wir, was die EU vorhatte?
      Erst schafft die EU die Bundesländer/Staaten in Europa ab und dann auch noch die Länder in den Bundesländern/Staaten. Das hatten die Bundesländer/Staaten bisher selbst nicht vermocht. Warscheinlich werden dann EU Entsannte in die einzelnen ehemaligen Staaten geschickt (mit Pferd und Schwert und wehendem Umhang) um die Abgaben einzusammeln und die Häuser niederzubrennen. Nach dem Motto „wir sind Feudalismus“.

  3. Selbstdenker sagt:

    In Deutschland wird nun auch das erste Finanzamt dichtgemacht. Ich bekam heute einen Brief mit der Überschrift: LETZTE MAHNUNG!

    Vielleicht, weil es neulich diesen Schriftverkehr gab?

    http://finanzamt.name/2011/11/nachrichten/news/Deutschland/Rosenheim/Akquise-Experte/die-verzweiflung-deutscher-steuerbeamter-und-finanzamtleiter-zutr-frage-der-rechtslage-im-steuerrecht/

  4. mandelkern sagt:

    Steuerprüfung in Griechenland ist wie Urlaub mit Freunden!
    eine ganz entspannte Angelegenheit:

    Von den hinterzogenen Steuern muss der Pflichtige nur 60% bezahlen, erhält also zur Strafe einen Rabatt von 40%.
    Von den bezahlten 60% landen 2/3 in der Tasche des Steuerprüfers, der Staat gibt sich mit 20% der Steuerschuld zufrieden.
    Steuerprüfer in Griechenland ist also der ultimative Traumjob.
    Warum man für ein so bewährtes Verfahren auch noch Strafen wegen Hinterziehung zahlen soll, ist natürlich für niemanden einsichtig.
    Deshalb sind auch nur 1% der „Täter“ dazu bereit.
    Die zahlen die Strafe dann aus dem Rabatt, den sie zuvor erhalten haben.

    http://www.ftd.de/politik/europa/:am-fiskus-vorbei-das-griechische-betrugssystem-40-40-20/60142736.html

  5. tomorrow sagt:

    Wer hätte das gedacht? Manche haben das Näschen vielleicht voll? snirg

  6. Papa Demos sagt:

    Wer hätte das gedacht? War doch klar und wird sich nicht ändern. Auch nicht unter Druck.

    In der Zwischenzeit lohnt sich der Blick nach Deutschland. Hier wurde gerade der 480 Milliarden Rettungsfonds für Banken reaktiviert. Warum wohl:

    http://www.mmnews.de/index.php/wirtschaft/9447-rettungsschirm-fuer-deutsche-banken

    • Brainsworld sagt:

      Apropo Deutschland, vor 10 Jahren wurden hier auch 90% der Steuerbescheide durchgewinkt ohne handfeste Prüfung 😉

      Erst seit 3-4 Jahren werden Steuerbescheide sorgfältiger überprüft.

    • tomorrow sagt:

      Sorry Papa Demos!

      Das war nicht geklaut, nur parallel gedacht !

      Freundliche Grüße! tomorrorw!

  7. Sozialkritiker sagt:

    Eine Überarbeitung bzw. Vereinfachung des Steuerrechts würde auch Deutschland gut tun.

    Allerdings ginge damit automatisch ein Abbau der Steuerberater, Steuerhilfsvereine und Steueranwälte einher. Ein Heer von Arbeitslosen, die sich nur auf Zahlenspiele verstehen, wäre die logische Folge…

    Da lässt man hier wie dort besser die Finger davon…