Österreich: Sparpaket dürfte massive Erhöhung der Mieten auslösen

Künftig fallen in Österreich 25 Prozent Steuern beim Immobilienverkauf an, auch wenn man eine Immobilie länger als 10 Jahre besitzt. Fachleute rechnen mit massiven Mieterhöhungen und warnen: „Dies wird den normalen Bürger treffen." Auch ein Immobilien-Crash wird nicht ausgeschlossen.

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Im Zuge des 26,5 Milliarden Euro schweren Sparprogramms wird die Österreich die Spekulationsfrist bei der Immobilienveräußerung wird abgeschafft. Ausgenommen von der neuen Regelung bleiben Hauptwohnsitze. Immobilien, die nach dem 1.4. 2002 gekauft wurden, bleiben „steuerverfangen“ (so der Wortlaut im offiziellen Dokument), der Wertzuwachs aus dem Verkauf wird mit 25% besteuert. Die Besteuerung bei Erwerb vor dem Stichtag beträgt bei Immobilien mit vorhergehenden Umwidmungen vor 1.4. 2002 15% des Verkaufspreises, bei Immobilien ohne Umwidmungen 3,5% auf die Verkaufssumme. Die österreichische Regierung erhofft sich ab dem Jahr 2016 bei Steueraufkommen von 750 Millionen Euro pro Jahr, 2013 sollen bereits 350 Millionen Euro pro Jahr eingenommen werden.

Ursula Pernica, Stellvertreterin des Fachverbands Immobilien- und Vermögenstreuhänder der Wirtschaftskammer Österreich (WKO), hält die Neuregelung für eine falsche Maßnahme. Die Immobilinebesteuerung werde „die falschen – nämlich den normalen Bürger treffen“, sagt Pernica.

Die Immobiliensteuer sei weniger ein Spekulanten-Thema. Vielmehr werde es das Modell der Vorsorgewohnungen tangieren. So haben viele Privatpersonen in Österreich eine Eigentumswohnung erworben, um mit dem Gewinn später ihre Pension aufwerten zu können. Pernica erklärt bei einem Kauf einer Wohnung 2012 im Wert von 100.000 Euro und einem geplanten Verkauf beispielsweise im Jahr 2020 für 150.000 Euro, müsste man infolge der Steuereinführung welche die Inflation nicht berücksichtige, 50.000 Euro abführen. Das Modell wäre damit hinfällig. Ein Entwicklung, die ihrer Ansicht nach „nicht in Ordnung“ ist.

Pernica fügt hinzu, in Österreich gäbe es ohnehin schon einen Wohnungsmangel. Mit der Steuer würden noch weniger Wohnungen gebaut werden, der Zustand würde sich weiter zuspitzen. Die Folge: Massive Mieterhöhungen werden erwartet. Zudem würde die Immobiliensteuer den österreichischen Investitionsstand uninteressant für internationale Investoren machen. Das Vertrauen in den österreichischen Immobilienmarkt würde darunter leiden.

Die Befürchtungen bezüglich eines Immobilien-Crashs verneint Pernica jedoch. Mit Maßnahmen wie rückwirkende Regelungen, will die Regierung Panikverkäufen vorbeugen. Andere Beobachter sind sich da nicht so sicher: In den vergangenen Jahren war Österreich gerade wegen der Steuerfreiheit auf langfristige Immobilien-Projekte ein attraktiver Investitions-Standort. Es ist zu erwarten, dass Investoren nun auf andere Märkte ausweichen. Dies könnte einen Verfall der Immobilienpreise in Österreich nach sich ziehen.

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Kommentare

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  1. Georgy sagt:

    also ein „massiver anstieg“ der mieten und gleichzeitig ein wertverfall kann nicht gleichzeitig eintreten…

  2. kneipier sagt:

    Länderübergreifend dürfte eine selbstgenutzte Wohnimmobilie, die ausserdem bezahlt und durchrepariert ist, die allererste Wahl sein.

    Da werden bei Lastenausgleich und Zwangshypothek die Belastungen gering sein und das Leben gestaltbar bleiben lassen.

    Anders sieht es dann schon mit Schuldenburgen, Steuersparmodellen und windigen Mietern aus. Wenn alles nach einem Währungscrash den Bach runtergeht, werden sich die Geldgeber schadlos halten, die „Bauherren“ alles verlieren.

  3. P.Vessel sagt:

    … und das war erst der anfang. immobilienbesitzer werden noch viel mehr geschröpft werden. ein staat geht erst dann pleite wenn er kein geld mehr aus seinen bürgern rauspressen kann. jetzt denkt man das mal kosequent zu ende …

  4. MacPaul sagt:

    „…wird die Österreich die Spekulationsfrist bei der Immobilienveräußerung wird abgeschafft.“

    Lernt’s halt mal Deutsch Leute, oder lasst ihr eure Texte aus Bausteinen von Robotern erstellen?

  5. The dark rose sagt:

    Ich stimme den Beiträge von „Gast“ teilweise zu. Dennoch…. Betrachten wir das ganze mal von etwas Entfernung…

    Wir haben keine Finanzkrise sondern viel mehr eine Bankenkrise. Mit anderen Worten – den Banken fehlt zum einen Liquidität, also bares, und zum zweiten das Vertrauen des kleinen Sparers, der ja auf Sparguthaben derzeit nur minimale Zinsen erhält und zum zweiten mehrfach täglich daran erinnert wird, daß es durchaus nicht sicher ist ob die Bank seines Vertrauens morgen noch existieren wird.

    Immerhin parken die Banken über derzeit Kapital über Nacht bei der EZB anstatt es zu wesentlich besseren Konditionen untereinander zu verleihen. Eine Vertrauenskrise selbst bei Insidern.

    Wie kommt also eine Bank an Geld? In dem es politisch unterstützt wird, daß Privatpersonen wieder Spareinlagen bringen. Bis zum Tag „Gestern“ war es für Privatpersonen wesentlich sicherer in Gold oder Immobilien zu investieren. Das jedoch sind Gelder, die an Banken vorbeigehen (Wohl gemerkt – ich spreche von privat sehr wohl vorhandenen Geldern und nicht von kreditgestützten Investitionen) Das ist jetzt vorbei. Und die Banken sind sehr froh darüber.

    Was wird weiter auf dem Immobilienmarkt passieren? Vorsorgeinvestitionen in Immobilien werden uninteressent, weil ab sofort – sofern nicht Hauptwohnsitz – mit 25 % belastet. Im Zweifelsfall frisst also OttoNormalsparer die Kröte und trägt sein Geld wieder (mit Bauchschmerzen) zur Bank in der Hoffung auf ein gutes Ende oder zumindest auf einen Ausstieg zu Null.

    Oder er macht mal eben einen Ausflug, natürlich nur zum Skifahren, in die Schweiz. In den nächsten Wochen werden wir einen Immobilienboom nie gekannten Ausmaßes erleben, wo vor dem Jahr 2002 erworbene Vorsorgeimmobilien – in etwa Preisklasse 100.000 – 250.000 Euro Preisklasse den Markt von Inkrafttreten des Gesetzes überschwemmen werden. Danach kommen auf Makler harte Zeiten zu,einfach weils keine Immobilien mehr gibt. Die die nicht unbedingt verkaufen müssen, weil sie noch ein paar Jahre Zeit haben, auszusitzen, werden sicherheitshalber abwarten und schauen, was nach 2016 wird. Und die wenigen, die dennoch verkaufen sind unbezahlbar.

    Das bedeutet jedoch, daß dann eine erhebliche Immobilienknappheit am Markt eintreten wird. Und jetzt kommen die Banken ein zweites Mal zum Zug. Wenn was knapp ist wird es teuer. Und hier können sie die aus Privat- und Firmeninsolvenzen entstandenen – dank miserablen Zustand und schlimmer Lage fast unverkäuflichen -Immobilienleichen (die aus den Jahren 2009 und 2010) zu horrendem Geld auf den Markt bringen, der a) nur noch von wirklich liquiden Kunden abgefragt werden kann (das spült frisches, bisher nicht zugreifbares Geld in die Kassen) und b) damit ihre Bilanzen bereinigen und c) ihre Liquidität auf neue Beine stellen.

    Über bleiben junge Familien, die dank der nicht vorhandenen Finanzierungsbereitschaft von Banken kein Häuslein mehr kaufen können oder von Banken den Schrott angedreht bekommen. Und in ihrer Not brauchen Sie dann die Hilfe der Eltern….. und schon schlägt Falle Nr., 3 zu – auch so kommt man an die Spargroschen der über fünffzigjährigen…. über die Not der jungen Leute.

    Auch so kann man politisch Liquiditätskrisen bei Banken bereinigen ohne einen Cent zu investieren. Alles zielt darauf hinaus, privat gepflegte Sparschweinchen zu leeren.

    Tipp von mir: Kauft euch ein Haus mit viel Grund und Boden und werdet zum Selbstversorger, Die Griechen machen grad vor die das geht, die Tauschwirtschaft boomt und Geld ist nur noch das wert was auf dem Tisch liegt und nicht mehr das was der Monitor als „könnte sein“ anzeigt.

    Es grüßt aus Wien „the Dark Rose“

    • P.Vessel sagt:

      ist alles viel zu kompliziert. wenn ich als regierung an die sparguthaben der österreicher will dann drucke ich einfach geld. wenn ich die banken retten will dann drucke ich einfach geld. wenn ich die bürger ausnehmen will bestreuere ich sie einfach. das wird alles so lange durchgezogen bis nichts mehr geht.