Neuer Plan: Griechenland-Rettung kostet nun 210 Milliarden Euro

Um Griechenland zu retten, werden nun statt der 130 Milliarden Euro insgesamt 210 Milliarden lockergemacht: 15 Milliarden soll die EU zahlen, 65 Milliarden sollen nun vom Rettungsschirm EFSF und der EZB kommen. Damit steigt die Verschuldung Griechenlands auf 136% vom BIP. Das kann nicht gutgehen.

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Wenn die Abgeordneten des griechischen Parlaments am Sonntag ihrer vorläufigen Rettung zustimmen werden, werden sie dabei auf eine wirksame Entscheidungshilfe zurückgreifen können. Statt der ursprünglich mit der EU vereinbarten 130 Milliarden Euro wird EU insgesamt die 210 Milliarden an Krediten gewähren. Das geht aus der Vorlage hervor, die die griechische Regierung am Samstag veröffentlichte.

Die Summe setzt sich aus verschiedenen Komponenten zusammen, die sich im Vorfeld bereits abgezeichnet hatten. So wird der Rettungsschirm EFSF den Griechen einen Kredit von 35 Milliarden Euro gewähren. Der EFSF wird diesen Betrag über Bande spielen: Die Griechen kaufen die ausständigen Bonds von verschiedenen europäischen Zentralbanken zurück. Gehalten werden die neuen Bonds von der EZB. Weitere 15 Milliarden sollen zur Stopfung eines neuen Lochs von der EU kommen (hier).

Die Staatsverschuldung Griechenland steigt durch diese Aktionen auf 136% des Bruttoinlandsprodukts (BIP), oder insgesamt 320 Milliarden Euro, wenn man die 110 Milliarden des ersten Bailouts von 2010 dazuzählt. Weil es sich bei den Krediten um besicherte Darlehen handeln heißt das konkret: Wenn die Banken alle Assets der Griechen von der Akropolis bis zu den Staatsbetrieben als Sicherheiten abruft, den Griechen also buchstäblich nichts mehr von ihrem Land gehört, bleiben den europäischen und amerikanischen Steuerzahlern 36% der Gesamtschulden, für die sie im Falle einer Pleite haftbar gemacht werden können (hier).

Das kann nicht gutgehen. Denn eine der Bedingungen für die Beteiligung der privaten Gläubiger und weitere Bailouts war das Erreichen eines „nachhaltigen“ Defizits von 120%. Angesichts der sich rapide verschlechternden Einnahmesituation in griechischen Haushalt (hier) wird dieses abenteuerliche Ponzi-Schema eher früher als später in sich zusammenfallen.

Eine interessante Berechnung hat der Finanzblog Zerohedge angestellt: Hätte man den Griechen bereits im Jahr 2010 einen Schuldenschnitt gewährt, wäre die griechische Wirtschaft in den vergangenen zwei Jahren um 36% gewachsen. Stattdessen treibt das Land nun in den Bürgerkrieg (hier). Die Feindseligkeiten innerhalb Europas (hier) werden mit jeder neuen Finte vertieft, die sich die Euro-Retter einfallen lassen. Diese werden sich weiter vertiefen, weil man Schulden nicht mit immer mehr Schulden abbauen kann. Es ist bemerkenswert, dass diese Binsenweisheit trotz der täglich neuen Zeichen an der Wand den Verwaltern der europäischen Desasters einfach nicht in den Sinn kommen will.

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  1. Endspiel sagt:

    Das ganze hat doch ganz andere Gründe, es geht darum den ganzen Arbeitsmarkt in Europa aufzuweichen um eine Billiglohnzone zu schaffen mit aufgeweichten Arbeitsverträgen und Billiglöhnen was sich in Deutschland schon lange abspielt Zeitarbeit und Niedriglohn. Frau Merkel hat in Davos sich sogar bei den Unternehmern entschuldigt das diese Massnahmen nicht schneller von statten gehen.
    Was wir heute in Griechenland erleben haben wir teilweise in deutschland schon und es wird sich in den nächsten Jahren extrem verschärfen.Die Löhne sollen um 20% gekürzt werden Renten extrem gekürzt und die Lebensmittel sind teurer wie in Deutschland so macht man die bevölkerung klein.
    Unsere Politiker speziell schwarz,gelb sowie rot ist auch nicht viel besser, arbeiten fürs Kapital .Spekulanten und Banken und es geht nur darum ganz Europa flach zu legen
    zum Wohle des Unternehmertums.
    Siehe Bericht: Zeit !Die wahren Gründe der Eurorettung”
    Oder ergibt das hier irgendeinen Sinn noch!!!????Wir sind auf dem Weg ins mittelalter
    oben die Lehnsherrn und unten das dumme Volk.Dank Frau Merkel und CO.

  2. Crafth sagt:

    Meiner Meinung nach ist alles nur Schwachsinn. In diesem Sinne schließe ich mich Europafan an.

  3. Europafan sagt:

    Wie soll das gut gehen? Die promovierte Physikerin aus Berlin sollte doch über elementare mathematische Kenntnisse verfügen. Wenn sie weiß, dass die Zinsen exponential steigen und die Wirtschaft linear fällt, so kann man die Lücke zwischen BIP und Schulden niemals schließen, schon gar nicht mit dem Versuch, dagegen anzusparen. Aber dieser Wahnsinn des Sparens und Auspressens der Bürger soll alternativlos sein? Er hat zur Folge, dass Griechenlands Precariat angeheizt und die letzten wirtschaftlichen Aktivitäten erstickt werden. Verzweifelte Menschen auf der Straßefallen in Chaos und Bürgerkrieg. Der Mathematiker, der aus der Formel: Schulden + noch mehr Schulden + Arbeitslosigkeit = neuer Rettungsschirm (=ganz viel Schulden) eine Auferstehung des Staates prognostiziert, ist entweder wahnsinnig oder ein Volksverführer. Der untergehende Staat wird zur Anschauung all derer, die noch versucht sind, sich gegen die Eurokratie zur Wehr zu setzen. Am Ende fällt ganz Europa mit dem Schuldenstrudel. Cui bono? Was haben sie, die Merkozys davon oder wem dienen sie tatsächlich?

    • Korsar sagt:

      Dann schauen wir uns mal im Atommüllendlager Asse um. Dort sieht es bereits so promoviert aus, wie morgen in ganz Europa. Als Umwelministerin hat sie da komplett versagt.

  4. Peter sagt:

    Solange sich die Politik den Banken bedingungslos unterordnet und deren Befehle
    kritiklos befolgt, wird die € – und Schuldenkrise niemals zu lösen sein, sondern sie
    wird sich immer weiter verschärfen.

  5. o90 sagt:

    Leute, macht doch mal was REALES und geht zu EUREM Bundestagsabgeordnete.

    PERSÖHNLIHCH ! und fragt ihn was das soll !

    Aber woher gut vorbereiten, dies sind alles aalglatte Schmierfinken. Auf dem Land verstehen sie oft nicht was gespielt wird, und halten sich aber als “schlauer Vertreter” der dummen Bevölkerung.

    Kommt man mit guten Argumenten, fangen sie an zu schwimmen.
    Probiert es einfach aus !

  6. Syssifus sagt:

    Seit mehreren Jahren gibt es einen geheime Spitzeltruppe,genannt “ECG”.
    Der Gruppe namens EUROPEAN COOPERATION GROUP ON UNDERCOVER ACTIVITIES (ECG),gehören nicht nur Mitarbeiter von Sicherheits-behörden aus EU-Staaten an,deren Ziel vor allem EU-Gegner und Euro-Kritiker sind.Und nicht zuletzt EUROGENDFOR, eine Spezial-Polizei-Truppe oder besser eine paramilitärische Gendarmerie, die zunächst anstelle der regulären Truppen eingesetzt wird, die mit Schießbefehl ausgestattet ist.

  7. bauer sagt:

    gemeinsam protestieren

    Jede gestattete, gesponserte und in den Medien breitgetretene “Opposition” ist Teil des Systems. Dampfkesselfunktion mit gleichzeitiger Kanalisierung und Überwachung Andersdenkender. Wäre es eine wirkliche Opposition wäre Sie verboten und die Köpfe entweder eingeschüchtert oder eingesperrt oder getötet.

    So läuft das !

  8. Ralph sagt:

    Ich lese die Deutsche Mittelstands Nachrichten sehr gern, weil hier gut recherchiert wird.

    Aber den vorstehenden Artikel kann ich nicht vollständig nachvollziehen. Insbesondere, wie die 210 Mrd.Euro ermittelt wurden, wie sich die EZB konkret an dem Schuldenschnitt beteiligen soll und wie der Satz zu versehen ist: “Gehalten werden die neuen Bonds von der EZB”. Welche neuen Bonds. Und wieso bekommt die EZB neue Bonds, wenn sie doch nicht direkt an dem Schuldenschnitt teilnehmen wird?

    Für eine klarstellende Darstellung zu der Durchführung des Schuldenschnittes wäre ich sehr dankbar.

    • redakteur sagt:

      Es ist ein etwas komplizierter Deal, und wir haben versucht, das Wesentliche herauszuarbeiten. Also: 130 Milliarden wie ursprünglich vereinbart; + 15 Milliarden, die durch ein neues Loch nötig geworden sind; 35 Milliarden, die der EFSF den Griechen leiht, die aber von der EZB gehalten werden; 30 Milliarden von EFSF für die privaten Gläubiger – diese können alte Griechen-Bonds gegen EFSF-Anteile tauschen. Macht in Summe 210 Milliarden Euro. Die Redaktion.

  9. flonic sagt:

    Die Situation ist verfahren, aber nicht unlösbar. Das man das der “schwäbischen Maultasche” nicht machen lassen kann, war von vornherein klar. Der hat nur eine dicke Lippe und nichts dahinter (außer heißer Luft).

    Natürlich müssen erst die GR sagen ob sie wollen oder nicht. Danach einen >>radikalen< 90% ?) und einen Wiederaufbauplan. Egal ob mit oder ohne EUR.

    Durch den Schuldenschnitt werden zwar einige Banken Ex gehen, aber in EU-Europa werden die Staaten damit leben können.

    Die Frage wird sein, ob die amerikanischen und asiatischen Banken und Staaten das verkraften können. Wahrscheinlich nicht. Daher wird der Weltwirtschaftskrisen-Wind von ’29 her wehen. Mal sehen wie Sattelfest diese Regionen dann wirklich sind.

    Danach wird sich dann endlich allgemeine, weltweite Gesprächsbereitschaft und Kooperationswille einstellen!