Griechenland: „Der schlimmste Zusammenbruch der Ordnung seit 2008“

Athen bietet Bilder wie nach einem Krieg: Über 100 Verletzte, mehr als 150 brennende Geschäfte, 130 Verhaftungen – das ist die Bilanz der schweren Unruhen am Sonntag in Athen. Die Proteste halfen nichts: Das Parlament stimmte dem neuen Sparpaket zu.

Mit den Worten „Eine Nacht des Terrors innerhalb und außerhalb des Parlaments“, beschreibt die Tageszeitung Eleftheros Typos den Ausnahmezustand in Athen am Sonntag. Die Proteste gegen das neue Sparpaket führten zu zahlreichen Straßenschlachten – Athens Zentrum versank in einem riesigen Flammenmeer (mehr dazu hier).Nach Angaben der Polizei wurden rund 150 Geschäfte in der Hauptstadt in Brand gesetzt und weitere 48 Gebäude geplündert. Die griechische Zeitung Kathimerini berichtet von über 100 Verletzten – darunter 68 Polizisten. Premier Lucas Papademos bezeichnete die Ausschreitungen als den „schlimmste Zusammenbruch der Ordnung seit 2008“.

Der Syntagma-Platz vor dem griechischen Parlament glich einem Kriegsschauplatz. Eingehüllt in Wolken aus Tränengas kam es zu ununterbrochenen Auseinandersetzungen zwischen Polizisten und Jugendlichen, die mit Steinen und Molotowcocktails warfen. Die Polizei nahm rund 130 Personen fest. Viele Griechen und Touristen flohen vor dem Chaos in Hotel-Lobbys.

Doch auch in anderen Städten kam es zu gewaltsamen Ausschreitungen. Unter ihnen die zweitgrößte Stadt Griechenlands, Thessaloniki ,sowie die Inseln Korfu und Kreta. „Wir sind alle sehr zornig über die Maßnahmen aber dies ist nicht der Ausweg“, sagte Dimitris Hatzichristos, ein Arbeitnehmer im öffentlichen Sektor.

Papademos verurteilte die Ausschreitungen und sagte, es sei der schlimmste Zusammenbruch der Ordnung seit 2008 gewesen. „Vandalismus, Gewalt und Zerstörung haben keinen Platz in einem demokratischen Land und werden nicht toleriert“, sagt er am Sonntag im Parlament vor der Zustimmung des Sparpakets (mehr hier). Papademos fügt hinzu, die vollständige und wirksame Umsetzung des Programms werde nicht einfach sein. Ihm sei bewusst, dass das griechische Volk kurzfristige Opfer bringen müsse.

Kommentare

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  1. r.sulzer sagt:

    ruhig geworden im staate griechenland. hat sich die bevölkerung bereits mit weniger lohn und rente abgefunden?

  2. Claasen sagt:

    Das was der Godman Sachs Satrap Papademos orchestriert, ist die maximalste Verwahrlosung seit Jahrhunderten.

    Welches „Opfer“ bringen diese Papademose? Gibt es etwas kleinere Dienstwagen? Gibt es 1 Euro weniger Diäten. Gibt es für 10 Cent weniger Fettlebe?

    Aber eines ist ganz sicher: Die neue Zeit wirft schon erste Strahlen vom Horizont.
    Die kommen aber nicht an die Laternen.
    Es werden ihnen einfach die Zahlungen 10 Einheiten unter das Niveau abgesenkt, das sie heute anderen diktieren.

  3. Hans-Peter sagt:

    Eine Nachricht die nicht ganz irrelevant ist:

    http://www.tovima.gr/society/article/?aid=443493

    Ein Drittel der gestern verhaftet Randalierer waren Asylanten und Ausländer die aber nicht etwa hinter Schloss und Riegel wanderten.Sie wurden von einer nicht näher benannten griechischen Regierungsstelle sofort ausser Landes verwiesen.Näheres weiss niemand.Ein Schelm der da etwas böses denkt.

    Die linke Presse schreibt von einem durchorganisierten Plan um Chaos zu veranstalten und die Menschen in Griechenland davon abzuhalten eine friedliche Massendemonstration gegen die Sparmassnahmen abzuhalten.

  4. Hans-Peter sagt:

    Ein wenig schade das auch DMN mehr über die paar hundert Hooligans(davon die Mehrheit V-Männer der Staatsorgane) berichtet als über die Hunderttausend Griechen die nicht dazu kamen friedlich zu demonstrieren.

    Es so darzustellen als das da griechische Normalbürger Banken und Geschäfte verbrennen ist sehr gefährlich.Das ist ungefähr so als ob griechische Medien am Mai-Feiertag über „soziale Unruhen in Berlin“ berichten würden nach dem die üblichen Verdächtigen (eben Chaoten und Anarchisten) in Kreuzberg gewütet haben.

    Um zu verstehen was wirklich (nicht nur gestern) in Athen üpassiert sollte man sich mal dieses Video anschauen:

    http://www.youtube.com/watch?v=ZT64lXw4L4E

    Nur zum Verständnis:Die Typen (also V-Männer) mit den Keulen verschwinden unter Begleitschutz der Polizei in Richtung Parlament.

    • Peter Hans sagt:

      Das Video ist aber nicht aktuell und außerdem handelte es sich dabei um Kumpels der Beamten, die zufällig Mitglieder einer faschistischen Busfahrergewerkschaft sind; also die für das nachdiktatorische Griechenland typische „para-staatliche“ Gewalt.
      Die gestrigen Strassenschlachten dauerten immerhin 5 Stunden und es ging die ganze Zeit darum, daß alle in die Seitenstrassen Abgedrängten die Möglichkeit erhalten, sich als die 500.000, die sie waren, vor dem Parlament zu manifestieren. Z.z. sieht es übrigens so aus, als ob die Auseinandersetzungen dadurch provoziert wurden, daß Manolis Glezos und Mikis Theodorakis mit Blendschockgranaten und Tränengas daran gehindert worden sind, eine Rede zu halten. Und das, nachdem bereits stundenlang alles eingegast worden war – es gab sogar Versorgungsprobleme mit Tränengas – um die Bevölkerung Athens daran zu hindern, sich friedlich zu versammeln. Stundenlang hatten sie versucht sich immer wieder zu sammeln und irgendwann war’s zuviel.
      Eventuell empfiehlt es sich ein paar Tage zu warten und dann auf Indymedia Athen zu schauen, was wirklich los war; scheinbar wurden auch Polizeikugeln gefunden, auf Telepolis ist ein Video, wo DELTA-Motorradkommandos in Menschenmassen rein fahren, um zu verletzen…
      Nur mal so als Tip: In einer Kiesgrube volle Flaschen und Steine antesten, Tränengas nicht vergessen, bzw. Masken (wie lange halten die?) und dann bitte erklären, wie ein paar Hundert stundenlang mit tausenden trainierten Aufstandsbekämpfern mithalten sollen, ohne dabei literweise Wasser trinken zu müssen..
      Die waren wohl alle von der „albanischen“ Geheimarmee aus Keratea ausgebildet…
      Und wo kommen denn jetzt plötzlich tausende militante Chaoten in Kleinstädten wie Volos, Chania, Iraklio oder Agrinio her?