EZB-Kredite sind Turbo für die Bonuszahlungen bei den Banken

Mit den günstigen Zinsen des EZB-Tenders können die europäischen Banken sehr viele Zinsen einsparen. Legen sie das geliehen Geld entsprechend an, können sie damit richtig Profit machen. Die Ersparnisse der Banken reichen aus, um die Boni der Banker der City in London 24 Jahre lang zu bezahlen.

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Eigentlich war das gedruckte Geld der EZB (hier) ja für die Realwirtschaft gedacht. So sieht es zumindest EZB-Präsident Mario Draghi, wenn er verwundert feststellt, dass noch nichts von dem Geld bei den Unternehmen angekommen ist (hier; denn die Unternehmen sehen sich mit noch höheren Hürden bei Krediten konfrontiert – hier).

Es wird vermutlich auch nichts bei der Realwirtschaft ankommen. Denn die Banken haben viel bessere Verwendung für das Geld. Der Liquiditäts-Boom der EZB ist nämlich ein Geschenk an die Finanzwirtschaft, und Ende Februar kommt ein zweites Geschenk hinzu. Die niedrigen Zinsen von nur einem Prozent haben gleich zweierlei Vorteile für die Banken: Sie sparen bares Geld und könnten sogar ihren Gewinn steigern.

„Das ist ein free lunch“, so Arnd Schäfer von der WestLB, „Das ist ziemlich gut“. So wird zwar in der EZB Geld gedruckt, aber eben nicht, um der Privatwirtschaft unter die Arme zu greifen. Vielmehr haben die europäischen Banken nun noch mehr Geld zur Verfügung. Neben den Staatsanleihen investieren die Banken weiter in hochrentable und risikoreiche Papiere.

Derzeit zahlt eine Bank einen durchschnittlichen Zinssatz von 4,3 Prozent für unbesicherte Bank-Schuldverschreibungen, so die Commerzbank. Der Zinssatz der EZB von nur einem Prozent für den 3-Jahres-Tender ist nicht einmal ein Viertel davon. Die Royal Bank of Scotland hat über den EZB-Tender im Dezember 5 Milliarden Pfund geliehen, berichtete eine Quelle dem Nachrichtenmagazin Bloomberg. Die Bank zahlt dementsprechend Zinsen in Höhe von 50 Millionen Pfund pro Jahr. Hätte sie sich am normalen Markt das Geld geliehen, hätte sie jährlich rund 215 Millionen Pfund Zinsen zahlen müssen. Damit spart die Royal Bank of Scotland beispielsweise in den drei Jahren allein 495 Millionen an Zinszahlungen ein.

Doch nicht nur die Einsparungen waren für die Banken attraktiv. Die niedrigen Zinsen laden die Banken dazu ein, die Kredite, die sie von der EZB aufgenommen haben, zu investieren – also selbst als Kredit zu einem höheren Zinssatz auszugeben. Besonders Banken, die nicht so stark angeschlagen sind, können so einen guten Gewinn erzielen. Sie benötigen das Geld nicht zur Refinanzierung der eigenen Kredite, sondern können sie in Staatsanleihen oder ähnliches investieren. Eine italienische Bank könnte beispielsweise eine Milliarde Euro über die EZB zu einem Prozent leihen und italienische Anleihen mit einer Laufzeit von drei Jahren kaufen. Bei einem Zinssatz von derzeit 3,60 Prozent für diese italienischen Anleihen könnte der Gewinn der Bank um 26 Millionen Euro pro Jahr gesteigert werden (was sie ja auch tun – hier).

„Es wäre viel billiger nur die 20 Banken zu unterstützen, die wirklich gefährdet sind. Aber die Zentralbank will neutral bleiben“, sagt der britische Ökonom Richard Werner. Die EZB darf nicht nur ausgewählten Banken etwas leihen, so Neil Smith von der WestLB. Damit würde sie die europäische Gesetze verletzten. Und so werden Ende Februar die Banken erneut beim EZB-Tender zuschlagen. Goldman Sachs rechnet damit, dass beim zweiten Tender rund 680 Milliarden Euro an Krediten aufgenommen werden (Manche Experten rechnen mit deutlich mehr – hier).

Würden die Banken tatsächlich 680 Milliarden Euro leihen, beliefe sich der 3-Jahres-Tender insgesamt auf 1,2 Billionen Euro. Dafür würden die Banken bei einem Zinssatz von einem Prozent rund 12 Milliarden Euro jährliche Zinsen bezahlen. Würden sie dieselbe Menge am herkömmlichen Markt leihen, würde dies bei einem durchschnittlichen Zinssatz von 4,3 Prozent 52 Milliarden Euro pro Jahr an Zinsen kosten, schätzt die Commerzbank. Damit könnten die europäischen Banken in den drei Jahren 120 Milliarden Euro sparen.

Die Boni, die Banken in London für 2011 auszahlen werden, belaufen sich auf ungefähr 5,1 Milliarden Euro, so das Centre for Economic and Business Research. Blieben die Boni gleich, könnte man von diesen Ersparnissen aus dem EZB-Tender fast 24 Jahre lang die Boni in London finanzieren.

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Kommentare

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  1. hammer sagt:

    Lb Zeitung, können Sie nicht mal eruieren und abdrucken, welche Vorgaben an eine Bankengründung gestellt werden, es gibt da doch sicherlich unterschiedliche Modelle, die zum Teil kein so hohes Eigenkapital voraussetzen.
    Das wäre doch ein schöner Beitrag zur Demokratie in unserem Lande….
    Ich meine, es liegt ja auf der Hand, dass man selbst `ne Bank haben muss in diesen Zeiten großzügiger Regierungen…

  2. Haikubehindert sagt:

    Die Reichen haben dank der EZB profitiert, das ist das Einzige was die Politiker und „der Markt“ interessiert. Es stimmt nicht ganz dass die Geldschwemme nicht in der Realwirtschaft ankomme -bei der Luxusindustrie klingeln die Kassen wie noch nie.

  3. Klaus Walter sagt:

    In den 70iger 80iger Jahren gab es mal eine Parole, : „Macht kaputt, was euch kaputtmacht“.
    Wir sollten uns diesen Slogan wieder auf die Fahnen schreiben.

  4. roger sagt:

    wäre alles kein prob wenn man das geld von denen holt die es haben und nicht von denen die es brauchen.

  5. Munnie sagt:

    Hier ein interessantes Video über die Finanzmarktspielchen und wer davon profitiert.

    Griechenland – Der Profit mit der Pleite
    http://www.youtube.com/watch?feature=endscreen&NR=1&v=7JLr3yy7V7w

    Entweder sind unsere Politiker wirklich zum dämlich, schwach und korrupt, um dagegen anzugehen, oder sie haben tatsächlich keine Handhabe.

  6. Demokrat sagt:

    Es ist trifft uns alle,
    Griechenland ist nur der Anfang.

    Lohnt sich.
    http://www.presstv.ir/detail/226472.html

    • Vanessa_ sagt:

      „Griechenland ist nur der Anfang“

      Das befürchte ich auch. Der Fokus wird bewußt immer nur auf ein Land gerichtet. Wenn es in allen europäischen Staaten gleichzeitig zu solchen Ausschreitungen käme, hätte die Elite zu viele „Brandherde“ auf einmal, für die es dann sicher nicht genügend Brandlöscher gäbe und somit würde ihr Projekt EU ganz schön ins Wanken geraten. Deshalb wird wohl immer ein Land nach dem anderen „abgearbeitet“.

      • Fred Feuerstein sagt:

        Ich frage mich, wo sind denn die Gewerkschaften und es gibt sogar eine europäische Dachorganisation in Brüssel. Sind die Gewerkschafter auch schon infisziert von der „Neuen Welt Regierung“ ! Haben sie ihre Genossen schon vergessen ? Alles ist organisiert, aber nichts passiert. Merkwürdig. Liegen die allesamt schon miteinander im Bett ???

    • Michele sagt:

      Ein interessanter Beitrag von Rodney Shakespeare.

      Doch solange Griechenland dem Euroland angehört, muss es (wie auch einige andere noch) auch seine Hausaufgaben machen. Ein paar Leistungsungleichheiten wie Lebensarbeitszeit, Rentenansprüche ect. sollten nicht grosszüger sein als die von den Geberländern. Denn das empört den Michel, der einem Geberland angehört.

      Dass die Bondnehmer ein Teil des bail-out gleich wieder zurück holen, und nicht genügend in der echten wertschöpfenden Realwirtschaft, und auch nicht beim Bürger landet ist natürlich die andere Seite…

    • Haikubehindert sagt:

      Merkozymonti glauben nicht das die Griechen sparen wollen und die Griechen glauben nicht dass Merkozymonti ausser an die Banken sonstwohin was zahlen will. Wer hat recht?

      Die Griechen.

      Sie haben recht weil sie sparen müssen, egal ob sie wollen oder nicht.

      Die Griechen haben recht weil die Hilfspakete alleine an die Banken gehen werden wo sie in den Geldsäcken der Reichen verpuffen und alsbald sich die gierigen Hände erneut an die Gurgel der Mekozymonti greifen um weitere Rettungspakete auszuhusten zu lassen. Bezahlen tun es die kleinen Steuerzahler im Norden und die Arbeitslosen im Süden. Das Geheimnis der Wahrheit heisst Sklaverei , die Welt arbeitet möglichst gratis für die Banker – sei es am Jangtsekiang oder am Rhein oder ganz umsonst als Kindersklave auf der Schokoladenfabrik in der Elfenbeinküste.

      Es ist leider Tatsache, zur Zeit der offiziellen Sklaverei gab es weniger Sklaven als heute, und oft hatten die Negersklaven in den Südstaaten der USA sogar mehr Sicherheit als Schwarze heute in der BronX.

  7. Waltraud Schlimm sagt:

    Das war doch klar. Die Banken saugen sich jetzt noch mal so richtig voll. Ich hoffe das es bald einen dumpfen Knall gibt, dann haben wirs überstanden. Das Geld der EZB wird auch nur von uns geholt. Die „Notleidenden“ Banken können einem schon leid tun. Nach dem nächsten Tender wird die Börse weiter nach oben gepusht. Geld ist dann genug da.
    Zum Wochenende sind wir auf Vorkrisennivau von 7 000 Punkten. Wie vor der Krise. Ihr könnt euch ausrechnen, wer da spekuliert hat.

    Die Banken kriegen immer ihr Geld.

  8. David Meier sagt:

    Zitat: „Derzeit zahlt eine Bank einen durchschnittlichen Zinssatz von 4,3 Prozent für unbesicherte Bank-Schuldverschreibungen, so die Commerzbank. Der Zinssatz der EZB von nur einem Prozent für den 3-Jahres-Tender ist nicht einmal ein Viertel davon.“

    Vorsicht: der Vergleich passt nicht, denn die EZB Kredite müssen durch Sicherheiten gedeckt werden (z.B. Staatsanleihen, Unternehmensanleihen oder auch Unternehmenskredite). Damit wäre als Vergleichszinssatz nur eine Repo Rate passend. Für 3 Jahre kenn ich keine offizielle Statistik dazu, aber für 1 Jahr liegt der Eurepo dzt. bei 0,17%. Die EZB ist allerdings widerum bei den Sicherheiten sehr großzügig, so dass die Wahrheit irgendwo dazwischen liegt.

    • Haikubehindert sagt:

      Die EZB fordert nun weniger Sicherheiten in Prozent und weniger Sicherheit in der Qualität. Die Banken können nun auf 1:47 spekulieren -also 1% niedrige Sicherheit die sie in 47 facher Höhe als Kredit oder Aktien anlegen können. Es ist ein Goldrausch für die Finanzlobby wie noch niemals zuvor in der Geschichte