Moody’s stuft Italien, Spanien, Portugal herunter

Die Ratingagentur Moody’s hat am Montagabend mehrere Downgrades für europäische Staaten vorgenommen. Zwar sind die Gründe unterschiedlich, der Tenor lautet jedoch bei allen: Die Ratingagentur glaubt nicht, dass die Staaten ihre Sparprogramme umsetzen können. Auch Slowenien, die Slowakei und Malta wurden herabgestuft.

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Moody’s hat (nach Standard & Poor’s – hier) am Montag ein umfassendes Downgrade für europäische Staaten vorgenommen. Am deutlichsten traf es Spanien mit einer Herabstufung um zwei Punkte (von A1 auf A3). Moody’s zweifelt an der Reformfähigkeit des spanischen Staatshaushalts. Notwendige institutionelle Reformen erscheinen der Ratingagentur als „unsicher“. Vor allem glaubt Moody’s nicht, dass die Regionen ihre Defizite nachhaltig abbauen können. Daher sei man auch „skeptisch“, dass die Regierung in Madrid ihre Defizit-Ziele erreichen werde. Sollte dennoch weiter gespart werden, werde sich die Rezession in Spanien weiter vertiefen. Diese werde auch die Profitabilität der spanischen Banken negativ beeinflussen.

Italien wurde von A2 auf A3 herabgestuft. Hier wird zwar anerkannt, dass die Regierung von Mario Monti die Probleme adressiert. Ob die Umsetzung der Sparvorhaben wirklich gelingt, bezweifelt Moody’s. Die sich verschlechternde makroökonomische Lage werde den Druck auf Italien weiter erhöhen. Die öffentlichen Ausgaben stellen große Herausforderungen dar, ob wirklich nachhaltig gespart wird ist ungewiss. Daher könnte Italien seine Defizit- und Konsolidierungsziele verfehlen.

Kritisch sieht es auch für Portugal aus. Das Land wurde von Ba2 auf Ba3 herabgestuft. Das höhere Budget-Defizit bereitet Sorgen: Moody’s erwartet eine Verschuldung von 115% des BIP innerhalb der kommenden zwei Jahre. Die Rezession vertiefe sich, wodurch auch ernste Probleme für die portugiesischen Banken entstehen. Vor allem fürchtet Moody’s die „Ansteckung von einer drohenden Insolvenz Griechenlands“. Daher werde Portugal nicht wie erhofft erfolgreich an die Kapitalmärkte zurückkehren können.

Für die Slowakei sieht Moody’s ebenfalls Schwierigkeiten, bei den öffentlichen Haushalten zu sparen. Außerdem werden externe Einflüsse dem kleinen Land zu schaffen machen. Ähnliches gilt für Slowenien, wobei hier der im Verhältnis zur gesamten Volkswirtschaft zu große Bankensektor als Problem gesehen wird.

Frankreich bekommt einen „negativen Ausblick“, ebenso wie Österreich. Den Franzosen traut die Agentur ernsthafte strukturelle Reformen nicht zu. Österreich, wo gerade ein eher allgemein gehaltenes Sparpaket präsentiert wurde, könne sich weiter verschlechtern, wenn die großen Problemkreise wie der Gesundheitsbereich nicht reformiert würden. Das Sparprogramm der österreichischen Regierung verbleibt vor allem im Gesundheitssektor sehr vage.

Auch Großbritannien hat nun einen negativen Ausblick: Auch hier zweifelt Moody’s an der Fähigkeit des Landes, die notwendigen fiskalischen Reformen mit der notwendigen Geschwindigkeit umzusetzen. Außerdem sei das Vereinigte Königreich „besonders anfällig“ für allfällige „Schocks“ aus der Euro-Zone.

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Kommentare

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  1. marcus regenberg, Krefeld sagt:

    Die USA haben kein Interesse an einem starken €uropa, denen steht das Wasser jetzt schon *.hoch ueberm Kopf !
    Was die „Ratinagenturen“ machen, musz man als Wirtschaftskriminalitaet bezeichnen und ziehlt gegen ein funktionierendes €uropasystem.
    Ich denke mal, dasz das alles lange schon gewollt war und die uns so eine angebliche €uropakrise verkaufen.
    Wir werden gerade zur Schlachtbank gefuehrt und sollen schoen langsam ausbluten ohne dasz es einer mitbekommt .
    Lieben Grusz,
    marreg
    http://unfassbaraberleiderdiewirklichkeit.blogspot.com

    • die "andere" sind schuldig sagt:

      Nach den Maastricht-Kriterien( EUPOPÄISCH!) sind alle EUro Staaten schon längst pleite und für diese Miserie sind ausschliesslich die Politiker verantwortlich und nicht die USA.

      • marcus regenberg, Krefeld sagt:

        ich glaube nicht an eine politische macht. politiker haben dem volke nur die gewollten veraenderungen zu verkaufen, sie bestimmen aber keinerlei macht. besuch doch mal hin und wieder die seiten von https://openleaks.org/ und http://wikileaks.ch/.
        politik soll dem buerger nur macht vorgaukeln um sie glauben zu machen …
        die macht ging noch nie von politikern aus ; politik ist valium fuers volk.

        ❤lichste gruesze,

        marreg

  2. Grauber sagt:

    Das Embargo gegen Iran wurde in Bündnistreue zu den USA ausgesprochen und die Folgen trägt das südliche Europa, mehr noch als der Iran.

    Gerade mal 20 % der Energie-Exporte des Iran sind von dem Embargo betroffen, das werden China und Indien gerne mit Yuan, Rupien oder Yen ausgleichen.

    Wer also schadet Europa noch mehr, als Moodys ?

    • Fred Feuerstein sagt:

      Genau sind es 18 %.

    • Silberling sagt:

      @ Grauber
      China und Indien zahlen das Öl jetzt in Gold.

      Artikel in Financal Times Deutschland von 09.02.12

      Embargo: Iran kauft Weizen und zahlt mit Gold und Öl

      Das wollte ja Iran schon länger ,das Öl in Gold handeln!!!

      Der Hussein wollte doch sein Öl in Euro handeln, da war doch was !

  3. Cuzco sagt:

    …und ich stufe Moody´s herunter! ^^

  4. conforma sagt:

    Frankreich runtergestuft – kein Wunder, mit weiterer Abstufung ist in den nächsten Monaten zu rechnen. Frankreich erlebt durch unfähige Politiker einen nicht aufzuhaltenden Niedergang, weil sie einfach nur noch borniert sind.
    Ein paar Fakten gemäß Eurostat 2011:
    Frz. Exporte: 386 Mrd, Dt-land: 1288 Mrd,
    Frz. Außenhandels-Saldo: -3,6, Dt-land: +5,25,
    Frankreich: seit 1974 kein Budget-Überschuss mehr,
    Lohnstückkosten-Anstieg seit 1999 um 3,5%, Dt-land: -17,7%,
    Frz. Beitrag Industrie zum BIP: nur noch 14%,
    Frz. Mindestlohn-Anstieg auf 9,19 €uro, das sind 1400 €uro/Monat,
    35-Stunden-Woche mit vollem Lohn-Ausgleich,
    Frz. Welt-Export-Anteil seit 2000 bis 2010 von 5,0 auf 3,4% geschrumpft,
    Frz. Arbeitslosigkeit Jugendliche unter 25 Jahren: knapp 28%,
    Frz. Schulden stiegen seit 2005 um 600 Milliarden (vor allem unter Sarkozy) auf derzeit 1,8 Billionen,
    Frz. Wachstum 0,4%,
    Frz. Saldo-Zahl der Beamten stieg in den vergangenen Jahren um 18%, 500.000 mehr Beamte bei etwa 20 Mio weniger Bevölkerung gegenüber Dt-land,
    Frz. Arbeitszeit der Beamten 35 Wo-Std. und die sind meist noch verkürzt, dazu 12 Wochen Urlaub und etliche Beamten-Probleme mehr.
    Frz. Pensions-Kassen sind hoch defizitär,
    Gemäß Nicolas Baverez, frz. Soziologe, wird Frankreich weiter nach unten driften, und dann wird vielleicht Dt-land auch für Frankreich in Anspruch genommen werden müssen, wenn wir dann überhaupt noch dazu in der Lage sind – (Daten habe ich der WiWo vom 23.1.2012 entnommen)
    Es wird von Monat zu Monat schauriger – der alleinige Blick auf Griechenland vernebelt alle Sinne.

    • Sozialkritiker sagt:

      Nun ja, beim Vergleich Deutschland – Frankreich sollte man einen Punkt nicht vergessen: die Geburtenrate.

      Deutschland ist Schlusslicht in Europa in Punkto Geburtenrate, dafür wirtschftlich die Lokomotive.

      Macht man hier also Gewinn auf Kosten derer die nicht geboren werden? Weil immer weniger ins Erwerbsalter vorrücken, brummt der (wenn auch unterbezahlte) Arbeitsmarkt.

      Die Jugendarbeitslosigkeit der Franzosen ist übrigens relativ zu sehen:

      Deutschland hat weit weniger Jugendliche. Hätte es gar keine, wäre die Quote 0,00%. Wäre das (gesellschaftlich) wünschenswert?

      Quelle: http://wko.at/statistik/eu/europa-geburtenrate.pdf

    • @conforma sagt:

      Was glauben Sie eigenlich wem wir dieses zweite verheerende Versailles zu verdanken haben. Den französischen Politikern war immer an der Vernichtung Deutschlands und zur Not dessen Versklavung gelegen.
      Frankreich heisst der europäische Kriegstreiber der sich nicht zu Schade ist Deutschland auf Jahrhunderte in Sippenhaft nehmen zu wollen. Wenn diese ´Grande Nation´nicht bekommt was sie will drischt sie auf Deutschland mit der Nazi-Keule – es muss Schluss sein mit dieser Antifriedensnation.
      Unsere Politiker lassen sich auch 66 Jahre nach dem Krieg immer wieder Schuldgefühle dieser ach so historisch jungfräulichen Nation suggerieren.
      Wenn schon Sippenhaft, dann vergleichen wir mal die franz. Revolution mit der Ostdeutschen, eine paar franz. Kriege wäre auch zu bieten
      Der Bildungsstand in unserem Parlament ist mehr als bedenklich!
      Es ist genug !
      Lasst Frankreich und wenn sie denn wollen die Med Staaten im Euro und D aus Euro und EU austreten- – die einzige friedliche Lösung!
      Frankreich hatte den Euro von Anfang an als Raubzug geplant.

      • conforma sagt:

        Etwas Logik könnte nicht schaden. Das was ich beschrieben bzw. zitiert habe, sind reine Fakten und dürften aktuell das französisch-eigene Versailles beschreiben, nicht ein derzeit deutsches aber auch ein Versailles für alle Schulden-Länder, die alle nach und nach dran-kommen. Und dass die Dame aus Berlin für den Sarkozy, dem Verursacher der französichen Go-Down-Wirtschaft, Wahlkampf macht, ist so hirnrissig wie die ganze Frau ökonomisch programmiert ist. Das zeigt, dass sie die wohl grenzenlose Freiheit über den Wolken sehr wörtlich nimmt und selbst-zufrieden eine Realität in der Weite des Universums sucht.

  5. Blog - start-trading.de sagt:

    Die Ratingagenturen kündigen mit ihrem Ausblick negativ den nächsten Schritt bereits an und doch ist es immer wieder eine Überraschung für Europa.

    http://www.start-trading.de/blog/2012/02/14/ratingagenturen-ausblick-bleibt-negativ/

    Entweder muss sich Europa von dem Bewertungsmodell der Ratingagenturen trennen oder sie muss zusehen, dass sie die Schuldensituation der Staaten bessert. Beides will sie bisher nicht.

  6. so-ist-es sagt:

    sicherlich sitzen jetzt die eurokraten mit ihrem flechtenden zahnersatz auf ihren thronen
    und überlegen verbissen und krampfhaft, wie sie diese agenturen vernichten können.
    ja, der bote, der die nackte wahrheit verkündet muss weg.

    die gesamte EU ist eine krake, die die völker schindet, vergewaltigt,
    entrechtet und versklavt.

    EU heißt – Europas Untergang

  7. ### sagt:

    Die PIS-Staaten (Portugal, Italien, Spanien) müssen irgendwann mal anfangen, weniger Schulden zu machen. So geht das nicht weiter. Sobald eine Umkehr sichtbar wird, werden die Ratings auch wieder besser. Aber noch kehren die nich tum.

  8. David Kuettner sagt:

    Es kommt noch schlimmer. Wurden in Griechenland zündelnde Provokateur-Agenten eingesetzt, um an Hilfsgelder aus Europa zu kommen?

    http://www.marktorakel.com/index.php?id=1505131735811723320