Zinsen für deutsche Staatsanleihen steigen wieder

Nach der Abstimmung über die Sparmaßnahmen im griechischen Parlament werden die deutschen Anleihen uninteressanter. Die Lust der Banken, in profitablere Anleihen zu investieren, ist wieder gestiegen. Geld dafür hat die EZB ja verteilt und ein weiteres Geldpaket folgt Ende Februar.

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EZB-Kredite sind Turbo für die Bonuszahlungen bei den Banken

Mit Blick auf die Zustimmung des griechischen Parlaments zu den Forderungen der Troika, wenden sich die Investoren wieder zunehmend Staatsanleihen in der Peripherie Europas zu. So fielen etwa die Zinsen für zehnjährige, portugiesische Anleihen zwischenzeitlich auf ein 11-Wochen-Tief von 11,90 Prozent. Die Ansteckungsgefahr, die von einer Pleite Griechenland ausgehen würde, hat sich geschmälert bzw. zeitlich etwas nach hinten verschoben. Auch die italienischen Refinanzierungskosten sind gefallen. Bei einer Auktion von kurzfristigen Anleihen (1 Jahr) sanken die Zinsen von 2,735 Prozent auf 2,23 Prozent.

Die Aufschiebung der griechischen Staatspleite kommt den Investoren sehr gelegen. Während sie für deutsche Anleihen, die als sicherer Hafen gelten, sehr wenig Rendite erhielten, können die Gelder des EZB-Tenders deutlich profitabler genutzt werden. Vor allem, da eine Pleite Griechenlands vorerst ein wenig aufgeschoben wurde. Die Risikofreude der Investoren ist ungebrochen. Verloren sie doch an den deutschen Anleihen Bloomberg zufolge im Jahr 2011 0,5 Prozent ihres Geldes, waren italienische (8,4%) und spanische Anleihen (1%) ertragreicher.

Dementsprechend stiegen die Zinsen für deutsche Anleihen aufgrund mangelnder Nachfrage. Bei einer Auktion am Montag wurden sechsmonatige Anleihen zu einem Zinssatz von 0,0761 Prozent verkauft. Anfang Januar lagen die Zinsen noch bei minus 0,0122 Prozent. Auch lag das Verhältnis von Angebot und Nachfrage nur bei 1,51 – zuletzt war sie bei 1,82. Die zweijährigen Anleihen vermeldeten am Montag einen zweimonatigen Höchstwert von zwischenzeitlich 0,28 Prozent. Zehnjährige Papiere stiegen auf 1,92 Prozent.

Angesichts des neuen EZB-Tenders Ende Februar dürfte die Lust auf profitablere Anleihen weiter steigen. Einige Experten rechnen sogar damit, dass sich die europäischen Banken deutlich stärker auf den EZB-Tender zurückgreifen werden als beim letzten Mal (bis zu 1,5 Billionen könnten es werden – hier). Durch den niedrigen Zinssatz von nur einem Prozent sparen die Banken mehr, als wenn sie auf übliche Kredite am Markt zurückgreifen. Investieren sie die Kredite und die Ersparnisse entsprechend in besser verzinste Staatsanleihen von Spanien und Italien, können Sie sogar noch einen Gewinn damit machen (hier).

Bei einer Umfrage von Goldman Sachs gaben lediglich vier Prozent der Befragten an, die Erlöse aus dem EZB Tender zu nutzen, um die Kredite an die Privatwirtschaft zu steigern (die wird nämlich von einer Kreditklemme erfasst – hier). 56 Prozent sagten, sie würden es nutzen, um auslaufende Kredite zu refinanzieren und 26 Prozent gaben an, es würde in Staatsanleihen investiert. 14 Prozent machten keine eindeutigen Angaben.

Es ist jedoch davon auszugehen, dass deutlich mehr Geld zum Kauf von Staatsanleihen genutzt wird. Einerseits wissen die Banken, dass man die Anleihen am Sekundärmarkt an die EZB weiterverkaufen kann. Andererseits ziehen es die Banken seit Wochen vermehrt vor, die Anleihen ihrer Mutterländer zu kaufen. Der starke Fall der Zinsen für italienische Staatsanleihen ist kein Wunder – immerhin erwarben die italienischen Banken bei der Vergabe des ersten EZB-Tenders die höchsten Kredite (50 Milliarden Euro – mehr dazu hier).

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Kommentare

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  1. James Griechen-Bond sagt:

    Man kann es nicht besser ausdrücken:

    “Wenn du merkst
    dass ein Handel nicht durch Zustimmung
    sondern durch Zwang zustande kommt…

    wenn du erkennen musst,
    dass du, um zu produzieren,
    eine Erlaubnis von Menschen bekommen musst,
    die nichts produzieren…

    wenn Du siehst,
    dass Geld zu denen fließt,
    die nicht mit Waren handeln,
    sondern diese nur für sich ausnutzen…

    wenn du feststellst,
    dass manche Menschen durch Gaunereien und bezogene Vergünstigungen
    viel reicher werden als durch ehrliche Arbeit
    und deine Gesetze dich nicht vor ihren Machenschaften schützen,
    die Gesetze sie aber vor dir schützen…

    wenn du siehst,
    dass Korruption belohnt wird
    und Ehrlichkeit nur zu Selbstaufopferung führt…

    dann merkst du vielleicht,
    dass deine Gesellschaft zum Scheitern verurteilt ist.“

    Ayn Rand, amerikanische Philosophin

  2. FredEric Porschéé sagt:

    Guten Morgen REDAKTION!

    Ist das ein gewollter Druckfehler? Freudiger „Freudscher Versprecher“ in der Artikel-KurzBeschreibung?:

    Die >LustLust<, in profitablere Anleihen zu investieren?

    Gehe ich richtig in der Annahme, daß Sie tief in Ihrem Inneren keine LUST mehr auf dieses Thema haben?

    Die einzig richtige Entscheidung wäre nämlich : BANKEN mindetsens zumTeil in die Hände des Staates legen, zumindest den Geldverkehr im ersten Schritt verstaatlichen.

    Seit Jahren mein gesellschaftliches Ziel (wohlgemerkt: nicht mein politisches) ist eine

    GROSS – DEUTSCHE BANK

    Wie ich das mache, habe ich Ihnen schon mehrfach mitgeteilt: durch reine Naturwissenschaft. Durch quantenphysikalische Erkenntnisse und einen neuen Bezug zur Relativitätstheorie.

    Aber für sowas interessieren Sie sich ja nicht, vielleicht, weil es aus mir tatsächlich noch niemand weiß: die wahre Natur des Lichts. Pech für Sie. Pech für alle.

    So wird wohl erst mal alles den Bach runtergehen MÜSSEN. Unter Umständen mit Gewalt. Mehr als schreiben kann ich Ihnen das ja nicht. NACH – FRAGEN müssen Sie schon von selber.

    MfG
    FredEric P.

    deutschemittelstandsnachr ät selbsthilfeprojektdeutschland.de

    GOOGELN hilft da nicht!

    • EURO sagt:

      Zitat: „Die einzig richtige Entscheidung wäre nämlich : BANKEN mindetsens zumTeil in die Hände des Staates legen, zumindest den Geldverkehr im ersten Schritt verstaatlichen“

      Tolle Idee. Unsere Staatsbanken (z.B. die Landesbanken) haben sich ja schon in der Verganganheit als besonders gut geführt und weise erwiesen, nicht wahr?

      Mehr staatliche Regulierung benörigen wir dort, wo rot/grün besonders finanzmarktfreundlich tätig war. Ansonsten brauchen wir weniger Staat und mehr Markt, Wettbewerb und endlich wieder Rechtstreue statt Willkür.

    • UNRUHEGEIST sagt:

      Das interessiert mich jetzt aber gewaltig.
      Da ist doch einiges im Gange auf dem Gebiet der Quantenheilung usw.

      @14.02.12 um 11:05 EURO sagt: ??
      Was hat ein Landesbanksystem alter Couleur mit einer staatlichen Großen-Deutschen Bank zu tun, wenn sie nur den Geldverkehr regeln soll. Ich will neue Wege beschreiten. Rot Grün oder Schwarz ist doch kalter Kaffe
      willich garnich mehr hörn

      • EURO sagt:

        @ UNRUHEGEIST

        Die Politkaste, die in jeder staatlichen Bank, auch Großbank, das Sagen hätte, kann es nicht.Das hat sie nachhaltig bewiesen.

        Wir sollten lieber darüber nachdenken, ob und welche grundlegenden Änderungen das bisherige Geldsystem aus unserer, der Bürger Sicht, erfordertet. Ob es überhaupt sinnvoll ist, dem Staat das Geldmonopol zu überlassen.

  3. Griechensoli sagt:

    >“Die Ansteckungsgefahr, die von einer Pleite Griechenland ausgehen würde, hat sich geschmälert bzw. zeitlich etwas nach hinten verschoben.“

    Kaum geht die Insolvenzverschleppung durch die Absegnung des neuen Rettungspaketes in die nächste Instanz, stehen auch die „Investoren“ schon schlange, um das Bankencasino am laufen zu halten. In 2-3 Monaten schreien dann wieder alle nach den vermeindlich sicheren deutschen Anleihen, wenns in den PIIGS-Ländern wieder am krachen ist. und man vorher schön Rendite mit hochriskanten Spekulationsgeschäften abgesahnt hat. Lerneffekt seit 2008 gleich NULL.

  4. ALPHAONE sagt:

    @ Redaktion

    Lapsus „Die Lust der Banken hat wieder Lust…“

    Grüsse