Deutsche Exporteure setzen auf exotische Märkte

Weil das Geschäft in der Eurozone immer schleppender läuft, empfiehlt die GTAI den deutschen Firmen Märkte, von denen heute noch keiner spricht. Aber auch das birgt Risiken.

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Die Mongolei, Tunesien, Indonesien, Norwegen, die Slowakei, Peru und Mexiko sind von der Außenhandelsgesellschaft Germany Trade und Invest (GTAI) zu den attraktivsten Exportmärkten im Jahr 2012 gewählt worden. Diesen Ländern wurde bisher eher weniger Aufmerksamkeit zu teil, sie bieten aber besonders gute Möglichkeiten für Exporteure. Zum einen wächst die Wirtschaft in diesen Ländern konstant. Zum anderen haben sie teilweise großen Modernisierungsbedarf. Dies führt zu einer gesteigerten Nachfrage.

„Selbstverständlich sind Länder wie beispielsweise Brasilien, Russland, Indien oder China für deutsche Unternehmen sehr interessant. Doch wir haben uns dazu entschlossen, unser Augenmerk auf Länder, die sonst nicht so sehr im Fokus der Öffentlichkeit stehen, aber trotzdem vielversprechend sind, zu richten. Gerade auch für den deutschen Mittelstand, sind solche neuen Märkte interessant“, sagt Michael Pfeiffer Geschäftsführer der GTAI.

Indonesien beispielsweise besitzt mit 240 Millionen Einwohnern einen besonders großen Binnenmarkt. Im vergangenen Jahr wuchsen die Importe um fast ein Drittel. Das Land plant den starken Ausbau der Infrastruktur fortzusetzen.

Das Handelsvolumen zwischen Deutschland und der Mongolei beträgt aktuell gerade einmal 150 Millionen Euro. Doch die reichen Rohstoffvorkommen verleihen dem riesigen Flächenstaat ein großes wirtschaftliches Potenzial. Die Mongolei ist nicht nur ein Absatzmarkt für deutsche Produkte, sie wird auch eine wichtige Rolle in der Rohstoffversorgung Deutschlands einnehmen. Aus diesem Grund bemühte sich die Bundesregierung bereits im vergangenen Jahr um eine Verstärkung der Handelsbeziehungen mit der Mongolei. Allein in das landesweit größte Vorhaben, die Erschließung einer Kupfer- und Goldmine, sind Investitionen von 5 Milliarden US-Dollar geplant, ab dem Jahr 2013 werden Einnahmen in Höhe von 4 Milliarden Dollar jährlich prognostiziert. Hinzu kommt der massive Abbau von Kohle.

Norwegen gehört zu den Top-Exportmärkten der GTAI weil der skandinavische Staat größere Investitionen plant: Die Ausgaben für die Gewinnung und Übertragung von Energie sollen noch  um 10 Prozent ausgeweitet werden. In den Hochbau sollen sechs Prozent, in den Tiefbau neun Prozent gesteckt werden. Die Öl- und Gasindustrie plant seine Investitionen um 22,4 Milliarden Euro zu steigern. Die Norweger rechnen in diesem Jahr mit einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 2,5 Prozent.

Solche Empfehlungen sehen auf den ersten Blick interessant aus. Gerade aber bei der diesjährigen Auswahl der potentiellen Hits empfiehlt sich ein Blick auf die Risiken. Und die sind im Grunde bei allen Länder nicht unerheblich: Tunesien hat sich von den Folgen der Revolution im vergangenen Jahr noch nicht vollständig erholt. Wie sich die Situation im Land weiterentwickeln wird, ist noch nicht absehbar. Keiner kann sagen, ob die sozialen und wirtschaftlichen Bedingungen wirklich stabil sind.

Indonesien wird immer wieder von Konflikten mit religiösen Extremisten erschüttert. Zahlreiche militante Gruppierungen stellen eine permanente Gefahr dar. Erst kürzlich haben außerdem die Anschläge auf ausländische Botschaften in mehreren asiatischen Staaten gezeigt, dass die Lage nur schwer auszurechnen ist. Außerdem ist Korruption weiter ein großes Thema in Indonesien. Die Slowakei wurde gerade erst von Moody’s herabgestuft (mehr hier) weil das Land aufgrund seiner Größe überproportional stark von äußeren Faktoren abhängig ist und es nicht geschafft hat, seinen Staatshaushalt unter Kontrolle zu bringen.

Mexiko erlebt im Kampf gegen Drogenkartelle bürgerkriegsähnliche Zustände. Und Norwegen macht seine starke Währung zu schaffen. Viele Investoren sehen angesichts der Währungsturbulenzen die norwegische Krone als sicheren Hafen. Dadurch können deflationäre Tendenzen aufkommen. Zu allem Überdruss droht in Norwegen eine Immobilienblase, deren Auswirkungen auf das gesamtwirtschaftliche Gesamtgefüge unabsehbar wären (mehr hier).

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Kommentare

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  1. Observer sagt:

    Vielleicht sollte der Autor dieses Berichtes mal die eigene Gazette lesen.
    Erst heute wird berichtet, wie Deutschland und Europa hinsichtlich Korruption beurteilt wird. Wahrscheinlich noch schlimmer, als das Volk dies befürchtet!
    Da noch von Korruption in anderen Ländern zu warnen, ist schon ziemlich EUDSSR Systemkonform!

  2. Korsar sagt:

    Ja solange Deutschland den EURO finanziert, lässt es sich leichter in die EURO- Zone exportieren. Aber, dann stimmen die Preise nicht mehr, denn das Auto kostet dann nicht nur 20.000 EURO, sondern es müsste seinen Anteil aus der EURO- Subvention noch draufgesattelt bekommen.

  3. Raus aus Deutschland sagt:

    Zitat: Außerdem ist Korruption weiter ein großes Thema in Indonesien.

    Die Chinesen sind Experten darin in Ländern wo große Korruption herrscht sehr gute Geschäfte zu machen.

    Seit wann ist Korruption ein Problem um Geschäfte zu machen???

    Unter der Hand ist es preiswerter als wenn etwas offiziell läuft!
    Weiss das der Autor nicht???

    • Korsar sagt:

      Unser Land hat sich noch unter keiner Regierung um die dortige Korruption geschert. Wir leben vom Export. Wenn wir nicht exportieren, können wir nicht importieren. Wir brauchen Roh- und Brennstoffe, sowie Getreide und Obst und Gemüse. Das alles kostet Geld und, wenn man einem Diktator ein paar Autos verkauft, entsteht niemandem ein Schaden.

  4. Observer sagt:

    Wer Risiken scheut, MUSS Beamter werden!

    • Murksel sagt:

      Wo ist das Problem ? Wenn es schief geht übernimmt wie immer gerne der Steuerzahler.
      Ich hab‘ schon wieder Brechreiz