Griechenland: EZB will Gläubiger erster Klasse bleiben

Die Europäische Zentralbank plant offenbar, am Wochenende die alten Griechenland-Bonds in neue umzutauschen. Damit könnte die EZB einem Schuldenschnitt entgehen. Das Schulden-Roulette könnte dann weiter laufen, für private Investoren verlieren europäische Staatsanleihen dann jedoch dramatisch an Attraktivität.

Aktuell
Stiglitz: EZB vertritt Interessen der Banken, nicht der Steuerzahler

Die EZB plant nach verschiedenen Informationen aus Banken- und EU-Kreisen, ihre alten Griechenland-Bonds am Wochenende gegen neue Papiere einzutauschen. Durch dieses Manöver – einer Art finanztechnischer Rösselsprung – könnte die EZB vermeiden, am Schuldenschnitt für Griechenland beteiligt zu werden. Die ziemlich undurchsichtige Aktion – Peter Tchir zweifelt, dass die Aktion überhaupt stattfinden wird – birgt erhebliche Gefahren: Die Botschaft, die an potentielle Käufer von Staatsanleihen ausgeht, wäre, dass sie bei jedem Problemfall mit einem Haircut rechnen müssten, während die EZB immer ungeschoren davon kommt. Dies würde es Portugal und Irland enorm erschweren, wieder Geld an den Kapitalmärkten aufzunehmen.

Offenbar haben sich aus genau diesem Grund die Vertreter der Bundesbank gegen den Tausch ausgesprochen. Sie fürchten den negativen Vorbildeffekt – und sie fürchten Klagen. Eine in Europa weithin unterschätzte Gefahr besteht nämlich im professionellen und erfolgreichen Einsatz des Rechtsweges durch die Hedge Fonds (mehr hier).

Was Mario Draghi wirklich vorhat, ist unklar. Feststeht, dass er weiter ein entschiedener Gegner eines erzwungenen Schuldenschnitts ist. Der Wirtschafts-Nobelpreisträger Joseph Stiglitz hat der EZB vorgeworfen, in Wahrheit nicht die Interessen der Steuerzahler und der Staaten zu vertreten, sondern jene der Banken (mehr hier). Die größte Angst vor dem erzwungenen Schuldenschnitt kommt nämlich von jenen europäischen Banken, die die Kreditausfallsversicherungen bezahlen müssten. Es ist durchaus denkbar, dass Draghi vor allem die europäischen Banken schützen möchte.

Dies könnte ihm, im Verein mit jenem Gremium der Banken, welches letztlich entscheidet, ob eine Pleite eingetreten ist oder nicht (ISDA), durch den Plan gelingen. Die Banken sind ein zentraler Baustein in seiner Strategie zum Gelddrucken (mehr hier), weil die EZB selbst keine Staatsanleihen kaufen darf. Draghis Ankündigung, den Banken unbegrenzt Liquidität zur Verfügung zu stellen, könnte für die Banken der Königsweg sein, um jetzt einem Schuldenschnitt zuzustimmen. Denn mit dem Geld von der EZB kann die hochspekulative Finanzwirtschaft weiter Profite machen. Dass die Kredite an die Banken nie in der Realwirtschaft ankommen werden, ist gewissermaßen systemimmanent und wurde von Draghi mit einer Krokodils-Träne auch schon eingeräumt (hier).

Welche Alternativ-Konzepte die Bundesbanker indes vorzuweisen haben, ist unklar. Denn auch die Bundesbank kann eine Griechenland-Pleite nicht wollen, weil sie dann über das Target 2-System direkte Verluste realisieren müsste (mehr hier).

Indem die EZB nun ihre Griechen-Bonds vom Schlachtfeld entfernt, erhöht sie den Druck auf die Banken, dem freiwilligen Schuldenschnitt zuzustimmen. Für Griechenland selbst wäre die Aktion eine Art vergifteter Apfel: Die Pleite würde zwar vermieden, jedoch haben die Euro-Zonen-Länder ein Papier vorbereitet, dem zufolge die EU den Schuldendienst Griechenlands selbst in die Hand nehmen würden (mehr dazu hier). Wie die EU jedoch das weiter explodierende Defizit der Griechen (mehr hier) in den Griff bekommen will, bleibt eine offene Frage. Für Mario Draghi ist das Problem im Moment zweitrangig. Er hat schon dem windelweichen Fiskalpakt zugestimmt (hier) und setzt darauf, die europäischen Wirtschafts- und Schuldenprobleme durch weiteres Gelddrucken in den Griff zu bekommen. Wer die Rechnung am Ende bezahlt, muss hier nicht mehr gesondert erläutert werden.

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Kommentare

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  1. Stefan Wehmeier sagt:

    „Der Sparer erzeugt mehr Ware, als er selbst kauft, und der Überschuss wird von den Unternehmern mit dem Geld der Sparkassen gekauft und zu neuen Realkapitalien verarbeitet. Aber die Sparer geben das Geld nicht her ohne Zins, und die Unternehmer können keinen Zins bezahlen, wenn das, was sie bauen, nicht wenigstens den gleichen Zins einbringt, den die Sparer fordern. Wird aber eine Zeitlang an der Vermehrung der Häuser, Werkstätten, Schiffe usw. gearbeitet, so fällt naturgemäß der Zins dieser Dinge. Dann können die Unternehmer den von den Sparern geforderten Zins nicht zahlen. Das Geld bleibt in den Sparkassen liegen, und da gerade mit diesem Geld die Warenüberschüsse der Sparer gekauft werden, so fehlt für diese jetzt der Absatz, und die Preise gehen zurück. Die Krise ist da.
    Hier nun wollen die Umgestalter der Notenausgabe eingreifen. Sie sagen: warum ist die Krise ausgebrochen? Weil die Preise fielen, und die Preise fielen, weil es an Geld fehlte, d. h., weil das vorhandene Geld wegen des herabgesetzten Zinsertrages der Sachgüter nicht angeboten wurde:

    http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Content/Statistiken/Zeitreihen/WirtschaftAktuell/Schluesselindikatoren/Verbraucherpreisindex/liste__vpi,templateId=renderPrint.psml

    Gut denn, so lassen wir die Sparer und Sparkassen im Besitz des Geldes. Sie mögen das Geld verscharren. Und wir drucken neues dafür. Der Staat verfertigt Geld und liefert es den Unternehmern, wenn die Sparer und Kapitalisten es ihnen vorenthalten. Sinkt der Zins der Realkapitalien, so geht der Staat mit dem Zins auch herunter. Können die Unternehmer nur noch 3-2-1% aus den Häusern, Fabriken, Schiffen schlagen, so geben wir den Unternehmern das Geld für 3-2-1%, und wenn es sein muss, zu 0%.
    Das klingt ja gut; der Vorschlag ist einfach, und man hält ihn für verständig. Aber er klingt nur gut für den Laien. Ein geübtes Ohr vernimmt da schrille Misstöne.“

    Silvio Gesell („Die Natürliche Wirtschaftsordnung durch Freiland und Freigeld“, 1916)

    Nachdem seit einem Jahrhundert alle wesentlichen makroökonomischen Zusammenhänge vollständig geklärt sind, immer noch nichts begriffen zu haben, ist eine „Leistung“, die der „hohen Politik“ so schnell keine andere Disziplin nachmachen kann:

    http://opium-des-volkes.blogspot.com/2011/10/vollinvestition.html

  2. Korsar sagt:

    „Griechenland: EZB will Gläubiger erster Klasse bleiben. Ja, aber auf Kosten der Deutschen Bundesbank.

  3. Murksel sagt:

    Hier gibt es die Möglichkeit sich an einer Unterschriftensammlung gegen den ESM zu beteiligen.
    Initiiert worden ist dies von einem Prof. für Makroökonomie Bernd Lucke in Hamburg.
    http://www.buendnis-buergerwille.de/index.php?id=123

    Hier noch ein Abhandlung von ihm zu dem Thema ESM:

    http://www.wiso.uni-hamburg.de/fileadmin/wiso_vwl_iwk/paper/Hau_Lucke_Alternative_zum_Rettungsschirm_FAZ__16.9.11.pdf

    Wenn wir uns jetzt nicht wehren, ist es bald zu spät. Wenn dieses Teil (ESM)erst unterschrieben worden ist, gibt es kein zurück mehr.

  4. neuer sagt:

    Das ist Betrug!

    • Helmuth sagt:

      „Das ist Betrug“

      …eh klar, aber das juckt scheinbar niemanden!

      Den „Königsweg“ für die Banken unbegrenzt Geld zu erzeugen, werden die Ratingagenturen in den Staaten besonders zu „würdigen“ wissen!

  5. Zraxl sagt:

    Gibt es eigentlich irgendwo eine Aufstellung, welche Banken wieviel CDS auf Griechenland verkauft haben? Irgendwo habe ich gelesen, dass davon zu über 90% US-Banken betroffen wären. Wäre diese Information richtig, hätte nicht Europa ein Bankenproblem, sondern die USA.

  6. ass3000 sagt:

    Ja man sollte sein Erspartes langsam in Sicherheit bringen,zum Beispiel dei angesparte Lebensversicherung auszahlen lassen.Die Finanzmafia wird sich Hand in Hand mit dem Staat alles abholen.

  7. Vanessa_ sagt:

    „Die EZB plant nach verschiedenen Informationen aus Banken- und EU-Kreisen, ihre alten Griechenland-Bonds am Wochenende gegen neue Papiere einzutauschen.“

    Hierzu mal mehrere Fragen: Wie kann die EZB denn so ohne weiteres einfach etwas tauschen? Zunächst muss sie doch erst mal jemanden haben, der ihr die alten Bonds abnimmt (scheinbar mit völlig überhöhtem Risiko) und wo kommen die neuen Bonds her? Oder kann die EZB jetzt die Bonds umschreiben, wie es ihr gerade in den Sinn kommt? Wer gibt die neuen Bonds aus? Werden da einfach neue Finanzprodukte kreiert, um etwas Zeit zu gewinnen?

    Wäre nett, wenn Ihr da mal etwas genauer drauf eingehen könntet.

    MfG

    • redakteur sagt:

      Das geht (leider) sehr schnell. Es handelt sich um Papiergeld. Die Griechen müssen bloß unterschreiben. Die Redaktion

  8. Raus aus Deutschland sagt:

    Ja, ein vergiftetet Apfel.

    Die alten Schuldscheine werden gegen neue getauscht.

    Unterschied ist ABER, das die neuen Schuldscheine der Griechen dem englischen Recht unterliegen und nicht mehr wie die alten Schuldscheine griechischem Recht.

    Damit sind die Griechen in der Falle und können später nicht wieder zurück zur Drachme und die alten Schuldscheine von Euro in Drachme umtauschen.

    Die Situation wird klarer die kommenden Tage. Ebenfalls was es wirklich mit den neuen Schuldscheinen auf sich hat.

    Fällt niemandem auf:
    Auf der einen Seite sitzen alles Idioten und machen nur Unsinn und auf der anderen Seite sitzen Leute die langfristig denken und strategisch einen sehr gut ausgeklügelten Plan durch ziehen.

    Wer ist nun der Dumme?
    Wen beissen am Schluss die Hunde?
    Wer bezahlt am Schluss die Rechnung?

    Es kam die Tage ein Bericht das die Deutschen 8 oder sogar 10 Billionen Euro an Vermögen haben!
    Toll, damit könnte man am Schluss also alles bezahlen?

    Wer sonst sollte es bezahlen?

    Gut, wenn jeder für sich persönlich aus diesen Verhältnissen eine eigene Strategie entwickelt denn ändern können wir die Verhältnisse nicht aber das beste daraus für unserre Familie, ´Freunde und uns machen.

    Schon angefangen damit???

    • Zwergenmützchen sagt:

      Schon geschehen. Der `Parakratos´ ist wasserlöslich und kann fortgespült werden!

      Hier ist ein Gegenplan zum bösen Plan: http://www.deutsche-mittelstands-nachrichten.de/2012/02/38262/#comment-60821

    • claude sagt:

      die von der propaganda ins bewusstsein hineingeprügelte denkweise.

      wenn es um `s wir geht,wenn man von europa,solidarität,hohem volksvermögen spricht wird immer der kleine man ins boot geholt.
      derjenige der alles zu bezahlen hat.

      nicht die deutschen sitzen auf 8 billionen sparvermögen.
      auch hier,sowie in griechenland,der eu,selbst in den überschuldeten usa.
      dem reichsten land der welt.

      das kapital somit die macht,sitzen bei einigen wenigen,die in keinster weise etwas wie nationale interessen vertreten.
      das kapital hat keine nationalität.
      alle kämpfen,in der eu,den angezettelten kriegen usas,britanniens,israels dient in keinster weise nationalen interressen,sie dienen einzig und allein der umverteilung von denen die wenig haben,zu denen deren gier unersättlich ist.

      wann kapiert das die menschheit endlich?