Wulff: Die Rücktrittserklärung im Wortlaut

Die Erklärung von Bundespräsident Christian Wulff zu seinem Rücktritt: Er dankt allen, kritisiert die Medien eher zurückhaltend und erklärt, wer ihn nun bei den nächsten Staatsakten vertritt.

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Bundespräsident Christian Wulff tritt zurück

Bundespräsident Christian Wulff hat am 17. Februar in Schloss Bellevue eine Erklärung abgegeben:

„Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Bürgerinnen und Bürger,

gerne habe ich die Wahl zum Bundespräsidenten angenommen und mich mit ganzer Kraft dem Amt gewidmet.

Es war mir ein Herzensanliegen, den Zusammenhalt unserer Gesellschaft zu stärken. Alle sollen sich zugehörig fühlen, die hier bei uns in Deutschland leben, eine Ausbildung machen, studieren und arbeiten – ganz gleich, welche Wurzeln sie haben. Wir gestalten unsere Zukunft gemeinsam.

Ich bin davon überzeugt, dass Deutschland seine wirtschaftliche und gesellschaftliche Kraft am besten entfalten und einen guten Beitrag zur europäischen Einigung leisten kann, wenn die Integration auch nach innen gelingt.

Unser Land, die Bundesrepublik Deutschland, braucht einen Präsidenten, der sich uneingeschränkt diesen und anderen nationalen sowie den gewaltigen internationalen Herausforderungen widmen kann. Einen Präsidenten, der vom Vertrauen, nicht nur einer Mehrheit, sondern einer breiten Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger getragen wird. Die Entwicklung der vergangenen Tage und Wochen hat gezeigt, dass dieses Vertrauen und damit meine Wirkungsmöglichkeiten nachhaltig beeinträchtigt sind. Aus diesem Grund ist es mir nicht mehr möglich, das Amt des Bundespräsidenten nach innen und nach außen so wahrzunehmen, wie es notwendig ist.

Ich trete deshalb heute vom Amt des Bundespräsidenten zurück, um den Weg zügig für die Nachfolge frei zu machen.

Bundesratspräsident Horst Seehofer wird die Vertretung übernehmen. Bundeskanzlerin Angela Merkel wird auf der wichtigen Gedenkveranstaltung für die Opfer rechtsextremistischer Gewalt am Donnerstag der kommenden Woche sprechen.

Was die anstehende rechtliche Klärung angeht, bin ich davon überzeugt, dass sie zu einer vollständigen Entlastung führen wird. Ich habe mich in meinen Ämtern stets rechtlich korrekt verhalten. Ich habe Fehler gemacht, aber ich war immer aufrichtig. Die Berichterstattungen, die wir in den vergangenen zwei Monaten erlebt haben, haben meine Frau und mich verletzt.

Ich danke den Bürgerinnen und Bürgern, die sich für unser Land engagieren. Ich danke den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Bundespräsidialamt und anderen Behörden, die ich als exzellente Teams erlebt habe.

Ich danke meiner Familie. Vor allem danke ich meiner Frau, die ich als eine überzeugende Repräsentantin eines menschlichen und modernen Deutschlands wahrgenommen habe. Sie hat mir immer, gerade in den vergangenen Monaten und den Kindern starken Rückhalt gegeben.

Ich wünsche unserem Land von ganzem Herzen eine politische Kultur, in der die Menschen die Demokratie als unendlich wertvoll erkennen und vor allem, das ist mir das Wichtigste, sich gerne für die Demokratie engagiert einsetzen.

Ich wünsche allen Bürgerinnen und Bürger, denen ich mich vor allem verantwortlich fühle, eine gute Zukunft.“

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Kommentare

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  1. donnermariaundjosef sagt:

    der Steuerzahler zahlt für Alles, wer denn sonst?
    Ach ja, der Rentner, der zahlt auch! Weil, was derzeit in GR, S, etc. an Rentenkürzungen vorgenommen wird, kommt bei uns auch. Die aktuelle Krise beflügelt die Einheitsrente durch Kappungsgrenze, genauso die Krankenversicherung etc., übrig bleibt das Bürgergeld auf gerade mal Überlebensniveau. Bis dahin wird dann auch das Bargeld abgschafft und die Wirtsschaft gestrafft, indem kleine und mittelständische Unternehmen über die Wupper gehen. Die übrig bleibenden Großen teilen den Markt unter sich auf und schöpfen das Bürgergeld zu 100% zuzüglich Zinsen ab. Das Ganze kriegt dann den Titel sozioökonomische Staatswesenkonfiguration und läuft auf eine Bevölkerungsverarmung mit einhergehender -reduzierung einher. Die Überreste gehen dann in die biolgischenergetische Verwertung um ausreichend Strom für die Reichen zu produzieren. Ach ja, wer den Film “Aufstand der Alten, D im Jahr 2029″ noch nicht kennt, sollte mal danach guugeln.

  2. rundertischdgf sagt:

    Wie meinte doch Hintze im Nachruf, keiner hat die Willkommenskultur so so repräsentiert wie Wulff. Kommt jetzt die Wohlfühlkultur?

    http://rundertischdgf.wordpress.com/2012/02/17/neuer-bundesprasident-halt-eine-ruckrede-auf-dem-politischen-aschermittwoch/

  3. rheinland sagt:

    wenn man etwas zwischen den Zeilen lesen möchte, so ist es wohl Thema Integration.
    Es ist schon interessant, dass er die inhaltliche Erklärung seines Rücktritts mit einem Integrationsstatement beginnt. Also wenn er uns wirklich etwas zwischen den Zeilen mitteilen wollte dann, dass es im Hintergrund wohl doch um die Isalm- und Integrationsdebatte ging. Ich kann im Wortlaut leider nur sehr schwache andere Bezüge entdecken und zum Euro offen gesagt keinen.

  4. Murksel sagt:

    Lieber Redakteur,

    da bin ich jetzt aber überrascht.
    Habe ich doch vor ca. 1 1/2 Stunden auf NDR-Info (immerhine MSM) gehört, Wulff habe sich den Seitenhieb nicht verkneifen können darauf hinzuweisen, dass er den Ankauf von Staatsanleihen durch die EZB für rechtlich sehr bedenklich hält.
    Bei dem nächsten Nachrichtenblock war diese Aussage allerdings bei NDR Info auch verschwunden. Da hat wohl jemand interveniert.
    Das dieser Passus in dem Wortlaut der Rede fehlt erstaunt mich dann doch sehr.

    Wie auch immer:
    Ich habe das Gefühl dass man zwischen den Zeilen lesen kann, dass er uns etwas mit auf den Weg geben will. Allerdings hätte ich mehr Courage durch mehr Deutlichkeit gewünscht. Aber wahrscheinlich steht die Drohung im Raum wenn er
    nicht pariert wird weiter gegen ihn ermittelt , oder so ähnlich.
    Zitat:
    Ich wünsche unserem Land von ganzem Herzen eine politische Kultur, in der die Menschen die Demokratie als unendlich wertvoll erkennen und vor allem, das ist mir das Wichtigste, sich gerne für die Demokratie engagiert einsetzen.
    Zitat ende

    • Korsar sagt:

      Ich kenne nur einen Kandidaten für das Präsidentenamt, der die Bildung und Grundlagen für die Zukunft hat. Das ist der Prof. Paul Kirchhof. Der Mann lässt sich nichts erzählen, der erzählt, aber der richtigen Zielgruppe.

  5. Observer sagt:

    Für die nächsten Tage sollte man sich Überbrückungsweise um was anderes kümmern als um Medien und das gilt wohl für ALLE Medien!

    Es war schon unerträglich all die Monate, doch anstatt nun eine kurze Meldung zu bringen über den Rücktritt und dann wieder wirkliche Themen in den Focus zu nehmen, lesen wir, auch hier, zig Artikel zu immer diesem Thema, das allen schon längst zum Hals heraus hängt! Zu begreifen ist das alles nicht mehr und die Frage stellt sich, wieso dieser völlig unangemessene Rummel?

    • Fred Kirchheimer sagt:

      Observer,

      Sie werden sehen, daß nächste Woche die ersten Artikel erscheinen werden in denen auf die Tränendrüse gedrückt wird. Vereinzelt wird man dann ganz zarte Ansätze von Selbstkritik finden. In den üblichen Quataschsendungen, zumeist bezahlt vom GEZ-Zwangsgeld, wird man dann nochmals auf die Gefährdung der Pressefreiheit (Sag was du willst, ohne dafür belangt werden zu können) hinweisen.
      Tja, dann könnte eigentlich nächste Woche ein große Kampagne gegen Presserabatte gestartet werden. Ich freue mich schon darauf zu erfahren, wieso Presserabatt keine Vorteilsnahme darstellt.

  6. Cuzco sagt:

    „Ich wünsche unserem Land von ganzem Herzen eine politische Kultur, in der die Menschen die Demokratie als unendlich wertvoll erkennen und vor allem, das ist mir das Wichtigste, sich gerne für die Demokratie engagiert einsetzen.“

    Auch an dieser Stelle noch einmal: Auf diesem Satz sollte das Hauptaugenmerk sitzen!

    Meines Erachtens nach, möchte der ehemalige Bundespräsident mit diesem diplomatisch umschriebenen Wortlaut der deutschen Bevölkerung die Augen öffnen, sie mögen die (sehr begrenzt vorhandene) Demokratie hinterfragen und dann tatkräftig zu handeln anfangen.

    Ich hoffe doch, dass VIELE sich diese Worte zu Herzen nehmen und danach handeln werden!

    • Brainsworld sagt:

      Hätte man, wenn man gewollt hätte, auch etwas gewaltiger ausdrücken können, so bleibts ein mickriger Satz ohne Wiederhall.

    • Munnie sagt:

      Dem kann ich nur zustimmen.
      Ich denke, er hat mit den letzten beiden Sätzen indirekt das Volk aufgefordert, sich mehr mit der Demokratie zu befassen, weil diese massiv in Gefahr ist.
      Noch klarer konnte er es sicherlich nicht ausdrücken.

      Nun bin ich noch überzeugter davon, dass er wegen der Weigerung, das ESM-Gesetz zu unterschreiben, oder anderer undemokratischer Handlungen, gehen musste. Warum hätte er sonst in seine Abschiedsrede solche Aufforderungen an das Volk gerichtet. Er hätte keinen Grund dazu gehabt, wenn die Demokratie in Deutschland nicht tatsächlich gefährdet ist.

      • Observer sagt:

        Die Demokratie ist nicht gefährdet, sie existiert schlichtweg nicht, oder kann jemand nennen, was kann in den letzten Jahren als demokratische bezeichnet werden kann?
        Bin gespannt auf die Liste der Aufzählungen darüber!

    • Marlene sagt:

      Ich habe schon gedacht, es erkennt niemand, was dahintersteckt.

      Seehofer, der ja auch ein Referendum über den Euro ins Gespräch brachte, ist jetzt auch für 30 Tage ruhiggestellt.