UBS: Schuldenschnitt kann Griechenland nicht retten

Nach Ansicht von Analysten der Schweizer UBS kann der bevorstehende Schuldenschnitt für Griechenland das Land nicht „retten“. Die Ungleichgewichte zwischen Haushaltsdefizit und Wettbewerbsfähigkeit sind zu groß. Sie erwarten schon bald einen weiteren Haircut.

In einer Analyse haben sich mehrere UBS-Experten intensiver mit dem freiwilligen Schuldenschnitt (PSI) für Griechenland auseinandergesetzt. „Wir sehen nicht, dass der PSI Griechenland retten wird“, heißt es darin. „Die Ungleichgewichte sind zu groß, um durch irgendeine Umschuldung gelöst zu werden.“ Diese großen kaum in Einklang zu bringenden Gräben zeigen sich beispielsweise beim „Haushaltsdefizit, den außenwirtschaftlichen Ungleichgewichten und der internationalen Wettbewerbsfähigkeit, um nur ein paar zu nennen.“

Zudem rechnen die UBS-Experten damit, dass der vorgesehene Schuldenschnitt kein freiwilliger sein wird. „Wir sind der Ansicht, dass ein freiwilliger Schuldenschnitt kaum zu einer Beteiligungsrate führen wird, die hoch genug ist, um den IWF“ von seiner Wirksamkeit zu überzeugen. Insofern ist ihrer Meinung nach ist eine zwangsweise Umschuldung (Collective Action Clause, CAC) notwendig (dagegen werden die Hedge-Fonds mit guten Erfolgsaussichten klagen – hier). Diese würde die CDS (Credit Default Swaps) auslösen.

Der Rettungsplan setze ein zu ehrgeiziges Ziel, das teilweise auch ein Wirtschaftswachstum voraussetzt. Nach diesem Plan müsste „Griechenland sein Defizit nahezu halbieren: von 4,7 Prozent auf 9 Prozent im Jahr 2012.“ Der PSI, so die UBS, könnte 2012 die Zinszahlung des Landes um 1,7 Prozent des BIP reduzieren, was noch immer „eine zusätzliche Korrektur von 2,6 Prozent erforderlich“ machen würde. Zumal Griechenland sein Defizit 2014 von 3,9 auf 1,4 Prozent noch einmal reduzieren müsste. Und „all dies soll inmitten der schlimmsten Rezession seit der Kriegszeit, inmitten eines zersplitterten politischen Systems und sozialen Spannungen passieren“ (wir haben erst den Anfang gesehen – hier). Ohne Anzeichen von wirtschaftlicher Anpassung und angesichts der Flucht von Investitionen und weiterer Sparmaßnahmen, „halten wir das für äußerst unwahrscheinlich“, heißt es in der Analyse.

Selbst wenn es dem Land tatsächlich gelingen sollte, sein Defizit bis 2020 auf 120 Prozent des BIP zu reduzieren und Zinsausgaben von vier Prozent des BIP zu erreichen, sei die „Tragfähigkeit der Schuldensituation auf lange Sicht noch immer zweifelhaft.“ Der PSI könnte Griechenland lediglich stabilisieren, weil er die Bestände griechische Schulden reduziert. Außerdem verringert er durch die Rekapitalisierung griechischer Banken das Risiko, „das das Finanzsystem implodiert“.

So könnte er den Weg in das Finanzierungsprogramm des IWF ebnen, aber das werde nicht ausreichen, um Griechenland aus der Krise zu ziehen. „Wir denken, dass eine hohe Wahrscheinlichkeit besteht, in naher Zukunft PSI-2 Verhandlungen zu beginnen. Ein zweiter Schuldenschnitt für Griechenland.

Kommentare

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  1. Realist sagt:

    “Schuldenschnitt kann Griechenland nicht retten”

    War und ist auch nie das Ziel, dies zu tun!
    Es geht nicht um Griechenland und es ging nie um Griechenland! Griechenland ist nur die Plattform, auf der diese ganze kriminelle Orgie stattfindet!

  2. rundertischdgf sagt:

    Wird solange geschnitten bis Griechenland gar keine Schulden mehr hat?

    http://rundertischdgf.wordpress.com/2012/02/19/schuldenschnitt-fur-griechenland/