Griechische Gewerkschaften rufen zu Protesten am Sonntag auf

Die griechische Regierung hat nach Aussage von Premier Papademos am Samstag die geforderten 325 Millionen Euro gefunden, die sie nach Vorgaben der EU zusätzlich einsparen muss. Die Gewerkschaften haben daraufhin alle Arbeitnehmer aufgerufen, am Sonntag wieder zu Protesten auf die Straße zu gehen. Privaten Arbeitnehmern drohen Lohnverluste von bis zu 50%.

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Der griechische Premier Lucas Papademos hat am Samstag bekanntgegeben, dass die griechische Regierung die von der EU geforderten zusätzlichen 325 Millionen Euro an Einsparungspotenzial gefunden habe. Der Großteil der neuen Einsparungen soll durch Rentenkürzungen kommen. Renten über 1.500 Euro sollen um 20% gekürzt werden. Papademos sagte in Athen, dass die Einsparungen dramatischer klingen, als sie tatsächlich seine. Ein Rentner mit 1.500 Euro werde nur mit 24 Euro pro Monat belastet.

Außerdem hat die Regierung in Athen die Vorbereitungen für die Umschuldung vorangetrieben. Nachdem die EZB ihre Griechen-Bonds bereits umgeschrieben hat (hier), sollen die privaten Gläubiger in der ab dem 8. März die Möglichkeit zum Umtausch erhalten. Außerdem soll kommende Woche das Gesetz zur Zwangsumschuldung (CAC) beschlossen werden.

Die größten griechischen Gewerkschaften ADEDY und GSEE wollen sich mit den neuen Einschnitten nicht abfinden. Sie haben alle Arbeiter aufgefordert, am Sonntag erneut auf dem Syntagma-Platz zu erscheinen, um gegen die Sparmaßnahmen zu protestieren. Dort war es am vergangenen Wochenende zu schweren Ausschreitungen gekommen (hier).

Für die Gewerkschaften geht es in dem Konflikt auch um eine grundsätzliche Frage: Die neuen Programme sehen eine dramatische Beschneidung ihrer Macht vor. Künftig sollen die Löhne nicht mehr über Tarifverhandlungen bestimmt werden, sondern in direkten Gesprächen zwischen den einzelnen Arbeitnehmern und Arbeitgebern. Dagegen hatten sich sogar die Arbeitgeber bereits ausgesprochen (mehr hier).

Die Zeitung To Vima hat unterdessen errechnet, dass die Sparmaßnahmen Arbeitnehmer Lohnkürzungen von bis zu 50% bescheren werden (mehr hier/griechisch oder hier/deutsch). Die Mindestlöhne für junge Arbeitnehmer werden demnach sogar um 32% gekürzt.

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  1. Inbrevi sagt:

    Zu ### 20.02.12 17:13 –// Mann, oh Mann, nachdem was Sie hier von sich geben,
    scheinen Sie eine “veläßliche” Stütze dieses verbrecherischen Systems zu sein!!!
    Wie kann man z.B. argumentieren>> Deutschland wäre so beliebt, weil die Menschen statt in die Türkei zu ziehen lieber diese BRD überfluten und ausnehmen!

  2. Inbrevi sagt:

    Zu Livius –// tja, warum wohl? Auch hier bewahrheitet sich wieder was “Vorausdenkende” schon immer wußten:”Die beste Zeit, ein Problem anzupacken, ist die Zeit vor seiner Entstehung!”
    in der heutigen hedonistisch geprägten “Spaßgesellschaft” in der ganz bewußt das “Realitätsprinzip” (um die selbstzerstörerische (Selbst-) Befriedigung zu vermeiden) kastriert bzw. verdrängt wird, reagiert man lieber alternativlos mit “Selbstaufgabe!”