Monti macht Druck: Nächste Griechenland-Tranche soll am Montag gewährt werden

Mario Monti will die Euro-Finanzminister dazu bringen, die nächste Griechenland-Tranche bereits am Montag zu beschließen und damit nicht erst auf einen Beschluss beim nächsten EU-Gipfel warten. Angela Merkel, die von der Affäre Wulff zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt abgelenkt wird, scheint nicht abgeneigt, dem Drängen Montis nachzugeben. Damit könnte das Financial Engineering der Goldman Sachs-Fraktion für Europa weiter an Fahrt gewinnen.

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In der europäischen Staatsschuldenkrise scheint die Goldman Sachs-Fraktion immer mehr das Heft des Handelns in die Hand zu nehmen. Die EZB hat am Freitag ohne große Vorwarnung offenbar bereits sämtliche griechischen Staatsanleihen in neue Bonds umgetauscht. Mario Draghi will damit verhindern, dass die EZB bei einem Schuldenschnitt herangezogen werden könnte (hier). Dies deshalb, weil die EZB ihre Bilanz schonen will, damit sie europäischen Banken weiter mit Krediten versorgen kann (hier).

Draghi kennt sich mit Timing aus. Er war bei Goldman zur jener Zeit für Risiko-Management zuständig war, als Griechenland einen umstrittenen Derivaten-Handel durchführte, der Griechenland half, das wahre Defizit zu verschleiern. Goldman machte damals einen guten Schnitt, indem sie ihre Zwischenfinanzierung an die griechische Nationalbank weiterreichten. Nationalbank-Präsident in Athen war damals ein gewisser Lucas Papademos, heute technokratischer Regierungschef in Athen. Wie die Website ECB-Watch berichtet, ist die Rolle Draghis bei diesen umstrittenen Geschäften bis heute nicht aufgeklärt (mehr dazu hier auf ECB Watch/englisch).

Mario Monti war ebenfalls bei Goldman tätig und ist im aktuell verfügbaren Jahresbericht immer noch als Berater geführt (mehr hier).

Beide verstehen viel vom diskreten Charme der Finanzgeschäfte. Und es hat den Anschein, als wäre die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel diesem Charme gerade in der aktuellen Staatsschuldenkrise ein wenig erlegen. Am vergangenen Freitag, als Merkel eigentlich zu Monti nach Rom reisen sollte, durch den Wulff-Rücktritt jedoch etwas abgelenkt war und in Berlin innenpolitisches Krisenmanagement betreiben musste, nutzte Monti den Vielfronten-Stress der Kanzlerin offenbar, um das Thema Griechenland voranzutreiben. Er schlug kurzerhand vor, dass Lucas Papademos auch an der Telefonkonferenz mit Merkel teilnehmen sollte, um sie von der Sparerfolgen der Griechen zu überzeugen. Einem Bericht der Zeitung Kathimerini zufolge drängte Monti die Kanzlerin auch dazu, die Entscheidung über die nächste Griechenland-Tranche nicht weiter zu verschieben. Eigentlich sollten darüber die Regierungschefs Anfang März entscheiden. Monti, der selbst gleichzeitig Regierungschef und Finanzminister ist, sagte jedoch, dass die endgültige Entscheidung schon besser am Montag getroffen werden solle – von den Finanzministern der Euro-Staaten.

Papademos erhielt in dem Telefonat von Merkel die Versicherung, dass sie keine Staatspleite Griechenlands wolle. Sie soll Papademos gesagt haben, dass sie den Schuldenschnitt und die Auszahlung der nächsten Tranche befürworte. Papademos versuchte am Freitag auch, beim niederländischen Regierungschef Mark Rutte gut Wetter für den Bailout zu machen. Die Niederländer hatten in den vergangenen Wochen neben den Deutschen die lautesten Bedenken gegen weitere Zahlungen an Griechenland geäußert (hier).

Beobachter haben in den vergangenen Monaten eine neue Balance in der europäischen Führungsriege festgestellt. Mario Monti ist dabei aufgrund seines eloquenten Auftretens zu einer Art informeller Führungsfigur geworden. Er lobte in einem Interview für das italienische Fernsehen Angela Merkel als „pragmatisch und verlässlich“ – Eigenschaften, die im Investment-Banking als höchste Tugenden gelten.

Sein Bestreben, das Thema Griechenland von Tisch zu bekommen, steht in engem Zusammenhang mit seinem Wunsch einer umfassenden europäischen Wirtschaftsunion, die sich dann auch in Eurobonds ausdrücken solle. Monti hatte, von der europäischen Öffentlichkeit weitgehend unbeobachtet, die Einführung von Eurobonds bereits im Dezember angekündigt (hier).

Der Sturz von Christian Wulff kommt in diesem Zusammenhang für Merkel zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt: Sie muss stundenlange Sitzungen abhalten für eine Position, die realpolitisch ganz und gar ohne Bedeutung ist. Weil aber die Position des Bundespräsidenten in der deutschen Innenpolitik hohen Symbolwert besitzt, kann Merkel das Thema nicht einfach delegieren oder gar das Feld der Opposition überlassen.

So hat es den Anschein, dass Merkel ganz froh ist, dass sich nun Männer mit tadellosen Manieren und hervorragender Kenntnis in Geldgeschäften wie Draghi und Monti um die Zukunft Europas kümmern. Denn eigentlich würde die Komplexität und Tragweite der anstehenden europäischen Finanzproblem die ungeteilte Aufmerksamkeit der Kanzlerin erfordern. Allein das Lesen und Verstehen der verschiedenen kursierenden Dokumente und Entwürfe ist eine extrem zeitraubende Angelegenheit, bei der sich die Regierenden eigentlich nicht auf Berater verlassen sollten – diese vertreten schließlich eigene Interessen. Die Interesse etwa des deutschen Volkes sollten dagegen von der deutschen Regierung  vertreten werden, weil sie gewählt ist und am Ende auch zur Verantwortung gezogen werden wird.

Weil andererseits auch Nicolas Sarkozy nun auch offiziell in den französischen Wahlkampf eingestiegen ist, eröffnet sich für die Goldman-Fraktion nun ein weites Betätigungsfeld. Sie werden versuchen, den Konturen der europäischen Schulden Finanzarchitektur ihren Stempel aufzudrücken.

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  1. heide preiss sagt:

    bitte verbreitet den folgenden link GRIECHENLAND IM FREIEN FALL und lest ALLE seiten durch:

    http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/griechenland-im-freien-fall-1.1288560-5

    stellt euch vor, daß es uns sehr bald auch so gehen kann. laßt uns überlegen, was wir gegen dieses fürchterliche leid tun können.

    WIE KOMMT MAN AN DIE KINDERDÖRFER RAN, WIE KANN MAN DAFÜR SORGEN, DASS GELD- UND SACHSPENDEN TATSÄCHLICH DORT ANKOMMEN?

    ideen bitte hier.

  2. Munnie sagt:

    Ganz aktuell, hier viele bekannte Stimmen, die die jetzige Situation analysieren:

    Sonderpublikation Währungsreform und neue Geldsysteme KW 7/2012

    http://www.godmode-trader.de/service/downloads

  3. kneipier sagt:

    Der beste Beweis für die Verlogenheit und Volksverdummung wurde uns Gestern und Heute von den qualitätsfreien Meden geliefert:

    Über die Euro- Konferenz in Berlin (Bürger gegen den Euro- Wahn) wurde NICHTS berichtet!!! Nirgendwo!!!

    Ausserdem hat es den Anschein, daß Merkel genau wie Draghi und Monti, Papademos u.a. nicht nur deren “Ansichten” teilt, sondern von deren Brötchengebern schon lange personell vereinnahmt wurde. Quasi an der Leine von Goldman- Sachs, der FED bis hin zu Staaten.

    Zu gerne möchte ich wissen, was in einer “Rebecca-Loge” alles so an Aufträgen für die Mitglieder erteilt wird….

    • Sakrihittn sagt:

      Wenn du es wüsstes und es beweissen könntest wärst du wahrscheinlich nicht mehr hier….sie wissen dass das Volk nie zusammen halten wird!

  4. ### sagt:

    Kamen die gefälschten 6.000 Ein-Milliarden-Dollar-Anleihen am Ende aus Griechenland? Ich will’s nicht hoffen…

  5. spion und spion sagt:

    Joachim Gauck soll Bundespräsident werden, darauf hat sich die Kaste gerade geeinigt.
    Gab es in der DDR sowas wie Schamgefühle?
    Merkel ist nichts peinlich und wir müssen uns dauernd fremdschämen.
    Dabei ist das Amt total absurd geworden in einem Land, das nur noch herumzankt und überstaatlich regiert wird.
    Auch bei einer Direktwahl würden uns die EU-Blockparteien bloß ihre Wurmfortsätze vorwerfen und erwarten, daß wir uns drum beißen wie die Hundemeute um den abgenagten Knochen.
    Deshalb lehne ich die ebenfalls ab.

    Der Bundespräsident hat sich überlebt wie die Alchimie, weil er nach Sachlage das Land gar nicht vereinigen kann, sondern spalten muß.
    Der ist bloß eine Art Ersatzmoses, der das dumme Volk mit billigen Parolen 40 Jahre durch die Wüste führt, bis wir alle im Sand stecken bleiben und verdursten.

    Gauck wird zwar den besserem Mimem für den Staatsmann hergeben, aber genauso hohl daher kommen wie der Laiendarsteller Wulff.
    Wenn sich die pseudowichtige Heuchelei um seine Person gelegt hat, singt er uns doch nur die Loblieder auf die Eurokratie, den Rettungschirm, den Islam und die Alternativlosigkeit.

    Mein Vorschlag wäre Pinocchio gewesen.
    Der hätte sich besser eingepaßt in die Brüsseler Puppenkiste.

  6. Der einfältige Einsiedler sagt:

    …in meiner einfältigen Einsiedlerei vergaß ich hinzuzufügen, : das r, in erba(r)me, verzeihen sie bitte, meiner einfältigkeit…