Griechenland: Euro-Zone will fehlende Milliarden von den Zentralbanken

Der Umfang des möglichen Rettungspaketes für Griechenland ist nach Meinung der Finanzminister der Eurozone noch immer zu groß. Mit einer Beteiligung der nationalen Zentralbanken würden sich die Kosten für das Rettungspaket verringern.

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Noch kurz vor dem Eurogruppen-Treffen suchen die Regierungen der Eurozone nach einer Möglichkeit, die nationalen Zentralbanken noch stärker an der Umschuldung Griechenlands zu beteiligen. Das derzeit auf 170 Milliarden Euro geschätzte zweite Rettungspaket soll gedrückt werden.

Die FT berichtet, dass Griechenland 136 Milliarden Euro allein an frischem Geld benötigt. Geld, das von der Europäischen Union und dem IWF kommen soll. 34 Milliarden Euro sind noch vom ersten Rettungspaket übrig. Das sind jedoch 6 Milliarden Euro mehr, als ursprünglich von den EU-Regierungschefs im Oktober festgelegt (insgesamt werden noch mehr Hilfen benötigt – hier). Vor allem Deutschland, die Niederlande und Finnland wehrten sich damals gegen einen höheren Betrag als 130 Milliarden Euro.

In dem insgesamt 170 Milliarden Euro großem Rettungspaket sind auch die 35,5 Milliarden Euro enthalten, die für den Schuldenschnitt benötigt werden. 30 Milliarden sollen als Ausgleich für den Haircut direkt in Bar oder als neue Bonds an die privaten Gläubiger gehen. Die restlichen 5,5 Milliarden Euro sind Zinszahlungen, die bereits fällig geworden sind.

Entsprechend werde derzeit noch diskutiert, ob die nationalen Zentralbanken der Eurozone sich am Schuldenschnitt beteiligen könnten, so ein leitender Beamter. Würden ihre Bestände von griechischen Anleihen mit in den Schuldenschnitt einfließen (die EZB beteiligte sich bereits durch einen Umtausch ihrer Bonds – hier) würde dies das Defizit Griechenlands reduzieren und folglich auch die Größe des Rettungspaketes. Die Diskussionen darüber, ob die privaten Gläubiger einen noch tieferen Schuldenschnitt mittragen sollten, gehen Reuters zufolge ebenfalls weiter (einige rechnen bereits mit einem zweiten Haircut – hier). Der Schuldenschnitt könnte wie die Entscheidung über das zweite Rettungspaket auch am Montag in Brüssel erreicht werden, so die FT mit Verweis auf hochrangige Beamte.

Sorgen bereitet den Finanzministern vor allem noch der Beitrag des IWF zur Lösung des Griechenland-Problems. Dieser fällt mit 13 Milliarden Euro deutlich geringer aus als beim ersten Griechenlandpaket und den Rettungspaketen für Irland und Portugal. Dies ist besonders auf den Druck aus den USA und den Schwellenländern zurückzuführen, die darauf verweisen, dass Griechenland schon viel mehr geliehen hätte, als es selbst zum IWF beiträgt, so die FT.

Der griechische Finanzminister Evangelos Venizelos ist indes wieder zuversichtlich. „Wir erwarten heute das Ende der langen Ungewissheit, die weder im Interesse der griechische Wirtschaft noch der Euro-Zone als Ganzes war „, hieß es in einer Erklärung des Finanzministeriums. „Das griechische Volk sandte Europa die Nachricht, dass sie es geschafft haben und die notwendigen Opfer für unser Land erbracht haben“.

Unterstützung bekam er vom französischen Finanzminister Francois Baroin. „Ich denke, wir sollen berücksichtigen, was in den letzten Wochen von der griechischen Regierung getan wurde“, sagte Francois Baroin dem Radiosender Europe 1. Griechenland könne nicht länger warten, es müsse seine Schulden bezahlen, um nicht Konkurs zu gehen. Genau das hätte Frankreich in den vergangenen 18 Monaten versucht, zu vermeiden. Und auch der italienische Premier Mario Monti forderte eine Lösung bis Montag (hier). Die österreichische Finanzministerin sprach sich indes für ein Treuhandkonto für Griechenland aus (Frankreich und Deutschland hatten dies ins Gespräch gebracht – hier).

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Kommentare

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  1. luther sagt:

    das Papiergeld geht nicht an die Griechen, sondern an die Banken, die sich mit GR Staatsanleihen verzockt haben. Das Schicksal der Griechen ist den Monstern der EUDSSR völlig wurscht. Ausgenommen die griechischen Milliardäre wie der Busenfreund des Barosso, der Inhaber der GR Eurobank, ein gewisser Lapsidis. Nicht umsonst darf der Barosso seine gesponserten Urlaube auf dessen Yacht verbringen. Als Maoist aD hat man da einen Aufholbedarf. Eine goldene Epoche für die Abzocker, ein Desaster für die Opfer und die Zahler.

  2. Werner sagt:

    Das ist erst der Anfang ! Rumänien, andere Balkanstaaten, Ungarn etc. stehen bereits vor der Tür. Alle arm wie die Kirchenmäuse. Mit Italien haben wie die Mafia schon drin. Die haben mit sowas Erfahrung. Müssen halt ’n paar dran glauben.

  3. Margrit Steer sagt:

    So lange unsere Gewerkschaften mitmachen bei der Deutschland-Vernichtung, anstatt die Massen mal zu bewegen und zu Mio auf die Straße zu gehen, wird sich hier nichts rühren

    • Sozialkritiker sagt:

      Yep, man müsste frühzeitig auf die Straße gehen. Nicht erst wenn es zu spät ist.

      Vielleicht wird’s im Frühjahr was, wenn die Leute keine Arbeit haben und das Wetter draußen angenehm genug ist? Vielleicht kann sich der Michel dann von seinem Hartz-V Sofa aufmachen?

      Aber warum sollte er eigentlich?

      Es muß wohl noch schlimmer kommen…

    • Anna1950 sagt:

      Vollkommen richtig!
      Ich kann gar nicht verstehen, warum die Deutschen glauben, ihr Hintern wird schon nicht brennen!
      In unserer Geschichte ist doch aus falschem Vertrauen heraus, genug passiert! Nur damals gab es kein Internet, es gab kaum Informationen.
      Heute wird das Internet von der Masse genutzt , um sich über Flugreisen zu informieren!
      Die politisch Verantwortlichen kommen ihrer Aufklärungspflicht nicht nach!
      Auch ARD und ZDF nicht!
      Das angestrebte Europa entwickelt sich zum Sprengsatz!
      Jede blinde Folgschaft ist von Übel!

  4. Margrit Steer sagt:

    Wir Steuerzahler werden sicherlich von diesem Schäuble und dieser Merkel zur Kasse gebeten.
    Aber welche Steuer kann man noch erhöhren, ohne dass es zu sehr nach reiner Steuerhöhung aussieht?
    Ich hätte da ein paar Vorschläge:
    Eine Gehweg-Benutzungs-Gebühr
    Eine Atemluftgebühr
    Eine Hundesteuer für alle Haushalte auch wenn man keinen Hund hat, also analog zur GEZ-Gebühr, die ja nun auch alle zahlen müssen, auch Blinde und Taube
    Dann wäre noch eine Wohnraumgebühr zu erwägen, da wir ja in unserem Wohnungen auch atmen.
    Wäre doch was, oder? Müte doch der Merkel und dem Schäuble gut gefallen

  5. Murksel sagt:

    @ Dagmar

    Ich zitiere:
    Und wir werden auch in 20 Jahren noch jährlich wiederkehrende Milliardenpakete nach Griechenland schaufeln müssen.

    Gestatten Sie mit bitte eine kleine Korrektur:

    Und wir werden auch in 20 Jahren noch jährlich wiederkehrende Milliardenpakete an die Banken über Griechenland schaufeln müssen.

    Anmerkung:
    wenn man Schulden mit Schulden bekämpft freuen sich nur und ausschließlich die Banken. Und das ist nur möglich weil dieser Politikerabschaum das zuläßt !!

  6. paloma sagt:

    hallo liebe leute.schaut euch die aktienkurse an.
    jetzt verstehe ich wie die wirtschaft funktioniert.

    millionen menschen in die armut treiben == steigende börsenkurse.

    das ist zauberformel.so gehts.

    • Margrit Steer sagt:

      Das ist wie in der Wirtschft.
      Enläßt ein Betrieb mal eben 100 Leute, steigt der Aktienkurs der Firma

  7. ErdGeist sagt:

    Ich habe Freunde in Griechenland, den geht es wirklich dreckig – obwohl immer feißig gearbeitet und nix verbrochen.
    Die Menschen können nichts dafür. Schuld ist das kranke System.

    Wenn man bedenkt, dasS auch wir Pleite sind, müßte man sagen: WIR SIND ALLE GRIECHENLAND !!!

    • Sakrihittn sagt:

      Stimmt! Einerseits das System das Weltfinanzsystem aber nicht zu vergessen die Steuerhinterziehung!!!! Ich glaube viele Leute können sich nicht vorstellen wieviel da hinterzogen wurde, da ist Deutschland im Vergleich proporzionell ein Säugling. Dafür können sie aber und wie! Auch spanien und Italien liegen da Lichtsterne voraus.