EZB überlässt Kauf von Bonds komplett den Banken

Nach mehr als einem halben Jahr kaufte die EZB in der vergangenen Woche erstmals keine Staatsanleihen. Durch die Kreditschwemme aus dem Dezember sei noch genug Geld im Markt. Mario Draghi will die Banken weiter unbegrenzt versorgen.

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Die Europäische Zentralbank hat in der vergangenen Woche das erste Mal seit August 2011 keine Staatsanleihen am Sekundärmarkt gekauft. Um die Zinsen für Staatsanleihen zu stabilisieren, hatte die EZB in diesem Zeitraum Staatsanleihen im Wert von über 145 Milliarden Euro gekauft.

Dabei ging es vor allem darum, die Zinsen für italienische und spanische Staatsanleihen niedrig zu halten, um eine Ansteckung der beiden Länder zu verhindern. Aber auch andere Länder profitierten wesentlich von den Interventionen der EZB am Anleihenmarkt (mehr hier). Nun haben sich die Renditen für Staatsanleihen von Italien und Spanien bei 5,4 und 5,1 Prozent eingependelt.

Dafür dürften auch die Kredite von 489 Milliarden Euro verantwortlich sein, welche die EZB den Banken im Dezember gewährte (mehr hier). Dadurch entsteht hingegen ein neues Problem: Die Banken sind bei der EZB massiv verschuldet (mehr hier).

Beobachter werfen der EZB inzwischen vor, mit der exzessiven Liquiditätspolitik den Banken mehr zu dienen als der Allgemeinheit. Die Hauptprofiteure sind die Banken (mehr hier).

Der Präsident der EZB, Mario Draghi, zeigte sich dennoch bereit, weitere Kredite an Banken zu vergeben, um so seinen Teil zur Eurorettung beizutragen und die Lage auf den Anleihenmärkten zu entschärfen.

Wenn die Schuldenkrise auf diesem Wege gelöst werden soll, ist dies auch nötig. Credit Suisse schätzt, dass dafür bis zu 10 Billionen Dollar nötig sein könnten (mehr hier). Schon in den nächsten Wochen könnte es soweit sein. Neue Tender wurden bereits angekündigt.

Den direkten Kauf von Staatsanleihen am Sekundärmarkt scheut Draghi spätestens seit die Gefahr eines Schuldenschnitts auch die EZB betreffen könnte. Dies versucht er mit allen Mitteln zu verhindern (und riskiert damit auch Streit innerhalb der EZB – mehr hier).

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Kommentare

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  1. Silbermichel sagt:

    Es scheint langsam an der Zeit zu sein, die restlichen €uronoten abzustoßen und bis aufs minimalste sich in EM zu investieren da es langsam eng wird und beim nächsten Tender werden die Metalle weiter steigen. Der Papiergeldzunami wird kommen und es wird nicht lustig werden um die ersparten Kröten. Am besten alle Konten räumen und alles physische Metall aufsaugen solange noch was da ist. Wer heute noch PapierGiralGeld spart ist selbst schuld sollte sich langsam mal Gedanken machen. Paar €uro noch für NOCH billige Lebensmittel aufheben und den keller füllen mir allem was bis 2015 haltbar ist. Jetzt geht die Party langsam los und wer zu spät kommt den bestraft das Leben.. Guts Nächtle

  2. mueller sagt:

    ich fände es hilfreich, wenn die dmn anstatt mit milliardenbeträgen und der ezb mit konkreten zahlen für jeden bürger beschreiben würde, wieviel kredit jetzt grad dem deutschen oder franzosen auferlegt wurde. sodass sich jeder ganz persönlich angesprochen und betroffen fühlen kann – und verantwortlich.
    so quasi, ich, mueller, habe gerade einen kredit ohne meine zustimmung über …… euros aufgenommen. ich, mueller, verschulde mich hiermit über beide ohren, freiwillig, wie ein bekloppter pokerspieler (wobei der pokerspieler wenigstens seinen spass hatte im gegensatz zu mir).

    • redakteur sagt:

      Das ist leider völlig unmöglich, da es in diesem Spiel kaum Transparenz gibt: Denn wieviel Kredite die Banken mit welchen faulen Sicherheiten sie bei der EZB aufgenommen haben, wissen wir nicht – und davon hängt ab, für wieviel dann am Ende der Steuerzahler bürgen muss. Die Redaktion

  3. schlaumeister sagt:

    Der GS-Azubi Draghi versorgt seine Bankenclique mit Billionen, Widerspruch er-
    folgt keiner. In der besten aller Bankenwelten ist gut mauscheln, sie sitzen an der
    Quelle des superbilligen Geldes die Realwirtschaft ist nur der unnütze Blinddarm,
    man tut so, als ob diese noch wichtig wäre, im Prinzip ist man unter sich, bis zu
    den unvermeidbaren Aufständen, Revolten und ggf Bürgerkriegen, die an der Süd-
    schiene schon beginnen.