Offenbar verheerender Troika-Bericht: Griechenland hat Ziele nicht erreicht

Die Troika hat Griechenland offenbar ein vernichtendes Zeugnis ausgestellt. Einem streng vertraulichen Bericht zufolge soll Griechenland 245 Milliarden Euro benötigen, um zu überleben. Die Finanzminister wollen dennoch jetzt den nächsten Bailout irgendwie auf die Reihe bringen. Von den Banken werden weitere 5,5 Milliarden Euro an Zinsverzicht erwartet.

Aktuell:
Umfrage: Nach der Griechenland-Wahl gibt es in Athen keine stabile Regierung mehr

Griechenland: Die nächste Tranche wird gezahlt – Athen wird davon wenig sehen

Der streng vertrauliche Bericht, den die Troika aus EU, IWF und EZB den Euro-Finanzministern vorgelegt hat, verheißt nichts Gutes für die Griechen – und auch nicht für Europa. Die Troika stellt darin fest, dass die Sparmaßnahmen nicht greifen (haben wir schon vor Monaten festgestellt – hier).

Demnach haben die griechischen Politiker nicht einmal die einfachsten Sparanstrenungen unternommen. Von den strukturellen Veränderungen will die Troika offenbar nicht einmal reden. Auch die Wettbewerbsfähigkeit wurde nicht gesteigert – ebenfalls keine Überraschung, weil keine einzige Maßnahme ergriffen wurde (von den Taxilenkern bis zu den Anwälten – nichts Neues). Griechenland braucht dem Bericht zufolge praktisch doppelt soviel Geld wie im aktuellen Bailout geplant.

Die FT, die das Papier ebenfalls gesehen hat, vertritt die Auffassung, dass die schlechten Zahlen der Grund für die harte Haltung von Wolfgang Schäuble in den vergangenen Tagen gewesen seien. Denn die Euro-Finanzminister haben das Papier bereits vor dem Wochenende erhalten – und waren, verständlicherweise, wenig amused. Denn aus dem Bericht geht hervor, dass die Griechen 50 Milliarde Euro statt der geplanten 30 Milliarden für die Banken-Rekapitalisierung brauchen werden. Auch scheint nun klar, dass statt der geplanten 50 Milliarden Euro für Privatisierungen maximal 30 Milliarden Euro eingenommen werden können. Der Bericht zweifelt, dass Griechenland in absehbarer Zulunft wieder an die Finanzmärkte zurückkehren kann.

Mangels Plan B wollen aber die Euro-Retter nun wieder einmal Geld verlieren Zeit gewinnen und die nächste Tranche sichern. Mittlerweile haben die Finanzminister offenbar einen Weg gefunden, wie die nächste Tranche durchgewunken werden kann – und wie das Defizit im Jahr 2020 auf 123%-124% statt der befürchteten 129% getrimmt werden kann. Ursprünglich vereinbart waren 120%. Es ist bewundernswert, wie einfach es offenbar ist, innerhalb von wenigen Stunden das Defizits eines Landes, dessen Sprache man nicht einmal versteht, so drastisch zu kürzen. Immerhin scheint sich nun auch die Idee mit dem Sperrkonto durchgesetzt zu haben.

In den Berechnungen der Troika drohte Griechenland ein weiteres, gigantisches Defizit. Es war im schlimmsten Fall von 160% die Rede.

Gegen höhere Zahlungen an Griechenland haben sich unterdessen Deutschland, dieNiederlande und der IWF ausgesprochen.

Im Moment wird offenbar auch überlegt, wie man die EZB-Profite zur Finanzierung heranziehen kann. Eine ebenfalls groteske Überlegung, weil es diese Profite natürlich niemals geben wird.

Mehr zum Thema
EU-Kommission soll Zugriff auf nationale Haushalte bekommen
EZB überlässt Kauf von Bonds komplett den Banken
Gut verhandelt: Finnen erhalten Pfand von Griechenland

Kommentare

Dieser Artikel hat 149 Kommentare. Wie lautet Ihrer?

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

  1. King Balance sagt:

    Nachtrag:

    Horst Köhler, damals Finanzstaatssekretär, April 1992
    „Es wird nicht so sein, dass der Süden bei den sogenannten reichen Ländern abkassiert. Dann nämlich würde Europa auseinanderfallen. Es gibt eine ’no bail out rule‘. Das heißt, wenn sich ein Land durch eigenes Verhalten hohe Defizite zulegt, dann ist weder die Gemeinschaft noch ein Mitgliedstaat verpflichtet, diesem Land zu helfen.“

  2. King Balance sagt:

    „Als nächstes wird der Staatsmann billige Lügen erfinden, die die Schuld der angegriffenen Nation zuschieben, und jeder Mensch wird glücklich sein über diese Täuschungen, die das Gewissen beruhigen. Er wird sie eingehend studieren und sich weigern, Argumente der anderen Seite zu prüfen. So wird er sich Schritt für Schritt selbst davon überzeugen, dass der Krieg gerecht ist und Gott dafür danken, dass er nach diesem Prozess grotesker Selbsttäuschung besser schlafen kann.“
    Mark Twain – ‚Der geheimnisvolle Fremde‘

    !! Denkt mal drüber nach !!

    Sympathie (Original) – Herr Emil Tischbein (geht ins Blut)
    http://kingbalance.blogspot.com/2012/02/tischbein-sympathie.html

  3. Rosa Galler sagt:

    Griechenland kann die Ziele nicht erreichen.
    Das korrupte Elitenpack streut uns Sand in die Augen.

  4. Felix... sagt:

    ES ist unglaublich wie wir Uns alle von den Banken und Lobbyisten versklaven lassen!!

    Ich frage mich schon lange warum es in Europa NOCH so ruhig ist….ich kann nur hoffen das sich das bald ändert…

    Mit freundlichem Gruss

    Ein Steuerzahlter^^

  5. Inbrevi sagt:

    Zu F*G –// ja, Ihren Ausführungen kann man nicht widersprechen;
    und Sie liegen auch nicht falsch, wenn Sie ein>> funktionierendes Grundfundament wie eine einheitliche Steuerpolitik, Wirtschafts- und Tarifpolitik, usw.,usw, für eine Währung in einem gemeinschaftlichen Wirtschaftraum< Jan.1991, Bilderbergerkonferenz in Baden-Baden

  6. otto936 sagt:

    Kann man eigentlich an der Börse über die Höhe des NÄCHSTEN Rettungsschirms wetten ?
    Mögliche Verluste müssen natürlich vorher vertraglich von der EU übernommen werden. Sonst werden „die Märkte“ bestimmt unruhig.

  7. Inbrevi sagt:

    Zu Heiko Glanz–// die, dieses verbrecherische Treiben der EURO-,EU- Irren beendende Bombe, wird erst platzen, wenn sich „das Volk“ kümmert und die Bombe zündet.
    Solange bestellte Claqueure bei Will und anderen Sprachrohren noch wie verrückt klatschen sobald geistig Defekte noch immer vom Nutzen und den Vorteilen dieses EU-/EURO- Verbrechens für diese BRD labern, solange gekaufte Träumer immer noch entzückt gucken, wenn ein EU-/EURO- Beführworter von europäischer Gemeinsamkeit
    und Solidarität fahselt, weil ihm ansonsten kein Rechtfertigungsgrund für diese perverse Ideologie einfällt, solange, lieber Herr Glanz wird auch „die Bombe“ nicht platzen– und darauf bauen die Verantwortlichen und treiben deswegen einen immensen Aufwand damit das so bleibt!

  8. bauer sagt:

    legaler Widerstand

    Bundesverfassungsgericht
    z.Hd. des Präsidenten Prof. Dr. Andreas Voßkuhle
    Postfach 1771
    76006 Karlsruhe Ort, Datum

    Bertr.: Beschwerde gegen den Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM)

    Sehr geehrte Damen und Herren,
    mit einer etwaigen Zustimmung zum ESM würde sich das Bundesverfassungsgericht endgültig selbst entmachten und unser Volk auf Jahrhunderte an die angloamerikanische Finanzindustrie ausliefern.
    Nach dem Entwurf des Vertrages über den ESM erhalten die nach den Artikeln 9,21,27,30 usw. einzusetzenden Gouverneure absolute, d.h. diktatorische, Vollmachten gegenüber allen EU- Staaten. Sie brauchen dann keinerlei Rechenschaft mehr abzulegen, genießen, obwohl von niemandem gewählt, Immunität und sind unkontrollierbar.
    Das wäre dann das Ende der Demokratie. Dies beträfe dann auch mich persönlich und meine Familie. Vor allem aber meine Kinder und Kindeskinder, die dann, unwiderruflich, aufgrund der täglich wachsenden Irrsinnssummen, bis zum Sankt- Nimmerleinstag als Zinseszinssklaven der Geldfürsten dieser Welt ihr Dasein fristen müssten.
    Ich erhebe
    – EINSPRUCH –
    gegen die Übertragung von Hoheitsrechten an Diktatoren, deren Handeln die Zerstörung sowohl des deutschen Volkes, als auch der anderen europäischen Völker und unserer Jahrtausende alten Hochkultur zum Ziel hat.
    Diese Handlungen verstoßen gegen alle Regeln der Demokratie.
    Ich stelle daher den
    – ANTRAG –
    daß das Bundesverfassungsgericht einer solchen Aushöhlung des Grundgesetzes mit einem Urteil, das keinen Zweifel an der Unrechtmäßigkeit solcher Vorhaben läßt, einen Riegel vorschiebt.

    hochachtungsvoll Unterschrift