Griechenland rechnet mit weiteren Unruhen: Militär und Bürgerschutz gestärkt

Der Personalabbau in der griechischen Verwaltung wird zwei Bereiche nicht betreffen: Militär und Bürgerschutz brauchen nicht zu sparen. Offenbar bereitet sich die Regierung auf weitere massive Unruhen vor.

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Griechenland wird entsprechend der Sparmaßnahmen der Troika im Juni mit den Entlassungen im öffentlichen Dienst beginnen: Insgesamt sollen 150.000 Stellen abgebaut werden. Informationen der griechischen Zeitung Kathimerini zufolge könnten Beamte in allen Ministerien, deren Abteilungen um ein Drittel reduziert werden sollen, und Angestellte des breiteren öffentlichen Sektors betroffen sein. Lediglich das Militär, die Mitarbeiter des Verteidigungsministeriums und des Ministeriums für Bürgerschutz sollen verschont bleiben. Beobachter gehen davon aus, dass es in den kommenden Wochen zu weiteren Ausschreitungen kommen wird. Der beschlossene Bailout sieht harte Sparmaßnahmen vor (hier), die Griechen werden jedoch nichts von dem Geld in ihrer Wirtschaft sehen. Daher wird ein Ansteigen der Arbeitslosigkeit erwartet (hier). Insbesondere die Unzufriedenheit der Jugendlichen dürfte sich in weiteren Ausschreitungen entladen (hier). Daher will man die Sicherheitsbehörden von den Sparmaßnahmen ausnehmen, um das völlige Chaos zu verhindern. Erst kürzlich war es in mehreren griechischen Städten zu schweren Ausschreitungen gekommen (hier).

Derzeit erarbeiten französische Experten mit den Griechen zusammen eine Art Evaluierung für Beamte – das erste Mal, dass so etwas in Griechenlands öffentlichem Sektor eingeführt wird. Sobald dieses System eingesetzt werden kann, werden die ersten Entlassungen vorgenommen. Angestrebt  wird der Juni dieses Jahres. Die erste Entlassungswelle wird 15.000 Beschäftigte im öffentlichen Dienst treffen.

Einige der Beschäftigten im öffentlichen Dienst, die die nötigen Anforderungen hinsichtlich der Evaluierung nicht erfüllen, werden in eine Art Arbeitsreserve geschickt, statt sofort entlassen zu werden. Kathimerini berichtet, dass es sich hier hauptsächlich um Beamte handeln wird, die kurz vor dem Ruhestand stehen. Sie erhalten für die darauffolgenden 12 Monate 60 Prozent ihres Gehalts, bevor sie endgültig entlassen werden.

Betroffen von den Kürzungen sind auch die öffentlichen Forschungsnetzwerke in Griechenland. Derzeit gibt es zwölf staatlich finanzierte Forschungszentren und 56 Forschungseinrichtungen, die insgesamt fast 700 Mitarbeiter beschäftigen: Einrichtungen, die neben den Universitäten, technischen Hochschulen und privaten Forschungseinrichtungen existieren. Die Bildungsministerin Anna Diamantopoulou geht davon aus, dass die Zahl der staatlich finanzierten Forschungsinstitute im Zuge der Einsparungen von 56 auf 31 reduziert werden soll.

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Kommentare

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  1. conforma sagt:

    Militär, Verteidigung und Bürgerschutz werden von Restriktionen ausgespart. Das wird die Unruhe weiter vergrößern, weil nun noch mehr Ungerechtigkeit legitimiert werden soll.
    Und wenn diese drei Gruppen die Bevölkerung nicht in Schach halten können, werden die Para-Militärs von der EUROGENFOR aus Süditalien nach Griechenland beordert und können dann ja alles zusammen kloppen, was ihnen unter die Fäuste kommt. Und die Polit- und Banken-Maffia versteckt sich dann in ihren schönen warmen Stuben und rechnen nach, was sie zwischenzeitlich alles abgezockt haben.

  2. Grauber sagt:

    Abschaffung der Demokratie geht einher mit Niederschlagung von Demonstrationen, Enteignung, Inflation.

    Die Führer dieser EU sind nicht demokratisch legitimiert und fordern Feudalrechte.
    Der ESM ist ihr Mechanismus –

    Unruhen in Griechenland, Italien, Spanien – bald folgen Portugal und Frankreich.

    Erst wenn Deutschland nicht mehr „bezahlen“ kann, dann ziehen diese Heuschrecken vielleicht wieder ab.

    Wer hat sie denn seinerzeit nach Europa eingeladen ?

    Zeigt nicht mit dem Finger auf Eure Nachbarn, denn wir sind selbst bald dran !

  3. Andreas Fischer sagt:

    Wer im Sinne des Volkes regiert, der braucht keinen „Bürgerschutz“ es sei denn, das Ganze ist wohl doch nicht im Sinne des Volkes. Also Regierungsmafia nehmt doch hierzu einmal Stellung.

    Gruß aus Griechenland

  4. eichelhäher sagt:

    @ Redaktion, Moderation

    Kann man solche Nonsense-Beiträge nicht verhindern oder wenigstens löschen? Qualität und Seriosität der Forumsdiskussion leiden darunter.