Zentralbank: Italienische Wirtschaft verkümmert, weil Banken keine Kredite geben

Die Banken Italiens nutzten den EZB –Tender nur zur Aufstockung des eigenen Kapitals und zum Kauf von Staatsanleihen. In der Privatwirtschaft kommt dagegen offenbar weiter nichts von dem Geld an. Die italienische Zentralbank schlägt nun Alarm.

Aktuell
Staatsanleihen: EZB-Geld erhöht Risikofreude bei Banken

Italiens Wirtschaft könnte aufgrund fehlender Kredite „verkümmern“, sagte der Chef der italienischen Zentralbank, Ignazio Visco auf einem Kongress der Financial Markets Association. Im Dezember vergangenen Jahres sei die Kreditvergabe an Unternehmen um 20 Milliarden Euro zurückgegangen, unterstrich er. „Es ist wichtig, dass die Wirtschaft hinsichtlich benötigter Kredite nicht aushungert“ und nicht einfach zugelassen werde, dass sie „verkümmert“, so Ignazio Visco, der Nachfolger von Mario Draghis in der Bank of Italy.

Der Bankensektor könne die Anforderungen der europäischen Regulierungsbehörden hinsichtlich der Kapitalaufstockung nicht als Vorwand für die Drosselung von Krediten an Unternehmen nutzen. Italiens größte Bank UniCredit beschaffte sich im vergangenen Monat, so die FT, 7,5 Milliarden Euro Kapital – wohingegen die Bank Monte dei Paschi di Siena bis Juni noch 3,2 Milliarden Euro auftreiben muss, um nicht eine Verstaatlichung zu riskieren.

Derzeit sei der italienische Bankensektor solide, aber die Aussichten für dieses Jahr wären „nicht gut“, betonte Iganzio Visco. Zu den hausgemachten, strukturellen Problemen wie der zu geringen Streuung der Einnahmequellen und der zu hohen Kosten bei den Banken kommt das Schrumpfen der Wirtschaft hinzu. 2012 ist „ein Jahr der Rezession“ und die italienische Wirtschaft werde um 1,5 Prozent schrumpfen (mehr hier). Und auch wenn die italienische Zentralbank damit rechnet, dass 2013 das Wachstum bereits zurückkommen wird, müssen die Banken die Unternehmen mit Krediten unterstützen, um die Rezession nicht zu vertiefen. Dies würde letztlich auf sie selbst zurückfallen.

Um sowohl die Eigenkapitalerhöhung bis Juni durchführen zu können und gleichzeitig Kredite zu vergeben, bliebe den Banken etwa die Kürzung der Dividendenzahlung, so der Chef der Bank of Italy. Ein weiterer Impuls, die Kreditvergabe wieder anzukurbeln, sei die zweite Tranche des EZB-Tenders am 29. Februar. Bereits beim ersten Tender wurden die meisten Kredite von italienischen Banken in Anspruch genommen (hier). Diese wurden jedoch vornehmlich zur Aufstockung des eigenen Kapitals und zum Kauf von Staatsanleihen verwendet – jedoch nicht an die Privatwirtschaft weitergegeben (hier).

Mehr zum Thema
Deutschland schließt offenbar ESM-Aufstockung nicht mehr aus
Lagarde macht Aufstockung des ESM zur Bedingung für Griechen-Rettung
Peinlicher Fehler der EU: Griechen-Verfassung kann erst 2013 geändert werden

Kommentare

Dieser Artikel hat 53 Kommentare. Wie lautet Ihrer?

Schreibe einen Kommentar zu ErdGeist Antworten abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

  1. Petermann sagt:

    hier sieht man wie es richtig geht.

    http://diepresse.com/home/wirtschaft/international/734062/Das-Wunder-von-Island

    Ein Teil darauß

    Eine Bankenrettung wurde in Island gar nicht erst versucht. Die drei großen Institute (Kaupthing, Landesbanki und Glitnir) wären mit einer kumulierten Bilanzsumme im Ausmaß des zehnfachen isländischen BIPs ohnehin zu groß dafür gewesen. Die Großbanken wurden in den Konkurs geschickt, mehrere Manager dieser Institute wurden verhaftet und warten auf ihre Prozesse. Die Aktionäre gingen leer aus, ebenso die ausländischen Zeichner von Anleihen dieser Institute.

  2. der Bauer aus dem Hunsrück sagt:

    es gibt Paten, die stehen für Ehre, Verbindlichkeit, Treue, die geben auch Geld.

  3. Weg mit den Großbanken sagt:

    Die Lösung ist wie immer sehr einfach: Zerschlagung der Großbanken, Schaffung lokaler Wirtschafts- und Solidarstrukturen, Herunterbrechen der Haushalte auf möglichst lokal begrenzte, transparente Einheiten, demokratische Abstimmung über die Haushalte.
    Weg vom Wachstumsprinzip zum Wohlstands- und Nachhaltigkeitsprinzip. Umdenken, neue Wege gehen, alte Zöpfe abschneiden, weg mit den Unterdrückern.

    • Michele sagt:

      Hi, hi, auch in kleinen Einheiten gibt es gewaltige „Vetternwirtschaften“.

      Eine präzise Offenlegung von Ein-und Ausgaben bzw. der Mittelverteilung von EU-Gremien ist sicher nicht verkehrt.

  4. ErdGeist sagt:

    Der neuer Präsi, Herr Gauck, als Antikommunist – kann den Sozielismus in der EU stoppen und die Demokratie wieder einführen.
    Oder wird er alles vergauckeln?

    Gute Nacht.

  5. Kein Eurofreund sagt:

    Das war ja auch der Zweck der EZB-Geldmaschinerie, durch die Hintertüre marode Euro-Staaten vor Zahlungsenpässen und hohen Zinskosten zu bewahren. Die ganze künstliche Finanzierungs-Maschinerie beisst sich langsam in den eigenen Schwanz.

  6. Haikubehindert sagt:

    Der EZB -Kommunismus für Zombiebanken bewirkt nun mal die Austrocknung der KMU mit Krediten, das ist nicht nur in Italien so. Warum sollten die Banken Kredite an die Realwirtschaft ausgeben wenn sie durch die EZB durchgefüttert werden um Bonds zu kaufen die auch noch Rekordzinsen abwerfen?

    Wer zu den Banken spricht als würde dort jemand sitzen der ein Ohr für moralische Fragen und Ethik hätte, der ist entweder naiv oder will sich sauber waschen. Banken sind die falscheste Kontaktstelle für soziale Empathie -sie sind darauf getrimmt gnadenlos dafür zu sorgen dass ihre Aktionäre zufriedengestellt sind.

    Der Westen hat sich durch die bedingungslose Unterstützung der angeblichen to big to fail Banken von liberalen Strukturen der sozialen Marktwirtschaft entfernt -und zwar in die um 180 Grad entgegengesetzte Richtung zu Sozial.

  7. Karl Heinz sagt:

    Wegen des großen Erfolges noch einmal.

    Weltweit ist die Geldmenge 60 mal so groß, wie der Wert aller realen Güter.
    Es kann demnach keinen Geldmangel geben.

    Fazit 1:
    Wer die Geldmenge in der Realwirtschaft steuern kann, kann Krisen beliebig an- oder abschalten – je nach dem, welche Ziele er verfolgt.

    Fazit 2:
    Wer immer noch an freie Märkte glaubt, dem ist nicht mehr zu helfen. Der glaubt auch an Aufschwung XXL, Vollbeschäftigung, Fachkräftemangel und Börsenhausse. Der glaubt auch, dass Bankenkartelle das Recht haben, seine Lebensleistung abzuschöpfen.

    • schlaumeister sagt:

      der glaubt natürlich auch, dass Zitronenfalter Zitronen falten. Aber im
      Ernst: Das Geld steckt natürlich nicht in der Realwirtschaft. Es steckt
      in der Zockerwirtschaft. Einen Schuldner zu beurteilen, ob er einen
      Kredit über 250.000 Eur. bekommen soll kostet Zeit und Geld, da ist
      es doch bequem und lukrativ, per Mausklick z.B. im Forexmarkt zig
      Milliarden hin und herzuschieben und dabei auch Milliarden zu gene-
      rieren, der Finanztransaktionssteuer die es nicht gibt sei Dank. Im
      Mikrosekundenbereich werden Aktien automatisch gehandelt, Zerti-
      fikate und CDS ebenso und,und, und…schöne Parallelwelt des virtu-
      ellen Wahnsinns. (der Forexmarkt ist ein Billionengeschäft, der Aktien-
      markt dagegen ist ein Zwerg)

      • Michele sagt:

        Schlaumeister, sollten Ihre Ausführungen stimmen, so ist das ein Skandal, denn Oma wird ihr Altersnotgroschen durch die „Nullzinspolitik“ geplündert, während sich Finanz-Sachkundige mit „Pluszinsen“ auf dem Finanzmarkt bereichern können.

        Für „Hedge-, Derivate-, und Börsen-“ hatte Oma keinen Sinn und keine Zeit. Sie hat mit ihren Händen gearbeitet.

      • Michele sagt:

        Es ist deshalb ein Skandal, weil Finanzspekulationen keinen realen Mehrwert schaffen, im Gegensatz zur Händearbeit von Oma.

    • FDominicus sagt:

      Fazit 2 Ist völlig daneben. Nur freie Märkte könnten den zu erwartenden Zusammenbruch noch aufhalten und nur freie Märkte werden das Überleben einer größeren Anzahl von Menschen sichern.

      Ihr System der staatlichen Eingriffe führt in den Untergang weil es eben Sozialismus ist und er funktioniert nicht. Und in freien Märkten gibt es kein Recht Lebensleistung abzuschöpfen. Es gibt Leistung und Gegenleistung und entweder beide Seiten stimmen zu oder das Geschäft findet nicht statt.

      Wurde mir die Wahl gelassen ob ich weitere 130 Mrd an Griechenland schicken wollte. Nein somit hat das mit „freie“ Entscheidung und Markt nichts zu tun. Im Markt wäre Griechenland pleite und bekäme von kaum noch jemandem Geld. Dann würden sich die überflüssigen Strukturten und Bürokratien schnell abgeschliffen. So werden Sie noch mal ordentlich mit Beton verstärkt.

      Was wir derzeit haben ist reine Willkür. Im Namen der Übermenschen wird geklaut und umverteilt

      In Märkten wären die Banken schon verschwunden oder in der Abwicklung nur in der Welt der Leute die meinen alles besser zu wissen und diese Leute an der Macht zu haben kann es zu derartigen weltweiten Katastrophen kommen.

  8. Observer sagt:

    „…nur Kredite. Kein reales Geld. “ Diese Aussage ist doch sicher nicht so gemeint, oder?

    Denn was ist Geld. Doch nur ein Buchungsposten der durch Kredit erst entsteht!
    Reales Geld ist Gold, Aktien, Waren aller Art, etc., etc., aber doch niemals Zahlen auf einem Kontoauszug und bunte Zettel, dessen Wert das Material bestimmt aus denen sie bestehen, oder im besten Fall besichert durch ein (leeres) Versprechen, ohne jeden verbindlichen Vertrag.

    • Observer sagt:

      Antwort zu J.J. Rousseau

    • schlaumeister sagt:

      Noch glauben sie an ihre bunten Zettel und Zahlenreihen auf ihren
      Rechnern. Sie werden auch noch draufglotzen, wenn sich das Welt-
      finanzsystem im Begriff ist aufzulösen, ungläubig werden sie zusehen,
      wie sich ihre Papierwelt selbst zerstört und die ersten auf der Flucht
      sind. Did you got gold and silver before it is too late?

  9. Fred Feuerstein sagt:

    Jetzt sollte man endlich einmal einen Preis dafür aussetzen, was diese Sch….EU in den letzten 12 Jahren an nennenswert, positiven, zustande gebracht hat.

    Krieg war ja noch keiner, aber was sich gerade in den Ländern Griechenland, Italien, Spanien, Frankreich, England, Ungarn, Rumänien zusammenbraut ist doch nicht ohne und kommt einem Krieg näher als der früher kolportierten „wunderbaren friedvollen Zeit“ in der EU. Finanziell bewegt sich alles im Minus. Die Wirtschaft ist am Boden. Korruption wie noch nie ! Gesetzes- und Verfassungsvergehen am laufenden Band. Wahlen und Volksbefragungen oder Volksabstimmungen verschoben oder abgesagt ! Eventuell so lange wiederholt bis das Ergebnis passt. Kommisare oder Kommisionen greifen in die Souveränität der Länder ein. Pleiteländer werden an der Herz- Lungenmaschine bis zum St.Nimmerleinstag mit Milliarden versorgt. Zahlungsunfähige Länder erhalten Geldstrafen. Außer bei Militär und Polizei ist niemand mehr vor finanziellen Verlusten sicher. Verelendung und Versklavung, wohin man schaut. Geld der Steuerzahler (die noch Geld haben wie in Deutschland, Holland, Österreich und Finnland) bezahlen ohne Rechnung über den ESM, ALLES ! Ohne wenn und aber, Immunität vor allen und unkündbar auf ewig.

    Die Kommunisten der ehemaligen Sowjetunion sind Waisenkinder gegen die EU-Diktatoren, ohne Legitimation und demokratischer Wahl. Sie haben sich nur dadurch verraten, dass sie auch Kommisare sein wollten. Alles ander aus dem kommunistischen bekam nur neue Namen.

    So, wer kann hier gegenhalten und etwas Positives vermelden ?

    Nein ? Dann Abschaffung der gesamten Geld-Vernichtungs u. Versklavungs AG. und ihre korrupten Führer ! Worauf wird noch gewartet ? Die Gerichtshöfe bitte an die Arbeit – Überstunden sind erlaubt ! Diese EU GmbH. in Brüssel ist doch auch schon lange Pleite und funktioniert ja nur deshalb, dass sie von ihren Gesellschaftern Geld ohne Ende fordern kann, ohne das jemand eine Meinung dazu abgeben dürfte. Von Wirtschaften haben die gesamten EU-Ökonomen nicht die geringste Ahnung nur vom gewissenlosen verbraten der Gelder des Volkes.

    Interessant, es scheint, als ob dies die Deutschen als Zahlmeister überhaupt nichts angehen würde. Außer Diskusionen am Kamin, nichts ! Seid ihr Euch so sicher, dass ihr nicht davon betroffen seid ? Wie schaut es denn mit den Schulden der Deutschen aus ?

  10. J.J.Rousseau sagt:

    Tender um Tender von Milliarden zu Billionen. Aber, es sind eben nur Kredite. Kein reales Geld. Erst, wenn es zum Schuldgeld gemacht wird. Nun zocken die Banken aber damit an den Börsen herum, in der Hoffnung schnelle Gewinne zu machen – das gelingt nicht. Denn nur die Realwirtschaft, erschafft Geld. Wenn die Schattenwirtschaft kein Geld zu Verfügung stellet, woher kommen die Moneys dann her? Fast in jedem Haushalt gibt es ein Monopoly Spiel – spielen Sie, es kommt aufs Gleiche raus. Nur, dass uns das Grosse „Weltspiel“ bald alles kosten wird und nicht wie das Monopoly einfach weggeräumt werden kann. Dumm gelaufen.