Bank Run in Griechenland: Parlamentarier schafft eine Million Euro ins Ausland

In Griechenland steigt die Nervosität: Banken berichten von auffällig vielen Kontobewegungen ins Ausland. Ein Mitglied der Parlaments wurde von den Geldwäsche-Behörden ertappt: Er hatte schon im Vorjahr eine Million Euro ins Ausland transferiert.

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In Griechenland sind bei mehreren Banken in dieser Woche auffällig viele Kontobewegungen ins Ausland beobachtet worden. Eine Bankmitarbeiterin sagte, als sie auf einen ungewöhnlich langen Arbeitstag angesprochen wurde: „Wir haben den ganzen Tag nichts anderes gemacht, als Geld ins Ausland transferiert, so schlimm wie im Moment war es noch nie.” Mehrere andere Bankmitarbeiter von unterschiedlichen Instituten bestätigten den Deutschen Mittelstands Nachrichten die Vorgänge. Es war jedoch nicht abzusehen, ob es sich um kurzfristige Panikaktionen handelt oder tatsächlich ein Bank Run im großen Stil begonnen hat.

Der Appell von Finanzminister Venizelos, dass die Griechen ihr Geld wieder zurückbringen sollten (hier), hat also offenbar einen gegenläufige Bewegung verstärkt, die seit einige Wochen zu verzeichnen ist: Die Einlagen in die Banken sind stark rückläufig (siehe Grafik am Ende des Artikels – interessant: Auch in Irland scheint ein Bank Run einzusetzen).

In Athen hat ein bisher unbekannter Parlamentarier eine Welle der Wut ausgelöst: Die Geldwäsche-Fahnder hatten ihn ertappt, als er eine Million Euro ins Ausland transferierte. Die Fahnder überprüften die Überweisung und befanden sie für legal. Die moralische Entrüstung ist indes groß: Hatte der bisher Unbekannte sei Geld doch just im vergangenen Mai verschifft, als der damalige Ministerpräsident Papandreou die Griechen eindringlich aufgefordert hatte, ihr Geld im Land zu belassen.

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Kommentare

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  1. uri125 sagt:

    Die Ratten verlassen das sinkende Schiff. Wenn das Militär übernimmt , ist erst einmal für Jahre oder Jahrzehnte die Demokratie in Griechenland gestorben. Dann bedienen sich erst mal wieder die Militärs und ihre Cliquen. Wies schon mal in den sechzigern war.
    Die Politiker haben ihr Vertrauen vollkommen verspielt. Die Goldmann Boys haben sich verzockt. Jetzt wird nur noch versucht den eigenen Hintern zu retten und soviel mitzunehmen wies geht. Zurück bleibt ein ausgeblutetes Volk, dass Dekaden braucht um wieder auf die Beine zu kommen. Damit ist nicht nur das Experiment Euro sondern auch Europa gescheitert. So ist es wenn man eine Gemeinschaft auf Banken und Konzerne reduziert und die Bürger aussen vor lässt. Unsinnige Verordnungen , wie die Abschaffung der Glühbirne und die jetzt beschlossene abschaffung von Halogenlampen tun ein überiges zur weiteren Abkehr der Bürger . Die Marionetten des Neokapitalismus haben verloren.

  2. Michael sagt:

    Zit.: „In Griechenland steigt die Nervosität: Banken berichten von auffällig vielen Kontobewegungen ins Ausland. “
    Was ist daran Besonderes ? Eigendlich läßt sich überschlägig abschätzen, dass sowohl für die Griechen als auch die Privatanleger die Umwandlung aller griechischen Euroschulden in Drachmenschulden mit normaler Verzinsung / Renditen eine viel bessere Lösung wäre, als das, was da „zusammengerettet“ wird.

    Auch für Privatanleger klingt die bisherige Lösung völlig inakzeptabel. Ich wäre mir sicher, keinem „haircut“ zuzustimmen. Muß man nachrechnen. Zwang per Gesetz wäre klar Rating D, wie Default, wie Auslösung des CDS-Falles. Das ist bei den Griechen, selbst gehebelt, nicht so fürchterlich viel. Feierabend mit dem Gewurstele. Sowohl Portugal als auch Griechenland sollten ihren Ausstieg aus dem T€uro ankündigen, falls die EZB sie nicht mit der Bazooka „rettet“. Das dumme Geplapper der Politclowns aus Deutschland ist gegenstandslos. Entweder Euro Ja, oder Nein. Die Eurokraten braucht niemand wirklich. Der Euro ist viel zu hoch bewertet. Ein „deutscher“ Euro wäre 1,36, aber alle anderen zum Teil weit unter 1,25. Gewichtet deutlich unter 1,2. Da muss man sich über Rezessionen nicht wundern.