Großbritannien: Sparkurs trifft Familien mit Kindern am härtesten

Höhere Steuern und geringere Sozialleistungen im Rahmen der britischen Sparpolitik haben die deutlichsten Auswirkungen auf Familien mit Kindern. Bis 2015 wird das Einkommen von Ehepaaren mit Kindern um 4,2 Prozent gekürzt, ergab eine Studie.

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Ein aktueller Bericht des Londoner Forschungsinstituts Institute for Fiscal Studies (IFS) untersuchte die Perspektiven und Auswirkungen der Steuer- und Leistungsreformen. Die Studie betrachtete dabei den Zeitraum Januar 2011 bis April 2014 unter Berücksichtigung aller im Rahmen des Sparpakets durchgeführten und geplanten Reformen. Das Ergebnis: Familien mit Kindern werden die Reformen am deutlichsten zu spüren bekommen, berichtet der Guardian.

Die Studie ergab, dass bis 2015 Familien mit Kindern rund 4,2 Prozent weniger Einkommen zur Verfügung haben werden. Zum Vergleich: Paare ohne Kinder müssen lediglich einen Verlust von 0,9 Prozent hinnehmen. Die größten finanziellen Kürzungen zeigen sich bei Familien mit Kindern unter fünf Jahren, bei Familien mit mehr als zwei Kindern sowie arbeitslosen Alleinerziehenden. So verlieren nichterwerbstätige Alleinerziehende im Durchschnitt mehr als 12 Prozent ihres Einkommens. Zudem prognostiziert die Untersuchung, dass infolge der Reformen im Zeitraum zwischen 2015 und 2016 rund 500.000 Familien mit Kindern unter fünf Jahren in völlige Armut abdriften werden.

Besonders die Einführung des „universal credit“-Systems gerät in die Kritik der Forscher, da es Familien mit sehr schwachem Einkommen in einigen Jahren finanziell viel schlechter gehen wird. Es ändert zudem nichts an der Tatsache, dass Rentner und Erwachsene ohne Kinder weiterhin finanziell besser dastehen werden. Damit wäre Camerons Ziel – mit der Reform des Verwaltungsapparats Leistungen gerechter zu verteilen und durch versteuerbaren Lohn einen Anreiz für Erwerbstätigkeit zu schaffen – gescheitert.

Dr. Katherine Rake, Vorstandssprecherin der Family and Parenting Institute Charity (Auftraggeber der Studie) sagte, dass Familien zusätzlich abgestraft werden. Besonders überraschend sei, dass am meisten gefährdete Gruppen – wie Familien mit Neugeborenen und Alleinerziehende ohne Arbeit – die Hauptlast der Reformen tragen.

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Kommentare

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  1. Joseph Breitenbach sagt:

    Eltern mit Kindern haben da nur eine Möglichkeit: Sie erziehen ihre Kinder in einem derartigen Hass auf dieses System, dass die Kinder dieses System eines Tages beseitigen werden. – Genau so funktioniert der Darwinismus!

  2. der Bauer aus dem Hunsrück sagt:

    da soll das Volk für Soldaten sorgen und dann wird es noch bestraft….

  3. Schulz sagt:

    Der Bericht ist nicht so eindeutig, wer was warum sparen soll und die anderen nicht.
    Hätte man drauf eingehen müssen.
    Aber, es ist trotzdem immer das gleiche Speil. Die die das beschließen trifft es nicht.
    Die Banken und die supereichen wollen nichts verlieren, also bleibt nur die breite Masse, die zu melken ist.
    Solange dieses Banksystem so fuktioniert wie es fuktioniert, wird sich auch grundsätzlich nichts ändern. Die Masse arbeitet und bezahlt für die Oberschicht.
    Das schlimmste ist zudem, das sich Arbeit im allgemeinen nicht mehr lohnt.

  4. bayer sagt:

    nur 2 Hinweise, ich hoffe, LInks sind erlaubt:

    Passt ja alles, weil genau so gewollt:

    1. Der Statt wurde bewusst und gewollt geschwächt.
    http://www.nachdenkseiten.de/?p=12218

    2. Die Arbeitslosigkeit ist ebenfalls bewusst erzeugt, um die Arbeiterschaft zu schwächen.
    http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/politischesfeuilleton/1683148/

    Also alles im Plan. Jetzt ist auch klar und wirklich offensichtlich, für wen unsere Politiker wirken: Nicht für den kleinen Michel, sondern für die Bilderberger.

  5. tomorrow sagt:

    Dies soll der Planet der Liebe sein? Yep.
    Es ist genau das, was man daraus macht.

    Die einen mit Macht und andere mit nicht können.
    Es kommt auf´s Selbe ´raus.

    FG tomorrow