Arbeitslosigkeit ist in Deutschland viel höher als offiziell verkündet

Die von der Bundesagentur für Arbeit veröffentlichten Zahlen für die Arbeitslosigkeit im Januar entsprechen nicht der Realität: Statt der angegebenen 3 Millionen waren tatsächlich 4 Millionen Deutsche arbeitslos. Wenn man die fragwürdige Berechnung der BA ignoriert und nur die Empfänger von ALG 1 und ALG 2 zusammenzählt, kommt man sogar auf 5,3 Millionen Arbeitslose.

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In der Neujahrsansprache der Bundeskanzlerin Angela Merkel zum Jahreswechsel 2011/12 stach besonders ein Satz heraus: Stolz verkündete die Kanzlerin, dass trotz Euro-Krise so wenig Menschen arbeitslos seien wie seit zwanzig Jahren nicht.

Wenn man sich die Januarzahlen jedoch einmal genauer ansieht, kommt man zu einem erstaunlichen Ergebnis: Die offiziellen Zahlen blenden bestimmte Arbeitslosen-Gruppen einfach aus. Zwar kann man in Deutschland nicht von einer so dreisten Manipulation sprechen wie in den USA (hier) oder gar bei Papandreous Statistikfälschungen. Aber korrekte Zahlen bekommt die deutsche Öffentlichkeit genau so wenig präsentiert wie die Amerikaner oder die Griechen.

Die von der Bundesagentur für Arbeit im Januar 2012 veröffentlichte Arbeitslosenquote von 7,3%, was einer Gesamtarbeitslosigkeit von 3.081.706 Menschen entspricht, spiegelt nicht die tatsächliche Anzahl der Arbeitslosen wider. Hierbei werden viele verschiedene Gruppen nicht erfasst bzw. aus der Statistik heraus gerechnet, da sie sich beispielsweise in sogenannten arbeitspolitischen Maßnahmen befinden.

Eine entscheidende Rolle kommt hierbei § 16 SGB III zu, indem geregelt ist, dass mit dem Dritten Gesetz für moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt (in Kraft seit 01.01.2004) Teilnehmer an Maßnahmen der aktiven Arbeitsmarktpolitik als nicht arbeitslos gelten. Zu diesen vermeintlichen Arbeitslosen, die nicht in der offiziellen Zahl der Bundesagentur für Arbeit enthalten sind zählen unter anderem diejenigen, die eine Berufliche Weiterbildung machen (154.648 im Januar) die staatlich finanziert wird. Im Monatsbericht der Bundesagentur für Arbeit wir die Umschreibung „ausgewählte Maßnahme aktiver Arbeitsmarktpolitik“ verwendet, an welcher im Januar 2012 sage und schreibe 1.075.004 Menschen teilgenommen haben. Unter diesen Begriff fallen Maßnahmen wie Qualifizierung, Förderung der Berufsausbildung, Beschäftigung schaffende Maßnahmen und Beschäftigungsbegleitende Leistungen.

Man sollte meinen, dass dies das Ende der Fahnenstange sein könnte aber bei genauerer Betrachtung stellt man mit Verwunderung fest, dass ebenfalls alle Arbeitssuchenden über 58 Jahren, die trotz der Tatsache, dass sie Arbeitslosengeld I und/oder II empfangen nicht als arbeitslos in der Statistik geführt werden (§ 428 SGB III). Dies waren 374.592 im September 2011. Von Januar liegen keine offiziellen Zahlen vor, aber man kann davon ausgehen, dass die Zahl mindestens so hoch ist wie im September.

Die Anzahl derjenigen, die sich in Arbeitsgelegenheiten befanden, zu welchen im Übrigen auch 1 Euro – Jobber zu zählen sind, belief sich im Januar auf 133.298. Hinzu kommt die Fremdförderung mit 72.513 Menschen, kurzfristige Arbeitsunfähigkeit unter welche kranke Arbeitslose fallen (§ 126 SGB III) im Januar 68.202, Aktivierung und berufliche Eingliederung (127.742), Eignungsfeststellungs- und Trainingsmaßnahmen (35.000), Beschäftigungsphase Bürgerarbeit (21.823), Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen (456.000) und Beschäftigungszuschuss für schwer vermittelbare Arbeitslose (9.533). Wenn man nun die ermittelten vermeintlichen Arbeitslosen zu der offiziellen Zahl der Bundesagentur für Arbeit hinzu addiert, kommt man auf eine Gesamtarbeitslosigkeit von 4.044.548 was sich letztendlich doch signifikant von den 3.081.706 der Bundesagentur für Arbeit unterscheidet.

Aufgrund all dieser Ausnahmen und Sonderregelungen drängt sich einem die Frage auf, ob es keinen einfacheren Weg gibt die tatsächliche Arbeitslosenzahl zu ermitteln. Ein Ansatz, der zumindest aus einer anderen Perspektive betrachtet Sinn machen würde, wäre einfach die Arbeitslosengeldempfänger zu addieren. Denn wie das Wort „Arbeitslosengeldempfänger“ schon sagt, sind dies Menschen, die arbeitslos sind und daher Geld vom Staat empfangen.
Dies wären im Januar 2012 937.194 die Arbeitslosengeld I beziehen und 4.456.870 die Arbeitslosengeld II erhalten, was einer Gesamtzahl von 5.394.064 Arbeitslosengeldempfängern in Deutschland entspricht.

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  1. bla sagt:

    bla bla bla

  2. second-magazine sagt:

    Aufgrund des Artikels hatten wir eine tiefergehende Analyse vorgenommen, und wir kamen zu dem Schluss, das darf doch nicht wahr sein:
    5,4 Millionen Menschen empfangen ALG I+II. (Statistisches Bundesamt)
    8,8 Millionen Menschen ernähren sich unterhalb des Mindestlohnes (DGB 14.03.12)
    18 Millionen Menschen bekommen Geld zur Grundsicherung (Statistisches Bundeamt)
    nicht weniger als 32 Millionen Menschen haben im Monat weniger als 400,00 €.
    ————————————————————————————————————-
    Dass das anders geht beweist man z.b. in den Niederlanden, jeder erhält ein Grundgeld von 1.450 € ob Arbeit oder nicht. Es gibt städtische Ausbildungszentren um an “würdige” Arbeit zu gelangen. In den Jahren 2009-2011 wurden 30% der “1450,- € Hartz Holland” abgebaut und in vernünftige Arbeit gebracht. In staatlichen Ausbildungs- und Beschäftigungshäusern. Das Geld bekommt man auch, wenn die Wohnung zu groß ist etc. aber eben nicht mehr Geld. Warum muss Deutschland immer so kompliziert sein?

  3. Kora sagt:

    Falls noch jemand diesen Artikel liest und bevor ihr auf die faulen HartzIV-Empfänger schimpft, schaut mal auf diese beiden Seiten.

    http://grundrechte-brandbrief.de/
    http://www.buergerinitiative-grundeinkommen.de/

    • Nudwessi sagt:

      Ich plädiere für ein garantiertes Grundeinkommen.
      Seit Ende der Vollbeschäftigung Anfang der 70er Jahre (BRD) wird versucht, diese mit verschiedensten Mitteln wiederzuerlangen. Es ist nicht gelungen und wird mit den bisherigen (sehr teuren) Mitteln auch nicht gelingen. Ein Grundeinkommen ist zwar auch teuer (ca. ein Drittel des BIP bei 1000 Euro pro Person und Monat), aber durchaus bezahlbar. Es ist die direkteste Förderung von Menschen und ermöglicht ihnen deutlich mehr Freiheit aber auch beste Handlungs- und Entwicklungsmöglichkeiten.
      Faul ist der Mensch zwar auch, aber nicht sehr lange, dann wird jeder zappelig. Glaubt im Ernst jemand, dass sich Menschen bis an ihr Lebensende vor den Fernseher setzen werden? Ich glaube eher an den Antrieb des Menschen, auch wenn es bei einigen vielleicht länger dauert.
      Fazit: Garantiertes Grundeinkommen von 1000 Euro pro Person und Monat und wir schauen gespannt, mit welcher Kreativität die Menschen damit umgehen.

  4. Holger Jahndel sagt:

    Akademiker und Vollbeschäftigung? Die perfekte Illusion durch manipulierte Statistiken
    Jens Romba

    Insbesondere in den MINT-Fächern (dies sind Mathematik, Ingenieurwissenschaften, Naturwissenschaften und Technik) sollen Akademiker aufgrund des so genannten Fachkräftemangels heute und in Zukunft hervorragende Berufs- und Aufstiegschancen haben. So jedenfalls steht es sehr oft in der Mainstreampresse. Dipl. Met. Uwe Borchert hat nach einer Beschäftigung mit dem MINT-Arbeitsmarkt sowie beim Durcharbeiten der Publikationsreihe Arbeitsmarkt Kompakt* der Bundesanstalt für Arbeit für den Zeitraum bis etwa 2008 allerdings Informationen zusammengetragen, welche derartige, angeblich auch statistisch untermauerte Behauptungen, schlichtweg als unwahr enttarnen. Die in vielen Medien veröffentlichten Arbeitslosenzahlen unter Akademikern bilden demnach bei weitem nicht die reale Langzeitarbeitslosigkeit ab. Vielmehr werden die Statistiken vorsätzlich manipuliert, um der Presse »gute Ergebnisse« vorweisen zu können.

    http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/deutschland/jens-romba/akademiker-und-vollbeschaeftigung-die-perfekte-illusion-durch-manipulierte-statistiken.html

  5. Günther Graf sagt:

    Nicht mit aufgeführt sind diejenigen, die zwar ohne Arbeit sind aber keine Ansprüche auf Leistungen haben.
    Es ist wohl nicht übertrieben, wenn man in Deutschland die realen Beschäftigungslosen auf 8 Millionen schätzt.

    • Nudwessi sagt:

      Es gibt noch mehr Erwerbslose: die “verdeckt Arbeitslosen”:
      1. Menschen, die zwar keine Erwerbsarbeit haben, sich aber nicht arbeitslos melden, weil sie noch genügend Geld haben oder von Verwandten Geld bekommen.
      2. Menschen, die auch keine Erwerbsarbeit haben, sich ebenfalls nicht arbeitslos melden, aber kein Gespartes haben und sich irgendwie durchschlagen, weil Sie sich der Hartz4-Mühle nicht unterwerfen wollen.
      Ich stimme Ihnen bei den geschätzten 8 Millionen Erwerbslosen zu – Tendenz steigend!

  6. Gast sagt:

    So steuert Deutschland in den Abgrund.
    Die sozialversicherungspflichtigen Jobs müssen wieder her, sonst kommen Menschen nie mehr aus der Hartz-4-Mühle heraus. Im übrigen hat die Kriminalität auch zugenommen, seitdem es dieses eiskalte System gibt.

  7. Tom sagt:

    ich bin beispielsweise rentner weil mir das arbeitsamt zu viel auf den sackgegangen ist,
    ..”wir sind ja hier nicht bei wünsch dir was..”

    dann kommen noch die leute in maaßnahmen hinzu…es gibt so viele maaßnahmen,

    und was ist mit den 1 euro Jobbern?

    • Gegen Schmarotzer sagt:

      Die Einstellung von Leuten, wie dir macht Deutschland arm! Eure Faulheit und Einstellung ist einfach nur widerlich im Angesicht der armen Weltbevölkerung!

      • marco leonardo sagt:

        wer ein bedingungloses grundeinkommen fordert, der vergisst, dass es viel mehr bedingungslose selbstverantwortung braucht, solange menschen nicht aufhören, nach dem staat zu schreien und nach umverteilung, solange wird der staatsapparat wachsen und wahlgeschenke an die verteilen die sich mehr staat und keine selbstverantwortung wünschen, dann gute nacht
        übrigens, in der ehrliochen demokratie duerfen nur die steuerzahler wählen/bestimmen, wie die zwangssteuern verteilt werden, das wird denen nicht gefallen, die das seltsame recht verspüren, auf ksoten anderer zu leben
        die gute nachricht ist, jeder ist für sein leben selbst verantwortlich und folglich aknn jeder sein leben, sich selbst ändern… aber wer ist dazu bereit?
        http://www.lebedeinleben.de
        http://www.befreit-leben-magazin.com