Spanien: Unternehmen und private Haushalten in der Schuldenfalle

Die Schulden von Unternehmen und in privaten Haushalten in Spanien wachsen noch schneller als die Staatsverschuldung. Investoren sind besorgt und fürchten, dass Spanien in eine lange Rezession rutschen könnte.

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Derzeit ist von einer Staatsschuldenkrise in Europa die Rede. Doch der Blick auf die Verschuldung der nationalen Unternehmen und privaten Haushalte ist alles andere als ermutigend. Ganz im Gegenteil. Die Europäische Kommission sieht bei einer Verschuldung der privaten Haushalte von mehr als 160 Prozent des BIP eine Grenze erreicht. Bis zu einem gewissen Punkt ist die private und unternehmerische Verschuldung wirtschaftsbelebend. Ab mehr als der beschriebenen 160 Prozent-Marke verkehrt es sich ins Gegenteil.

Der EU Kommission zufolge liegen 15 der 27 EU-Mitglieder bei einer privaten Verschuldung von 160 Prozent. Dänemark, Schweden und die Niederlande liegen weit darüber, Deutschland lag 2010 bei rund 63 Prozent des BIP. Irland führt die Liste mit 341 Prozent des BIP an. Ein Arbeitspapier der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) kommt sogar zu dem Schluss, dass schon eine private Verschuldung von mehr als 85 Prozent des BIP negative Folgen für die Wirtschaft hat. Bei Unternehmen zieht die BIZ bei rund 90 Prozent. Die Schuldenprobleme von den fortgeschrittenen Volkswirtschaften „sind noch schlimmer, als wir dachten“, zitiert die Nachrichtenagentur Reiters den BIZ Chefökonom Stephen Cecchetti.

Die Staatsverschuldung Spanien liegt bei 61 Prozent des BIP – eine Zahl, die sich seit Beginn der Krise verdoppelt hat, so Reuters. Aber die Verschuldung der privaten Haushalte liegt bei rund 227 Prozent des BIP. Und spanische Unternehmen haben doppelt so viele Schulden wie amerikanische und sechs Mal so viele wie deutsche Unternehmen, so das McKinsey Global Institute. Betrachtet man die Zusammensetzung der spanischen Schuldenquote, so Jamie Dannhauser von dem Beratungsunternehmen Lombard Street Research, sei es irrational von einer Staatsschulden-Krise zu sprechen, die von fiskalischer Verschwendung ausgelöst wurde. Vielmehr seien die Anleger beunruhigt über die Auswirkungen der rezessiven Politik auf die spanischen Unternehmen und im Umkehrschluss auf die Banken des Landes, die diese Kredite vergeben haben. Und „weil die Regierung hinter den Banken steht, sind die (Investoren, Anm. d. Red.) besorgt um die Regierung“, fügt Dannhauser hinzu.

Zusätzlich dazu hat die Rezession in Spanien einen großen Einfluss auf Portugal, das schwerer verschuldet und weniger wettbewerbsfähig ist. Die privaten Schulden belaufen sich in Portugal der EU Kommission zufolge auf 249 Prozent des BIP. Die Staatsverschuldung liegt bei 93 Prozent. Und die Verschuldung der portugiesischen Unternehmen ist seit dem Höhepunkt der Finanzkrise nicht geringer geworden. „Portugals Banken sind einer sich verschärfenden Rezession massiv ausgesetzt“, erklärt Dannhauser.

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Kommentare

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  1. conforma sagt:

    Für viele mag es seltsam klingen:
    Wer keine Schulden hat, hat die beste Verzinsung.
    Jeder, der wegen Schulden Zinsen zahlen muss, hat in der Höhe der Zinsen weniger Kaufkraft bzw. weniger Substanz.
    Das ist ja das große Rad, das die Banken drehen – so lange den Schuldner knebeln, bis er so viele Schulden hat, dass er keine Substanz mehr hat, bis alles der Bank übereignet werden muss. Und dann heißt es auch: Den Bürgen muss man würgen. So haben sie es mit den blöden Staaten und deren Polit-Ganoven getrieben, die heute praktisch gar keine Aussicht mehr auf „Rettung“ haben – sie können keine Erträge mehr erwirtschaften, also muss der Steuerzahler mit seinen Ersparnissen und der Inflationierung „Zahlemann und Söhne“ spielen.
    Und das bedeutet, dass wir einen schleichenden Niedergang der EU-Volkswirtschaften zu erwarten haben.

  2. cashca sagt:

    Selbst schuld! Wer Schulden ohne Ende macht.,der muß ja beknackt sein. Jeder muß wissen, irgendwann ist Zahltag.
    Die Menschen, Regierungen, Eliten und alle sonst irgendwie Verantwortlichen , haben wohl mit der Jahrtausendwende zum 21. Jahrh. das Hirn auch gewendet. Der Verstand ist im großen schwarzen Loch versunken. Es lebe der „PUMP“-Konsum und die Dummheit.

    • sonnenblatt sagt:

      nicht nur auf die „anderen“ schieben, auch wir VOLK machen seit Jahrhunderten in diesem Schuldensystem mit!!!!

      Und in diesem Schuldensystem sind ALLE (auch die einen positiven Kontosaldo auf der Bank haben) ebenso tief mitverschuldet!!!!

      Die EINZIGEN Schuldenfreien sind die Besitzer dieses Schuldsystems….

  3. Murksel sagt:

    Aber das läuft doch wie geschmiert für die Strippenzieher im Hintergrund.
    Jetzt können Investoren mit ihrem Fiatgeld doch für Ramschpreise die realen Unternehmen aufkaufen. So war das doch geplant , aus dem Fiatgeld Realwerte zu machen.

    • sonnenblatt sagt:

      „….aus dem Fiatgeld Realwerte zu machen.“

      Nicht nur das, die kaufen ja nicht nur Unternehmen (im Endeffekt/Ziel wird der ganze Staat inkl. Staatsfläche und der gesamten Infrastruktur aufgekauft) sondern damit auch gleichzeitig die dort wohnende dazugehörige Bevölkerung…das nenne ich dann moderne Kriegsführung und moderne Sklaverei…

      Ist doch schön, wie sich mit tollen Begriffen wie Staat, Unternehmen, Bürger/Personal und besonders unter dem Begriff der DEMOKRATIE der wahre Charakter eines Systems verschleiern läßt!!!!

  4. heide preiss sagt:

    was soll man DA noch sagen?

    DIE EINSCHLÄGE KOMMEN IMMER NÄHER.

    DAS KANN NICHT MEHR LANGE „GUT GEHEN“.

  5. J.J.Rousseau sagt:

    „Ein Pulverfass das auch ohne hohe Staatsverschuldung Gefahren birgt“ Aber, aber, sagen wir es mit Herrn Schäuble: „Es sind Fässer ohne Boden“. Da aber Herr Schäuble ja den Portugiesen im Geheimen schon Hilfe zugesagt hat, ist das ja alles kein Problem. Wie sagte er im Video: „Das machen wir schon“. Ich stelle mir dazu noch seine Gedanken vor: „Dem blöden schlafenden deutschen Volk pressen wir diese Milliarden auch noch ab“. Aber, aber Herr Schäuble – Sie denken schon wir Berlusconi! Aber, ob Sie sich so gut aus der Affäre ziehen können wie BungaBunga bezweifle ich.

  6. Der Silberfreund sagt:

    Ganz großes Kino, was den Steuerzahlern geboten wird!
    Das Zeitfenster würde mich interessieren. Sind sicherlich schon einige „Dinge“ durcheinander. Ein Lob an die Redaktion: Es ist schön, abseits der qualitätsfreien Medien, den Wahrheiten ein wenig näher zu sein. Weiter so!

  7. Kein Eurofreund sagt:

    Und bei wem haben die hochverschuldeten Unternehmen und Privaten ihre Schulden? Wohl mit Abstand die meisten bei den Banken, womit man wieder einmal bei der Bonität dieser Banken angelangt wäre. Und wer sieht sich genötigt, diese Banken zu stützen, damit die tausenden von Anlegern ihr Geld nicht verlieren? Natürlich der Staat mit seinen Steuerzahlern.

  8. Fred Feuerstein sagt:

    Das ist ein ganz neuer Aspekt. Natürlich vollkommen richtig, aber wo blieben denn die Chef-Ökonomen, die anscheinend auf diese Art von Krediten vergessen haben? Ich habe in den letzten 2 Jahren nichts von diesen Keller-Leichen gehört !

    Somit ist eigentlich Griechenland gar nicht mehr so interessant. Spanien, Portugal, Dänemark, Schweden, Niederlande, Irland sind die neuen heißen Eisen. Als Nicht-Ökonom denke ich, dass man die Staatsverschuldungen und die Privatverschuldungen der einzelnen EU-Nationalstaaten zusammenrechnen muss. Schön langsam kann man erkennen, warum die Banken Probleme haben, nur das Volk wußte nicht warum. Somit war es immer möchlich, die Schulden zu vernebeln. Es mußte eben Alternativlos gerettet werden (richtigerweise geplündert).Für die Reihenfolge der Pleitekandidaten muss eine neue Tabelle angedertigt werden. Das Volk will es ja auch wissen, wo der nächste Flächenbrand ausbrechen wird.

    Und wer und wie hilft man den Ländern wie Ungarn, Bulgarien, Rumänien, Slowakei, die nicht beim € sind ? Ist dort die Caritas zuständig ? Oder verschwindet dort auch Geld von uns ? Man muß ja nicht alles gleich an die große Glocke hängen, oder ?

    Zum Schluß möchte ich gerne einen plausiblen Grund hören, wofür dieser € eigentlich gut ist ? Wofür er gedacht war wissen wir ja schon. Welches Argument gibt es noch, warum wir so weiter machen sollen ? Erklärungen außer „Alternativlos“ gibt es keine. Aber jetzt wäre es schon interessant, wie lange es noch mit dieser Sch… weiter gehen soll. Das sieht ja ein Blinder, dass der Karren im Dreck steckt ohne sich noch zu bewegen !

      • malocher: sagt:

        Beängstigender Artikel,aber wenn man das mit dem
        täglichen Leben vergleicht brutale Realität.

    • cashca sagt:

      @Fred Feuerstein
      Zitat: Schön langsam kann man erkennen, warum die Banken Probleme haben, nur das Volk wußte nicht warum. —
      ——-
      Wer wollte, der konnte es wissen. Viele, die die letzten Jahre genau verfolgt haben, haben es auch gewusst.. Ausserdem gab es genügend Fachleute ausserhalb der Regierung , die genau aufgeklärt haben, was Sache ist. Man hätte sie nur anhören müssen.
      Es ist immer das Gleiche, erst nicht hinhören, dann heißt es: Das konnte man nicht ahnen -wissen- erkennen u.s,w.
      Noch nie in der Geschichte der Menschheit gab es soviele Möglichkeiten, sich zu informieren, vor allem dank Internet. Alle renomierten Okonomen und Fachleute schreiben – Befürworter und Gegner der derzeitigen Politik schreiben in diesem Forum, jeder hat seinen Blog, man muß sie nur lesen.
      Dirk Müller, Schachtschneider, Henkel, Hankel, Frank Meyer, hartgeld.com,
      Andreas Popp, Helga Zepp LaRouche und viele mehr, Alles, was sie sagten, hat sich bewahrheitet.. Die Prognosen der Bueso seit Anfang 2000, wo ich sie verfolge, sind haargenau eingetroffen. LaRouche war übrigens einer der ersten, der die brisante Lage und Entwicklung erkannt hat , davo ständig gewarnt hat, und mit seiner Vorhersage voll richtig lag. Gleichzeitig war er aber auch derjenige, der am meisten ignoriert wurde. Niemand aht seine Warnungen veröffentlicht und darüber berichtet.
      Keiner kann heute sagen: Ich habe nichts gewusst ! Wenn die ganze Bude kracht, dann wird es jeder sicher merken.

  9. schlaumeister sagt:

    die astronomischen Schulden müssen im Kondratieff Winter völlig abgebaut wer-
    den. Da hilft kein Zaudern, Tricksen und Klagen, die simple Mathematik der
    Zinseszins Logarithmik ist nicht zu umgehen. Die poltische mit Scheuklappen
    vor der Wirklichkeit behaftete Klasse kann sich winden und die verrücktesten
    Bailout-Tänze aufführen, es ist umsonst, du rettest den Freund (das Finanzsystem)
    nicht mehr, so rette das eigene Leben, den Tod (Kollaps) erleidet es eben. Die
    intelligentesten, die das begriffen haben sind schon geflüchtet.

    • Alfi sagt:

      Flüchten geht leider nicht….

      Vorsorgen aber schon…

      Wohl dem, der in einem halbwegs „sicheren“ Arbeitsverhältnis steht.

      Sozialleistungsbedürftige und Rentner/Pensionäre dürften die nächsten Menschen sein, die für das System Federn lassen müssen.

      Na ja, schauen-wir-mal….

      • Raus aus Deutschland sagt:

        Flüchten geht nicht???

        Also die Chinesen sagen in Ihren „36 STRATEGEME“ das in einer ausweglosen Situation es das beste ist, das Weite zu suchen!

        Quelle:
        http://de.wikipedia.org/wiki/36_Strategeme

        Die Deutschen laufen immer noch mit Scheuklappen herum!
        Ist das so schwer ein bisschen „kreativ“ zu sein?

        Kein Wunder, das der Pöbel regelmässig von einer Elite zusammen geschossen wird. Stehen da wie die Schäfe, blöken herum and wehren sich nicht aber Meister im herum meckern.

        Kann man mit solchen Menschen Mitleid haben?

  10. ursel sagt:

    Und wir Idioten finanzierten den Verkauf von Hoch – Tief über Steuergelder die hatten zu der Zeit nichts auf der Naht. Aber weiter Ausverkauf der eigenen Industrie ,und dann stützen wir sie wieder mit EU Gelder.Was ein Hohn ,es Kotzt einem an.