Schulden nicht bezahlt: Spanische Behörden pfänden komplette Schuleinrichtung

Weil eine Schule trotz jahrelanger Aufforderungen die Schulden bei der Sozialversicherung nicht bezahlt hat, schritten nun die Behörden ein: Sie pfändeten mitten im Unterricht sämtliche Unterrichtsgegenstände. Schulbänke, Tafeln, Kreide und Sportgeräte wurden abgeholt – vor den Augen der verdutzten Kinder.

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160 Schüler im Alter von drei bis 17 Jahren gehen jeden Tag zu der Privatschule Santa Illa in Madrid. 600 Euro im Monat zahlen ihre Eltern dafür. Doch am Donnerstag kamen Beamte und Vertreter der Kriminalpolizei und nahmen mit den Worten „Legt die Bücher auf den Boden!“ die Schreibtische in Beschlag. Am Mittwochabend hatte die Schule ein Fax erhalten, das die Pfändung ankündigte, so die Sprecherin der Sozialversicherung zur Zeitung El Mundo. Seit den 90er Jahren schuldet die Schule der Sozialversicherung über 900.000 Euro. Und so nahmen die Beamten und die Vertreter der Kriminalpolizei alles, was ihnen in die Hände fiel: Stühle, Tische, Tafeln, Kreide und sogar Sportgeräte.

Die Eltern sind noch immer empört. Sie erhielten einen Anruf von der Schule, mit der Bitte, ihre Kinder abzuholen – besonders die kleinen. „Es ist beschämend, meine Tochter ist zehn Jahre alt und blieb weinend zu Hause“, zitiert El Mundo eine Mutter. „Mein Sohn hatte Angst“, bestätigt eine andere.

Der Leiter der Schulde, Iñaki Santa, „bekam bis zur letzten Minute die Möglichkeit, etwas zu unternehmen“, sagt Andres Ruiz, ein Beamter der Sozialversicherung. Seit über zehn Jahren gebe es Gespräche mit dem Leiter, er habe „hunderte von Anzeigen bekommen“ und Verwarnungen, aber es gab keine Reaktion. „Dieser Mann wusste Bescheid und hätte die Angestellten und Eltern über das, was vor sich geht, informieren müssen“, erklärt Andres Ruiz.
Donnerstagnacht bestätigte das Ministerium für Bildung, dass den Kindern der Schulbesuch in den gleichen Räumlichkeiten bis Juni garantiert werde.

Am Freitag wurden die gepfändeten Gegenstände wieder in die Schule zurückgebracht. Die Schüler blieben Zuhause. Nun überlegen 300 Eltern, ob sie rechtliche Schritte einleiten – jedoch nicht gegen den Schulleiter, sondern gegen die ihrer Meinung nach zu rüden Behörden.

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Kommentare

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  1. Christopher Engelmann sagt:

    Ein interessantes, aber leider tragisches Beispiel eines ‚Verantwortungsvakuums‘ zwischen Menschen, ihren systemischen Strukturen und kulturellen Werten.

    Die Behörde wirft dem Schulleiter eine zehnjährige Verantwortungslosigkeit vor und rechtfertigt dann ihre Handlung mit seiner (erstaunlicherweise) ausgebliebenen Verantwortungsbereitschaft, die Eltern und Schüler rechtzeitig zu informieren.

    Und spiegelt dadurch ihrerseits die eigene Verantwortungslosigkeit der Menschen in der Behörde. Vielleicht ist eine solche Erfahrung der Anlass, dass die Eltern von nun mehr Wert darauf legen, dass ihre Kinder lernen, was es bedeutet, Verantwortung für die eigenen Handlungen – auch hinsichtlich ihrer Mitmenschen zu übernehmen – damit es in Zukunft für alle Beteiligten besser werden kann.