Frankreich: Buchhändler streiken gegen Mehrwertsteuererhöhung

Nicolas Sarkozy will die Mehrwertsteuer für Bücher auf 7 Prozent erhöhen. Französischen Buchhändlern drohen damit weitere Gewinneinstürze. Viele planen einen passiven „Etiketten-Streik“– bei dem sie einfach keine neuen Auspreisungen vornehmen.

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Der Buchhandel gehört in Frankreich zu den unrentabelsten Geschäften. Nun droht sich ihre Lage noch weiter zu verschärfen: So sieht Sarkozy in seinem zweiten Krisen-Budget-Plan – das sämtliche Steuererhöhungen vorsieht – auch die Erhöhung der Mehrwertsteuer auf Bücher vor. Ab April soll die Anhebung von 5,5 Prozent auf 7 Prozent in Kraft treten.

Die Gewerkschaften des Buchhandels laufen schon jetzt Sturm gegen die Maßnahmen und warnen, dass die winzigen Margen der Buchhändler weiter schrumpfen werden, während sie mit hohen Mieten und Gebühren konfrontiert sind. Viele Buchhändler haben daher bereits einen „Etiketten-Streik“ angekündigt. Statt aktiv auf die Straße zu gehen, wollen sie sich schlichtweg weigern, die neuen Preise – nach Erhöhung der Mehrwertsteuer – anzupassen. Ein Hoffnungsschimmer bleibt: Präsidentschaftskandidat François Hollande versprach die Mehrwertsteuer rückgängig zu machen, denn „Kultur sollte eine politische Priorität haben“.

Die französische Regierung unterbindet seit 1981 mit dem Gesetz zur Buchpreisbindung den Buchhändlern jegliche Möglichkeit des freien Wettbewerbs. Preisnachlässe sind verboten – so zahlt der Kunde überall das gleiche, egal ob er online, bei einer Buchhandlungskette oder einem kleinen Buchhändler kaufen.

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Kommentare

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  1. Korsar sagt:

    Aufgrund der fortschreitenden Verarmung in Deutschland müsste die hiesige Buchpreisbindung aufgehoben werden. Das noch Luft in den Preisen ist, sieht man doch daran, das Großverlage politische Vereine und Institute bilden, die zum Ziel haben, die Menschen zu beeinflussen.

  2. spion und spion sagt:

    Die Herde läuft ins Netz und säuft sich ihre eigene Lebensgrundlage leer.
    Das vermeintliche Mehr an Information wird bezahlt mit halbgaren Kartoffeln, einem Reklamegau und einer Redundanz des Boulevard-Schwachsinns.

  3. Andre Engelmann sagt:

    Warum nur 7 Prozent ?? Nicht so zögerlich !!!!

    • buchhändler sagt:

      Lieber Andre Engelmann, wenn man keine Ahnung von einer Branche hat, dann einfach mal …… nichts sagen!

      • niekohle sagt:

        heute liest doch sowieso nur noch die Elite Bücher, der Rest guckt doch RTL und BLÖD. Da wäre es doch viel sinnvoller, 23% MwSt auf Bücher, dafür BLÖÖD kostenlos und RTK nur noch Werbung.

  4. mandelkern sagt:

    Die Buchhändler leiden an der Verdrängung des Buches durch andere Medien und an der Online-Konkurrenz.
    Sie leiden aber keineswegs an der Buchpreisbindung, im Gegenteil.
    In deregulierten Märkten wie England und der Schweiz hat das Händlersterben eingesetzt, weil Anbieter wie amazon Bücher weit unter Einstandpreis verkaufen.
    7% MwSt sind verkraftbar, deutsche Leser das zahlen seit eh und je.

    In der Schweiz mussten seit Aufhebung der Buchpreisbindung 2007 bereits 13% der Buchhändler schliessen, es bildeten sich Verlagskartelle und Discouter-Vertriebe.
    Am 11. März 2012 entscheiden daher die Stimmberechtigten
    über die Wiedereinführung der Buchpreisbindung in allen
    drei Schweizer Landesteilen.

    http://www.ja-zum-buch.ch/wp-content/uploads/2011/12/Argumentarium_kurz.pdf

  5. V.Bubnov sagt:

    Ha ha ha… Klar, dass die, die noch Bücher kaufen können – sollen mehr für die Unfähigkeit denen die nichts lesen zahlen.

  6. Walter Caspari sagt:

    Das ist in Deutschland übrigens nicht anders.