Nervosität: Kreditversicherungen für EU-Staaten teuer wie nie

Während die Aktienmärkte positiv auf das zweite Rettungspaket für Griechenland reagierten, steigen die Kosten für Versicherungen am Staatsanleihenmarkt auf ein Rekordhoch. Besonders die schlechten Wachstumsaussichten erhöhen für Investoren die Risiken im Euro-Raum.

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Seitdem das zweite Rettungspaket für Griechenland auf dem Weg ist (heute entscheidet der Bundestag darüber – hier) erleben die Aktienmärkte einen Auftrieb. Und dank des 3-Jahres Tenders der EZB sanken entsprechend die Zinsen für italienische und spanische Staatsanleihen – vor allem auch in Vorfreude auf den zweiten Tender in dieser Woche (hier). Doch der Blick auf den Markt für Credit Default Swaps zeigt ein ganz anderes Bild.

Die Kosten für Credit Default Swaps für europäische Anleihen sind auf einem neuen Rekordwert – doppelt so hoch wie im Juli, so Bloomberg. „Die Anleihemärkte glauben nicht die gleiche Geschichte wie die Aktienmärkte“, so Robin Marshall, von Smith & Williamson Investment Management, in einem Interview vom 22. Februar. „Die Länder haben immer noch riesige Schulden und befinden sich entweder in einem konjunkturellem Abschwung oder in einer Rezession.“

Statt wie in den USA noch mehr Schulden zu machen (diese lag im Dezember bei mehr als 100 % des BIP – hier), um die Wirtschaft wieder anzukurbeln, setzt man in der EU weiter auf Sparmaßnahmen. Dies, so Experten, erhöhe die Wahrscheinlichkeit einer Staatspleite und auch des Zerfalls des Euros. Entsprechend sind die Kosten zur Absicherung gegen eine Staatspleite mit CDS (Credit Default Swaps) für europäische Anleihen neun Mal höher als für amerikanische Anleihen. Das Kosten-Verhältnis zwischen der Versicherung von europäischen Anleihen und amerikanischen Anleihen lag Mitte vergangener Woche bei dem Rekordwert 9,81 zu 1. Vor sieben Monaten war das Verhältnis 4 zu 1.

Der Risikoindex Credit Default Swaps in Europa (Markit i Traxx Sov X Westeuropa Index) beobachtet 15 Nationen in Europa. So etwa die Credit Default Swaps von Deutschland, Italien, Griechenland, Finnland, Spanien und Großbritannien. Dieser stieg im Februar um neun Basispunkte auf 348. Zwar lag der historische Höchststand im November (25.) bei 385, aber der Wert wieder steigende Tendenz uns liegt 34 Prozent über dem Wert von Juli.  „Es gibt immer noch eine Menge Risiken in Europa“, sagt Brian Smedley, Stratege der Bank of America. Besonders die „Wachstumsdaten für Portugal, Griechenland seien einfach nicht nachhaltig.“

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Kommentare

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  1. Sozialkritiker sagt:

    Tja, bald wird sich zeigen, was diese Produkte überhaupt wert sind.

    Ihren Preis sind sie wohl kaum wert:

    Zwei Optionen stehen zur Auswahl:

    1. Das Kreditereignis wird per Definition ausgeschlossen. In dem Fall war die Prämie hinausgeworfenes Geld, und diente nur zur Bereicherung der emittierenden Banken.
    Diejenigen die sich damit versichert haben, werden doppelt bestraft: einmal wegen der verlorenen Prämien und einmal wegen der verlorenen Gelder durch den Bankrott.
    Das Vertrauen in diese Produkte wäre dahin.

    2. Das Kreditereignis tritt ein und die Banken zahlen aus, gehen dabei aber Pleite, um dann als systemrelevant vom Steuerzahler gerettet zu werden.

    So oder so, eine Katastrophe…

  2. Anno sagt:

    Haha – lustig:

    Die 5 US-Großbanken, die 97% aller CDS emittiert haben, haben ein Konsortium namens ISDA gebildet. Dieses Konsortium – und nur dieses – entscheidet darüber, was ein Default (Zahlungsausfall) ist – und ob die CDS triggern.

    Hinsichtlich Griechenland wurde darauf erkannt, dass der Haircut bei den Staatsanleihen keinen Default darstellt, ergo greifen die CDS auch nicht, weil die ISDA natürlich ihre Institute nicht in den Bankrott schicken will.

    In „Kreisen“ gibt es vorsichtige Schätzungen, die das Gesamtvolumen des im Umlauf befindlichen Wertpapiermülls auf etwa 700-1.000 Billionen USD (also grob das 10fache der Weltjahreswirtschaftsleistung) tarieren, die mit rund 60 Milliarden echten Vermögenswerten unterlegt sind.

    😉

  3. petra sagt:

    Gibt es eine Aufstellung der Emittenten dieser CDSs? wer und wieviel? das wäre doch wirklich interresant.

    • petra sagt:

      oooops…es gibt hier ja ganz genaue Schreiber – natürlich —> interressant!

    • schlaumeister sagt:

      Es sind zu 97% 5 USA Großbanken, deshalb das Herumgeeiere, die
      Banken wären pleite, wenn die CDS triggern. Die Höhe ist unbekannt,
      kann aber um das zigfache höher liegen als das abzusichernde Risiko.
      Könnte bei GR schon in die Billionen gehen. Das Weltfinanzsystem
      hängt deshalb am seidenen Faden und muß zwangsläufig untergehen.

      • petra sagt:

        Das sollte aber nicht nur uns klar sein – nur warum sollen denn nicht endlich auch einmal die Verantwortlichen den Bach runter gehen? Auf diese Art und Weise wie jetzt gewurstelt wird saufen einfach nur wieder die Falschen ab – na ja leider wie immer. Ich meine nur die Welt sollte das wirklich nicht einfach so ueber sich ergehen lassen. Da stimme ich mit Dagmar ueberein!

        • Faktor 1000 sagt:

          Versetz dich mal in die Lage derer die ihre investitionen (u.a. Staatsanleihen ) über CDS gegen ausfall abgesichert haben und jetzt die Erfahrung machen, dass die Versicherung im fall nicht reguliert.
          Die werden wenn überhaupt in Zukunft nur Kapital zur Verfügung stellen gegen Zins + entsprechenden risikoaufschlag + abschreibungsaufschlag für die erlittenen Verluste.ich rechne mit steigenden (Markt-)Zinsen
          Wer sichert sich noch mittels CDS ab wenn der betrug bekannt ist.
          Die 5 Banken die 97% der CDS ausgegeben haben werden sich ein anderes Betätigungsfeld suchen müssen.bis dahin fallen ihre Gewinne „etwas“ geringer aus mit allen Konsequenzen.so es sie und andere noch gibt.
          Wer trägt eigentlich letztendlich die Verluste durch die umverteilung……

  4. Dagmar sagt:

    „Statt wie in den USA noch mehr Schulden zu machen (diese lag im Dezember bei mehr als 100 % des BIP – hier), um die Wirtschaft wieder anzukurbeln, setzt man in der EU weiter auf Sparmaßnahmen. Dies, so Experten, erhöhe die Wahrscheinlichkeit einer Staatspleite und auch des Zerfalls des Euros. Entsprechend sind die Kosten zur Absicherung gegen eine Staatspleite mit CDS (Credit Default Swaps) für europäische Anleihen neun Mal höher als für amerikanische Anleihen.“

    Ja, bitte, und ganz schnell soll der Euro zerfallen. Und ja, ich nehme auch den Bankencrash gerne in Kauf, eben so wie die fällig werden CDS. Dann kann man sehen, wer dabei alles über die Wupper geht. Danach alle unseriösen Finanzprodukte verbieten, die Scherben zusammen kehren und neu starten, mit deutlich weniger Brüssel und neuen Darstellern in der Politik.

    • FDominicus sagt:

      „Danach alle unseriösen Finanzprodukte verbieten, die Scherben zusammen kehren und neu starten, mit deutlich weniger Brüssel und neuen Darstellern in der Politik.“

      Verbieten ist nicht nötig nur nicht Bail-outen wenn es mal wieder schief geht. Und das Ausleihen von Sichteinlagen sollte als das bewertet werden was es ist Betrug. Es reichte wenn jeder Versuch strafbar wäre. Idealerweise benutzen wir endlich mal wieder Geld als Wert statt Geld als Schuld. Dann könnten die Fiat-Geld Spieler nicht einfach ganze Volkswirtschaften an die Wand fahren….

    • schlaumeister sagt:

      Ach wie schön wäre dieses, wird aber leider Wunschdenken bleiben,
      der Crash wird hinausgeschoben und wenn er dann eintritt, werden
      die Auswirkungen weltweit verheerend sein.