Schweiz: EU-Krise trifft Pharmaindustrie stark

Die europäischen Länder schulden der Pharmaindustrie mehrere Milliarden Euro – Rechnungen die seit Monaten oder sogar Jahren nicht bezahlt wurden. Doch auch die Sparmaßnahmen der Regierungen machen Firmen wie Novartis und Roche zu schaffen. Preisreduzierengen führen zu starken Verlusten.

Die milde Rezession im Euroraum und die harten Sparmaßnahmen, an die sich Länder wie Griechenland, Spanien, Italien und Portugal (mehr hier) halten müssen, bereiten zunehmend auch den Pharmakonzernen Kopfschmerzen. Im Durchschnitt geben westeuropäische Länder 8 bis 12 Prozent des BIP für das Gesundheitswesen aus. Im angeschlagenen, griechischen Gesundheitssystem soll nun beispielsweise eine Milliarde Euro beim Ankauf von Medikamenten eingespart werden (hier).

Probleme gibt es vor allem bei der Rechnungszahlung. Mittlerweile „wächst die Besorgnis, dass einige Länder unsere Medikamentenlieferungen überhaupt nicht mehr bezahlen können“, sagt Isabel Guerra, Pressesprecherin von Novartis, gegenüber swissinfo.ch. Man überlegt bei Novartis und Roche bereits, die Lieferungen an Kunden, die ihre Rechnungen noch nicht bezahlt haben, einzuschränken oder Kreditrahmen festzulegen.

Europäische Länder schulden der Pharmaindustrie zwischen 12 und 15 Milliarden, erklärt der Europäische Industrie- und Pharmaverband (EFPIA). Bis zum 31. Dezember standen etwa allein in Spanien, Italien, Griechenland und Portugal Zahlungen des öffentlichen Sektors in Höhe von 1,74 Milliarden Euro aus.

“Wenn der öffentliche Sektor Sparmaßnahmen ergreifen muss, dann besteht eine Möglichkeit darin, die Bezahlung von Rechnungen hinauszuzögern oder überhaupt nicht zu zahlen“, erklärt Peter Zweifel, Professor an der Universität Zürich mit Schwerpunkt Gesundheitswesen. Das sei einfacher, als Verwaltungsstrukturen zu ändern oder Mitarbeiter zu entlassen. Besonders drastisch könnten sich die Pharmaunternehmen allerdings nicht wehren, so Peter Zweifel. “Die Regierungen würden sie aus dem Markt kippen und ihnen vorwerfen, die Gesundheit von Millionen von Bürgern zu gefährden.” Spanien ist mit 6,37 Milliarden Euro Schulden dieser Art, dem spanischen Dachverband Farmaindustria zufolge, der größte Schuldner (lokale und kommunale Regierungen in Spanien sind extrem hoch verschuldet – hier).

Neben dem Problem der hohen Schulden der einzelnen Länder gegenüber der Pharmaindustrie sind auch die seit der Krise fallenden Preise eine Herausforderung. Die Regierungen wollen sparen und sind nicht mehr bereit, zu hohe Preise zu zahlen. Novartis verzeichnete 2011 einen Rückgang des Reingewinns um 7 Prozent – wenngleich der Umsatz um 16 Prozent zulegte, so die New York Times.

Insgesamt ging jedoch der Pharma-Umsatz von Krankenhäusern und Apotheken zurück, berichtet Business Monitor International: in Frankreich um 2,2 Prozent, in Italien um 3,1 Prozent und in Spanien fast 9 Prozent. Entsprechend müssen die Pharmakonzerne ihre Strategien ändern, stärker auf die Wirtschaftlichkeit achten und notfalls die Zahl neuer Medikamente verringern und Forschungsgelder kürzen. Auch die Mitarbeiter der Unternehmen spüren die Krise. Novartis hat angekündigt, in diesem Jahr in den USA rund 2.000 Jobs zu kürzen, Pfizer entließ im vergangenen Mai 6.000 Mitarbeiter.

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  1. spion und spion sagt:

    Je nach Schätzung liegen 130 bis 180 Milliarden Euro deutsches Schwarzgeld in der Schweiz, schreibt die „Wirtschaftswoche“. (WW 2011) In einigen Bewertungen ist auch von bis zu 280 Mrd. Euro die Rede. (diepresse 2011)

    Mittlerweile besteht die Sorge, daß die Schweizer Banken ihre Schulden bei uns überhaupt nicht mehr bezahlen.
    Die Pharmagroschen behalten wir vorläufig ein.
    Und fordern rezeptfreies Morphium fürs Volk, um dem Wahnsinn zu entkommen.