Credit Suisse erwartet Griechen-Pleite am 9. März

In den kommenden Tagen wird die Frage entschieden, ob Griechenland auch formell pleite ist. Dann werden die Kreditausfallversicherungen (CDS) ausgelöst. Entschieden wird diese Frage von einem Branchen-Gremium der Banken (ISDA). Das Problem: Es gibt sehr gegenläufige Interessen. Vermutlich dürfte das Pendel in Richtung Gelddrucken ausschlagen.

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In einer Marktbeurteilung haben Analysten der Credit Suisse begründet, warum es aus ihrer Sicht am 9. März zur formalen Pleite von Griechenland kommen wird: Die Schweizer gehen davon aus, dass die rückwirkende Zwangsumschuldung (CAC) in Griechenland nach den entsprechenden Parlamentsbeschlüssen nun auch Gesetz werden. Am 8. März endet die Umtauschfrist der alten Staatsanleihen in die neuen (mit einem 53% Schuldenschnitt). Wenn danach die Mehrheit der Gläubiger nicht zugestimmt hat, wäre Griechenland pleite.

Allerdings muss die formale Erklärung der Zahlungsunfähigkeit („credit event“) von einem Branchen-Gremium offiziell erklärt werden: Die ISDA (International Swaps and Derivatives Association) ist eine Task-Force der Finanzindustrie. Sie trifft die Entscheidung nicht nach sachlichen Kriterien, sondern entsprechend der Interessenlage der Banken. Und hier ist das Timing interessant: Am Mittwoch wird die EZB bekanntgeben, mit wieviel Liquidität sich die Banken beim Februar-Tender (LTRO) eingedeckt haben. Am Donnerstag Vormittag will die ISDA verkünden, ob sie Griechenland für pleite erklärt oder nicht. Sie wurde am Dienstag von einem unbekannten Marktteilnehmer dazu aufgefordert und muss daher reagieren.

Beobachter halten es für denkbar, dass die ISDA die Pleite-Erklärung hinauszögern könnte. Formal kann die ISDA ohne Angabe von Gründen entscheiden. Mit dieser Lizenz zur Willkür zum Ermessensspielraum ausgestattet, kann es sein, dass die ISDA die europäischen Banken schützen will, die die etwa 3,2 Milliarden Euro an CDS ausbezahlen müssten. Zugleich könnte die ISDA damit einen Konflikt mit der Politik vermeiden:

Sie könnte mit dem Hinauszögen der Pleite-Erklärung eine Positionierung vermeiden, die im aktuellen politischen Kontext in einer ziemlich sicheren Niederlage enden würde: Denn offenbar gibt es in Europa Überlegungen, die CDS für Staatsanleihen ohnehin komplett auszuhebeln. Die Staaten wollen die Banken zu einer Aufgabe der CDS zwingen, indem sie die notleidenden Banken über die EZB mit Geld zuschütten. Im Gegenzug können die schwer mit Schrott beladenen spanischen Banken ebenso wie die italienischen Staatsanleihen weitermachen wie bisher, ohne wirkliche Reformen durchzuführen. Die EU hätte wieder einmal Zeit gekauft (und wieder für unvorstellbar viel Geld).

Ein erster Schritt in die Richtung der Verstaatlichung der Staatsanleihen war die Maßnahme der EZB, ihre Griechen-Bonds aus dem Schuldenschnitt herauszulösen.

Mit diesen beiden Maßnahmen – Subordination der privaten Gläubiger und Zerstörung des Kreditversicherungs-Wesens – würde die Finanzierung von Staaten endgültig und exklusiv in die Kompetenz der nationalen Banken fallen, was ja vorübergehend auch dem Konzept von Mario Draghi entspricht. In der Praxis hieße das, dass es für Staatsanleihen keinen Markt mehr gibt. Denn wenn sie nicht versichert werden können, kann kein Pensionsfonds oder keine Versicherung mehr Staatsanleihen kaufen. Die Draghi-Idee: Es wird für die Finanzierung der Staaten Geld gedruckt. Wie schon Ben Bernanke und die Bank of England hätte auch die EZB einen Weg gefunden, das Quantitative Easing durchzusetzen. Die Konsequenzen werden eine Deflation bei den Assets und Inflation bei den Preisen sein. Kombiniert ergeben diese beiden Entwicklungen ein Phänomen, das im Volksmund „Crash“ genannt wird.

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Kommentare

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  1. schweizer sagt:

    und der CRASH wird kommen !
    gut so ! ! !

  2. wieso sagt:

    Es wird unglaublich viel geschrieben – aber wieso nicht gleich über die Tatsache sprechen, dass die 5 größte Banken USAs via ISDA (und gucken Sie bitte auch die Board of Directors an …und vergleiche bitte mit den früheren Arbeitsgeber einige relevante Politiker in EU) unbegründet darüber entscheiden kann, was in Europa und EU passiert. Und noch weiter dazu wie die Ratingagenturen entscheiden kann wie teuer es sein soll für die Banken und letzendlich die Wirtschaft ans Geld zu kommen. Wir haben viel zu viel Monopolstellungen und manipulative Lobbyischmuss erlaubt – dass muss aufhören!!

  3. Charly Finger sagt:

    Probleme kann man niemals
    mit derselben Denkweise lösen,
    durch die sie entstanden sind.

    A. Einstein

  4. Steppenwolf sagt:

    also , ich verstehe die ganze Aufregung nicht, habe ich schon mal geschrieben-
    Unser Geldsystem beruht auf Zins und Zinseszins, daher auch immer höhere Zahlen
    die genannt werden. Heute wird schon mit Billionen gerechnet- wird bei der Anzeige
    vom Taschenrechner schon langsam eng. Kann man mit weitren aufblasen und der
    Globalisierung rauszögern aber nicht verhindern. Alle zwei bis drei Generationen
    kommt es zum Crash. Dazu gibt es schöne Seiten- Wissensmanufaktur, Steuerbykott
    oder Steuembargo. Wer dann noch nicht weiß was eigendlich Geld ist und warum
    die meisten pleite sind dem ist dann auch nicht mehr zu helfen.

  5. bujar sagt:

    aleks das ist dochts dagegen griechland bezahlt in albanien…einer von staedten Himara rente4-500 euro den bewohnern wen er bereit ist oefentlich zu sagen er were grieche also ist doch klar das zu viele gesagt haben wir sind grichen und ich bin mir sicher das du das nicht wustest

  6. alecks sagt:

    Chaotische Zustände auf Steuerämtern in Griechenland

    Unterdessen berichten griechische Medien am Mittwoch von chaotischen Zuständen auf griechischen Steuerämtern. Kein einziges Steuererklärungsformular sei bislang an die Bürger geschickt worden.

    cash.ch

    kein einziges Formular? Sind die noch zu retten? Bitte lasst diese Chaoten Pleite gehen