Irland will Investoren mit Visa-Bonds locken

Die irische Wirtschaft steht bei weitem nicht auf sicheren Füßen – nun will die Regierung mit besonderen Angeboten Investoren und Unternehmen ins Land holen. Geld im Tausch gegen Visa und Steuererleichterung. Besonders Investoren außerhalb der EU sollen kommen.

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Zwar hat Irland nun das OK der Troika zur letzten Tranche des Rettungspaketes erhalten, aber das Land ist nicht in einer Situation, wo die letzte Auszahlung auch ein Zeichen für ein Ende der Krise ist. Die immensen Sparmaßnahmen, die mit dem Rettungspaket verbunden waren, haben der irischen Wirtschaft alles andere als geholfen (hier). Vielmehr profitierten die Banken davon. Nun will die Regierung versuchen, die irische Wirtschaft mit Investoren wieder aufzubauen.

Um Irland dementsprechend attraktiv zu machen, macht das Land den Investoren ein paar interessante Angebote. So soll es in den nächsten Monaten möglich sein, eine Visa für Irland zu erhalten. Im Gegenzug müssen mindestens 2 Millionen Euro in niedrig verzinste Wertpapiere, eine Million Euro in Immobilien oder in irische Unternehmen investiert werden. Die Wertpapiere sind allerdings nicht handelbar und haben eine Laufzeit von mindestens fünf Jahren.

Investoren aus dem außereuropäischen Ausland sind für die irische Regierung der ideale Ansprechpartner. „Es gibt vielleicht Geschäftsleute in China oder in Brasilien oder in verschiedenen Nicht-EU-Ländern, die gerne das Recht hätten, hierher zu kommen und hier zu wohnen“, erklärte die irische Justizminister Alan Shatter in einem Interview mit Bloomberg. „Das Programm hat großes Potenzial.“ Da trifft es sich gut, dass gerade chinesische Unternehmen versuchen, sich in den europäischen Markt einzukaufen, um Technologien abzuzweigen (hier).

Irland führe derzeit eine „internationale Charme-Offensive“, erklärte Irlands Premierminister Enda Kenny bei einem Treffen mit dem früheren US-Präsidenten Bill Clinton in New York. So bietet die irische Regierung auch Vermittlungsprovisionen für Menschen, die neue Arbeitsplätze im Land schaffen, und Steuererleichterungen für Führungskräfte, die nach Irland ziehen, an. „Je weiter wir in der Krise stecken, umso mehr müssen wir uns eben ein wenig mehr einfallen lassen“, sagte Austin Hughes, Ökonom der Bank Ireland.

Die Idee der Visa gegen Geld ist nicht neu. Auch die USA, Zypern und Lettland hatten ähnliche Ansätze. Klar ist jedoch: Irland braucht Investitionen. Die Arbeitslosigkeit im Land verdreifachte sich auf durchschnittlich 14,2 Prozent im vergangenen Jahr – 2007 waren es 4,5 Prozent. Die Wirtschaft sank in dieser Zeit um 15 Prozent.

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Kommentare

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  1. Raus aus Deutschland sagt:

    Ich stimme MFK zu!

    Natürlich gibt es Leute in der Dritten Welt, die gerne einen EU Pass hätten.

    Wer einen „gesunden Menschenverstand“ hat stelle sich einmal vor.
    Da ist ein schlecht bezahlter irischer Beamter. Seine Familie kommt kaum mit dem Geld hin.
    Da kommt dann jemand und legt ihm 20.000Euro auf den Tisch und einen Passantrag.

    Der Rest ist „Papierkram“! Papier kann sehr geduldig sein.

    Ich erinnere an die Visasache in der Ukraine!
    Die Griechen kommen sicher auch mit so einem Programm wenn die Iren das machen.
    Andere werden dann nachziehen!

    Muss schmunzeln bei dem Gedanken.
    Genau so läuft es in Bananenrepubliken ab und Europa strebt genau dahin.

  2. MFK sagt:

    Na klasse, irische Visa gelten dank Schengen auch in Deutschland.

    • Griechenlandkritiker sagt:

      Sehe ich wie Knut. Warum sollte jemand, der eh schon reich ist, scharf auf ein irländisches Visa sein? Bis auf die niedrigen Unternehmenssteuern bietet der Standort doch keinerlei Vorteile und selbst genannte Niedrigsteuern sind im Begriff, im Zuge der (vom IIF bewusst provozierten) Bankenkrise mindestens auf EU-Durchschnitt angehoben zu werden, damit kurzfristig ein bisschen mehr Geld aus den Unternehmen geleiert werden kann. Wenn man dann noch bedenkt, dass Irland ein denkbar schlechter Ort ist, um sich privat als Millionär niederzulassen, da auch hier die ausgeraubte Bevölkerung schon nach dem Blut der Finanzschmarotzer und Reichen dürstet, vermute ich, dass dieser Plan nicht aufgehen wird.

      • schlaumeister sagt:

        Eine weitere Schwachsinnsidee, von den Politkern, denen das Wasser
        schon bis zum Hals steht. Da sieht man, dass Draghi den Bankstern
        Billionen hinten rein schiebt, die Realwirtschaft aber am Stock geht.

  3. Knut Hut sagt:

    „Es gibt vielleicht Geschäftsleute in China oder in Brasilien oder in verschiedenen Nicht-EU-Ländern, die gerne das Recht hätten, hierher zu kommen und hier zu wohnen”

    Das soll wohl ein Witz sein? Jemand der Geld hat hat in Brasilien die beste Lebensqualität überhaupt. Bessere Ärzte, super Wetter, kein Streß.

    Ich gehe jedenfalls in einer Wohnungen in Brasilien in Rente. In Europa bleibe ich nur so lange wie ich noch arbeiten muß. Oeder so lange es sich noch lohnt. Inzwischen verdienen Führungskräfte in Brasilien mehr als in Deutschland.

    • Karin Jürgens sagt:

      @ Knut Hut
      Aber viele freilebende Schlangen, auch giftige, gibt es in Brasilien. Denk‘ lieber noch einmal in Ruhe darüber nach.