ISDA: Griechenland ist kein Credit-Event

Der Verband der Finanzinvestoren ISDA hat entschieden, dass der Umtausch griechischer Anleihen keinen Credit Event darstellte. Griechenland bleibt damit vorerst zumindest formal zahlungsfähig. Die Ausfallversicherungen CDS kommen also noch nicht zum Einsatz.

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Der Verband der Finanzinvestoren ISDA hat entschieden, dass der Umtausch griechischer Anleihen keinen Credit Event darstellt. Griechenland bleibt damit vorerst zumindest formal zahlungsfähig. Die Ausfallversicherungen CDS kommen also noch nicht zum Einsatz.

Die ISDA hatte konkret zu zwei Fragen Stellung bezogen. Die erste Frage lautete, ob die privaten Kreditgeber beim Schuldenschnitt schlechter gestellt seien, da beispielsweise die EZB und höchstwahrscheinlich auch die EIB (hier) vom PSI ausgeschlossen sind. Die zweite Frage bezog sich darauf, ob die Einführung der Schuldenklausel in das Angebot der griechischen Regierung an die Gläubiger, nicht die Auszahlung der CDS auslösen würde. Beide Fragen wurden von der ISDA mit Nein beantwortet.

Damit ist allerdings der so genannte „credit event“ noch nicht vom Tisch. Es ist sehr wahrscheinlich, dass dieser von der ISDA erst bestätigt wird, wenn sich nicht genug Gläubiger am Schuldenschnitt beteiligen und es dann tatsächlich zu einer Anwendung der „collective action clauses“ kommt. Diese könnte in der Tat den „credit event“ auslösen.

Für die Entscheidung traf  ein 15-köpfiges Gremium der ISDA: 10 Banken und fünf Investoren stellten die Mitglieder des Gremiums. Mindestens 12 hätten zustimmen müssen. Unter den Beteiligten im Gremium finden sich unter anderem die Deutsche Bank, Goldman Sachs, JPMorgan, Société Générale, Credit Suisse und die Bank of America.

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Kommentare

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  1. Auf Intensiv sagt:

    Der griechische Patient ist nicht tot. Er ist nur nicht mehr am Leben. Die Tätigkeit von Herz, Lunge, Leber und Nieren haben inzwischen Maschinen übernommen, d.h. man rettet ihn laufend. Mit großem Aufwand hat man sich so Zeit erkauft, um in Ruhe überlegen zu können, wie man den Patienten wieder ins Leben zurück bringen kann. Die heutige Medizin reicht dazu allerdings nicht aus. Zwar könnte man ihm eine Reihe von Organen transplantieren, aber das bringt nichts, da er zentral hirntot ist. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt, und man hofft weiter auf die Genialität von Ärzten und auf Innovationen aus den Bereichen Pharmaindustrie und Medizintechnik, die irgendwann einen Durchbruch zum Besseren bringen könnten. Die Behandlungskosten haben schon astronomische Höhen erreicht, und so mußte die europäische Zentral-Krankenkasse mit Milliarden helfen…

  2. Klaus sagt:

    Diese Entscheidung ist wohl gar nicht schlecht. Warum? Durch diese Entscheidung wurde gezeigt, das CDS praktisch wertlose Papiere sind. Das wird zur Folge haben, daß in Zukunft Staatsanleihen praktisch nicht mehr effektiv versicherbar sind. Das wiederum bedeutet, daß es kaum noch Käufer geben wird und die Staaten sich kaum mehr refinanzieren werden können.

    Das sind doch mal gute Neuigkeiten!

    • sonnenblatt sagt:

      Naja, wie man es sieht….

      wenn die einzelnen Staaten sich als Nationalstaaten nicht mehr finanzieren können, wird jetzt erst recht der Hype zum Ein-Staat-Europa losgehen, mit Eurobonds o.ä. Konstrukten, denn nur dann sind Staaten weiter finanzierbar…

      Das SYSTEM ist m.E. damit erstmal noch nicht am Ende….

      • Adept sagt:

        Doch, das System ist am Ende und wird gerade durch ein neues ersetzt,
        klammheimlich, durch die Hintertür.

        Die EZB druckt das Geld, das die Staaten brauchen und schleust es via Banken zurück in das Staatssäckel.
        Die Steuerzahler stehen jetzt für diese fiktiven Summen gerade.

        Damit werden in Zukunft die bisher realen Werte aus der Geschäftswelt marginalisiert. Das wird insbesondere geschehen, wenn die Wirtschaft in die Knie geht.

        Die Politik erfindet das Geld gerade neu, es wird „politisiert“: nicht mehr die Wirtschaftskraft entscheidet über die Finanzen sondern der politische Wille.
        In absehbarer Zeit soll der Wert des Geldes ersetzt werden durch ein Agreement, das Wirtschaftsdaten erfaßt ohne dass diese Einfluß auf die Geldkraft besitzen.
        Geld ist ab sofort ein Glaubensbekenntnis (Ich glaube an den Euro,an die Europäische Union, etc).

        Das macht natürlich Sinn, wenn man im Blick behält, dass die Europäische Politische Elite gerade dabei ist die europäische Gesellschaft komplett zu zerstören – mit Absicht. Denn nur so kann man die gewünschte neue Gesellschaft aufbauen, in Amerika hat man es ja vorgemacht:
        ein Völkergemisch ohne die eigene Willenskraft eines Volkes, beliebig steuerbar, Menschenmaterial.

        Die Lüge, daß alle Menschen gleich sind, wird wahr, indem man alle Werte zerstört.

        • Michele sagt:

          „…Damit werden in Zukunft die bisher realen Werte aus der Geschäftswelt marginalisiert…“

          Allerdings zieht die „Wirtschaft“ bewusst oder unbewusst am gleichen Strang.

        • Korsar sagt:

          @ adept, ich stimme Ihnen, leider, völlig zu. Hier geht es nur noch um die Massen für die unterschiedlichsten Zwecke verfügbar zu machen.
          Das eigene Land wird völlig fremd.

    • mandelkern sagt:

      Die Refinanzierung durch Investoren funktioniert schon lange nicht mehr.
      Die Versicherung wird längst von der EZB übernommen, die Billionentender frisches Geld an die Banken vergibt, damit diese gegen Zinsdifferenz weiterhin die Staaten versorgen, das ist der Deal.
      Die Phase der Monetarisierung durch Inflation hat längst begonnen.

      • Michele sagt:

        Genau, das wird sich noch rächen. Sparen im üblichen Sinne wird durch die „Nullzinspolitik“ der EZB unterminiert.

        Sparerverluste fördern ehr das Schuldenmachen. Lebensvorsorge wird erschwert. Abzocken der Kleinsparer (Zins unter Inflationsrate).

        Man lebt folgedessen eher von der Hand in den Mund…und das ist nicht sehr privat- oder staatserbauend…

  3. Spartacus sagt:

    die CDS – werden auch nicht fällig wurde beschlossen !

    Also haste eine Kredit Ausfall Versicherung (CDS) extra dafür abgeschlossen daraus wird nun nichts !!!

    Also sind diese doch nocht nicht ganz so Pleite wie sie eigentlich schon sind.

  4. Sozialkritiker sagt:

    Tja, dann werden sich wohl einige Gläubiger ihrerseits unter Gläubigerschutz stellen müssen bzw. als systemrelevant retten lassen.

    So oder so, handelt es sich um einen kontrollierten Kollaps des Systems.

    Siehe Volksbanken in Österreich. Wieder gerettet, null Konsequenz, und die Nächsten Banken warten schon…

    Würde man das Geld drucken müssen, müssten Druckereien nur so aus dem Boden sprießen. Mitsamt den Arbeitnehmern…

    • Michel sagt:

      „Würde man das Geld drucken müssen, müssten Druckereien nur so aus dem Boden sprießen. Mitsamt den Arbeitnehmern…“

      Nein, das würden wie bekannt Druckmaschinen übernehmen mit ein paar wenigen Arbeitnehmern. Wir kennen das hinlänglich aus der allg. Voll-Automatisierungstechnik. Mit Giro-Computergeschöptem Geld braucht es allerdings keine neuen Arbeitskräfte.

      Bald übernehmen Maschinen alles, ausser den menschlichen Dienstleistungen. Spätestens dann müsste das Abgaben-System der Staaten angepasst werden um die Ungleichgewichtigkeit zwischen Mensch und Maschine aufzuheben.

  5. Munnie sagt:

    Jeff Thomas hat in einem Aufsatz bei „Propagandafront“ die Vermutung angestellt, dass die FED für ihren Billionen-Dollar-Kredit an die EZB wohl vermutlich Sicherheiten gefordert hat. Dies könnte das in den USA gelagerte europäische Gold sein…..

    http://www.propagandafront.de/1102630/euro-crash-finger-weg-das-gold-bleibt-hier-in-amerika.html

    Na, die FED muss ja wissen, ob es überhaupt noch da ist……..
    Für Jeff Thomas scheint das aber wohl festzustehen.

    • Tom Komm sagt:

      Das war insofern clever!
      Sollen sie es ruhig nehmen, hahaha.
      Aber erst, wenn wir bei 20.000 USD pro Unze sind oder höher.

    • Korsar sagt:

      Das kann ja wohl alles nicht mehr war sein. Warum, will ein US- Präsident, US- Staatsbürger ohne Recht und Gesetz, einfach weg sperren können?
      Und warum, äußert sich hier die Weltöffentlichkeit nicht? Für das Einsparen von CO2, werden monatelange Diskussionen geführt.

  6. Haikubehindert sagt:

    Die Versicherer zahlen nichts, selbst beim technischen Bankrott eines Kleinstaates-diese Botschaft wird verheerende Auswirkungen auf das Finanzsystem haben.

    a) Das Vertrauen in Bonds wird sinken
    b) Wer trotzdem Bonds kauft muss sich anderweitig im Risiko absichern, das heisst dem System wird Geld entzogen, also noch weniger Kredit an die Realwirtschaft.
    c) Es könnte doch noch zum Kollaps des Euro kommen, da die PIIGS Staaten wohl in Zukunft ausser über EZB-Tricks keine Bonds mehr absetzen können, also wird wohl doch der Euro-Bond durch die Hintertüre kommen = Pauschalhaftung.
    d) Langfristig könnte das ganze Fiat Money System kollabieren, denn alle Währungen garantierten bisher ihren Wert über diese CDS.

    • Werner sagt:

      Iwo, jene amerikanischen Grossbanken die wohl die Überzahl der CDS’es ausgestellt haben werden nun halt einfach „CDS’es auf CDS’es“ (also sogenannte „CDS squares“ verkaufen.
      In der Finanzwelt findet man immer jede Menge Dummer denen man etwas das sie nicht verstehen verkaufen kann. Business as usual (genauer gesagt : Hochfinanz ).

      mfg. Werner

      • Haikubehindert sagt:

        nö, es beginnt bereits im Markt zu wirken, heute haben nur noch Länder steigende CDS die nicht in einem Wirtschaftsverbund „gerettet“ werden können, so zum Beispiel China, Ägypten, Dubai, Japan.

        Alle Euroland CDS sind am sinken (weil sie weniger gekauft werden), auch die der Griechen.
        http://www.cnbc.com/id/38451750/

        Das Vertrauen in die Bonds-Versicherung schwindet.