Staatsanleihen: Italien und Spanien freuen sich über Geldschwemme

Der neue Tender der EZB wurde dankend von den Banken entgegengenommen. Wie erwartet gab es einen entsprechenden Run auf spanische Anleihen bei einer Auktion. Auch die Zinsen für italienische Anleihen gingen deutlich zurück - für zehnjährige Bonds fielen sie erstmals wieder unter die 5-Prozent-Marke.

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Der Ansturm auf den Staatsanleihen-Markt war wie erwartet sehr groß, nachdem gestern 800 Banken EZB-Kredite im Umfang von 530 Milliarden Euro abgezogen haben (hier). Schon in den Wochen nach dem ersten Tender im Dezember fielen die Zinsen entsprechend. So konnten sich Italien und Spanien am Donnerstag über eine große Nachfrage und sinkende Zinsen freuen.

Insgesamt verkaufte Spanien am Donnerstag Anleihen im Wert von 4,5 Milliarden Euro. Die Zinssätze für 3-Jahres-Anleihen fielen von 3,332 Prozent auf 2,617 Prozent und die 4-Jahres-Anleihen beispielsweise gingen für 3,376 Prozent über den Tisch – Ende Januar lagen sie noch bei 4.9021 Prozent. Da dank der EZB am Markt ausreichend Liquidität vorhanden war, war die Nachfrage nach dreijährigen Anleihe 2,37 Mal so hoch wie das Angebot.

Gut sah es auch für die italienischen Staatsanleihen aus. Die Zinsen für die zweijährigen Bonds fielen am Markt auf den niedrigsten Stand seit Oktober 2010 und wie bei den spanischen Anleihen mit einer Laufzeit von 10 Jahren sanken die Zinssätze auch für italienische Anleihen mit derselben Laufzeit unter die 5-Prozent-Marke. Mit dem heutigen Ergebnis haben die italienischen Anleihen quasi alle Verluste aus dem vierten Quartal des letzten Jahres wieder gut gemacht.

Die Geldschwemme der EZB hat im Prinzip dazu geführt, dass die Downgrades der Ratingagenturen in den vergangenen Wochen und auch die Risiken, die mit einem noch nicht abgeschlossenen Schuldenschnitt in Griechenland einhergehen, beim Anleihekauf keine Beachtung finden. Es gibt einfach so viel Geld, das investiert werden will. Vor allem bei einem so niedrigen Zinssatz wie beim EZB-Tender (hier).

Besonders bei spanischen und italienischen Anleihen investieren überwiegend die einheimischen Investoren (hier). Allein Italiens Banken haben am Mittwoch 130 Milliarden Euro über den EZB-Tender bezogen (hier). Beim ersten Tender im Dezember waren die italienischen Banken sogar die größten Kreditnehmer (mit insgesamt 116 Milliarden Euro – hier).

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Kommentare

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  1. otto936 sagt:

    Zitat: “ Es gibt einfach so viel Geld, das investiert werden will“.

    Und der Bürger betrachtet derweil verzückt seine Heizölrechnung.

  2. Korsar sagt:

    Genau das ist das Fatale. Es wird nun die Meinung hochkommen, das man nur Europa mit Geld überschütten muss, möglichst aus DEutschland, und dann ist wieder alles in Ordnung. Fatal, fatal.

  3. dogbert sagt:

    Keynes Jünger geben Vollgas. Richtung Steilklippe.

  4. Haikubehindert sagt:

    Da sich weder Italien noch Spanien noch Griechenland in absehbarer Zeit wieder hocharbeiten können, finanziert die EZB Europas Banken in’s Todesrisiko. Mehrfach wurde gezeigt dass die Geldflut die Realwirtschat nicht erreicht -wegen der Sparprogramme. Liquiditätsspritzen bei gleichzeitige
    an Sparprogrammen sind Brüning- Politik.

    Es fehlt an Konsumenten und zunehmend auch Innovation. Der Kollaps seinereit in Argentinien hatte gezeigt, der Staatsbankrott ist nicht das grösste Risiko -noch schlimmer wirkt das Hinauszögern unter Erhaltung der gegenwärtigen Handelsungleichgewichte in Europa.

    Die Liquiditätsflut vertieft diese Ungleichgewichte sogar noch, denn sie verhilft dem Teufel der Umverteilung weiterhin zum billigen Kredit, die er neben dem Kauf von Staatsanleihen alsbald wegen dem gefallenen Vertrauen in die CDS Papiere an die Aktienbörsen bringt wo sich dann Rohstoffe wie Erdöl verteueren.

    • Korsar sagt:

      Es fehlt aber auch am Einsehen. Am Einsehen, das der Import möglichst geringeren Anteil halten muss als der Export. Das ist auch das, was die noch betuchten Griechen nicht begreifen. Der Export sollte höher sein, als der Import. Aber, wenn ich nichts mehr zu exportieren habe, dann kann ich auch nichts mehr importieren. Importe kosten Geld, Exporte bringen Geld. Aber auch nur, in einem Europa, mit verschiedenen Währungen. Dann kann man auch Vergleiche ziehen und jedes Land seine eigenen Maßnahmen einleiten.
      So denkt jeder nur an das Geld ausgeben. Natürlich nicht das eigene.

  5. schlaumeister sagt:

    Gut so, wir drucken uns mit Monopoly Geld aus der Krise. Warum überhaupt noch
    Staatsanleihen ausgeben und teure Zinsen zahlen? Braucht keiner mehr, die EZB
    finanziert einfach die Pleitestaaten mit der Druckerpresse. Jetzt sinds Billionen,
    bald werdens Billiarden sein, bis keiner mehr an den Wert des Geldes glaubt und
    es auch nichts mehr wert sein wird. Draghis schöne neue Scheinwelt, die letztlich
    alle Guthaben auf Null bringt. Staatsanleihen sind jetzt schon nur noch Geldma-
    schinen für Banken. Kaufen sie um Zinsen einzusacken, mit Geld, das sie für
    lächerliche 1% von der EZB nachgeschmissen bekommen. D.h., das einzige Sys-
    tem, das dann noch funktioniert, ist das System der Finanzverbrecher, die Real-
    wirtschaft säuft ab, die brauchen die Irren einfach gar nicht mehr.