EZB-Tender: Allzeitrekord bei Übernacht-Einlagen

Misstrauen untereinander und die extrem hohen Geldmengen im Markt treiben die Übernacht-Einlagen bei der EZB auf einen absoluten Höhepunkt: Seit der Euro-Einführung parkten Banken noch nie so viel Geld. EZB-Chef Draghi ist indes zufrieden mit dem 2. Tender (Mit Video).

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Die Höhe der Übernacht-Einlagen ist nicht ganz überraschend angesichts der 530 Milliarden Euro, die die EZB über ihren zweiten Tender am Mittwoch an die europäischen Banken ausgegeben hat. Aber es ist bezeichnend für die derzeitige Lage am Interbankenmarkt. In der Nacht von Donnerstag auf Freitag parkten die Banken bei der EZB fast 777 Milliarden Euro – das ist das meiste seit der Einführung des Euro 1999!

Hoch ist auch der Sprung, der zwischen Mittwoch- und Donnerstagabend eingetreten ist. In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag betrugen die Einlagen bei der EZB 475,2 Milliarden Euro. Das ist ebenfalls viel, aber es sind immerhin rund 314 Milliarden Euro weniger. Es ist einfach sehr viel Geld im Umlauf, das investiert werden kann. Bereits am Donnerstag nutzten Investoren die Möglichkeit, in spanische Staatsanleihen zu investieren (hier).

Andererseits ist das Vertrauen der Banken untereinander noch immer gering und die ISDA Entscheidung, dass noch kein „Credit Event“ im Fall Griechenland eingetreten ist, trägt ebenfalls nicht zur Beruhigung der Märkte bei (hier). Erst in den kommenden Wochen wird sich zeigen, ob vielleicht diesmal etwas von der Geldschwemme der EZB in der Privatwirtschaft ankommt (beim ersten Tender war es zumindest nicht so – mehr hier).

EZB-Chef Draghi zeigte sich indes am Donnerstag in Brüssel zufrieden. Es gäbe „zaghafte Zeichen einer Stabilisierung“ und „wir sind einigermaßen zufrieden“ mit der Teilnahme am zweiten Tender. Nicht nur aufgrund der Höhe der abgerufenen Kredite sindern auch aufgrund der hohen Anzahl unterschiedlicher Banken. Es sei das Ziel gewesen, gerade auch die kleinen mittleren Banken zu erreichen, die größtenteils für die Kreditvergabe an Unternehmen verantwortlich sei.

 

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Kommentare

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  1. Michele sagt:

    Liebe Banken, wenn das Geld wirklich nicht auf dem Realmarkt unterzubringen ist, ich würde 10 000 Eurolein nehmen. Ich biete 0,26%, immerhin 0,01 Prozent mehr als die Zentralbank. Und das wäre real, keine Luftnummer.

    Als Laie mit Informationsdefiziten frage ich mich. Warum hat man Banken wieder mal mit der Gießkanne Euros beschafft? Und welche Banken haben es besonders bekommen: Nord/Süd? Warum kriegen die überhaupt EZB Geld, wenn sie es nicht sofort vernünftig unterbringen können. Braucht das Zeit? Was wird mit dem Geld veranstaltet?

    Wenn die Kaufkraft der Bürger abnimmt bzw. nicht mehr ausreicht, entstehen Überkapazitäten in der Wirtschaft. Folglich nehme ich an, dass dann als Folge auch Überkapazitäten bei den Banken entstehen.

    Wenn es nicht alles so traurig für die Steuerzahler wäre, könnte ich mich ein wenig amüsieren, so aber kratze ich mich gewaltig am Hinterkopf.

    • Michele sagt:

      Falls der Geldregen nur für Bonds benutzt wird, kann der Steuerzahler für die weitere Schuldenverzinsung gleich wieder mit Erhöhung der Steuern und Abgaben rechnen.

      Und schon haben wir wieder Kaufkraftverluste. Von sonstigen bail-out-Kosten, Energiekosten, Lebenmittelkosten mal ganz abgesehen.

      Der Ast auf dem mehr oder weniger alle sitzen, könnte die Belastung evtl. nicht mehr aushalten und brechen.