Griechenland: Investoren warnen vor weiteren Tricks mit CDS

Internationale Investoren halten die Nicht-Auslösung von Kreditausfallversicherungen (CDS) in Griechenland für sehr bedenklich: Wird es zur Regel, dass die CDS nichts mehr wert sind, hätte das weitreichende Folgen für die Refinanzierung von Spanien und Italien. Und auch die Banken würden ein attraktives Geschäftsfeld verlieren.

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Geht es nach Jean-Claude Trichet, dem ehemaligen Präsidenten der EZB, sollen die Ausfallversicherungen für griechische Staatsanleihen (CDS) auch weiterhin nicht ausgelöst werden. Trichet, sowie andere EU-Politiker fürchten, dies könnte Investoren zu Wetten gegen andere EU-Staaten animieren – eine Sorge, die vor allem Frankreich umtreibt, wo demnächst gewählt wird und man Reformen gerne vermeiden möchte (hier).

Das Branchengremium der Investoren (ISDA) hatte in der vergangenen Woche entschieden, dass der Umtausch griechischer Staatsanleihen keinem Zahlungsausfall entspricht (mehr hier).

Doch werden die Ausfallversicherungen auf Dauer nicht ausbezahlt, würde dies einen äußerst negativen Effekt auf die Finanzierung anderer europäischer Staaten wie Spanien und Italien haben: „Der Markt für CDS schreit förmlich nach Vertrauen. Immerhin sind wir hier nicht in einem rechtsfreien Raum. Gerade für größere Anleihenmärkte wie Italien und Spanien ist es wichtig, dass die Absicherungen von den Investoren als glaubwürdig wahrgenommen werden“, sagte Anleihenstratege Nicholas Spiro dem Nachrichtendienst Bloomberg.

Ohne eine verlässliche Versicherung stellen die Staatsanleihen ein zu großes Risiko da und würden von Investoren nicht mehr aufgenommen werden. Die Zentralbanken – allen voran die EZB – müssten die Finanzierung der Staaten vollkommen übernehmen.

Auch für die Banken wäre es ein herber Verlust, wenn der Einsatz von Ausfallversicherungen verhindert würde. Denn sie machen mit der Versicherung von Staatsanleihen ein gutes Geschäft. Das Marktvolumen von CDS-Geschäften beträgt an die 258 Milliarden Dollar. Könnten die Investoren nicht mehr darauf vertrauen, dass die Versicherungen ihre Leistung erbringen, wäre dieser Markt wohl zerstört.

Beobachter rechnen daher damit, dass ISDA spätestens einen erzwungenen Schuldenschnitt (CAC) für Griechenland als Zahlungsausfall werten wird. Offenbar stellen sich auch zahlreiche Banken und Hedge Fonds daruf ein. Sie wissen, dass sie ihm Klagefall gute Chancen haben. Dies gilt vor allem für nach englischem Recht ausgegebene griechische Bonds. In diesem Fall könnte auch die Deutsche Bundesbank in Haftung genommen werden – einer der Gründe, warum man in Berlin die Pleite auf jeden Fall vermeiden möchte (mehr hier). Die Troika rechnet damit, dass die erhoffte, massive Zustimmung zum PSI geringer ausfallen dürfte als ursprünglich erhofft. Damit könnte der Credit Event am 9.März eintreten, wenn alle Anleger ihre Griechenland-Anleihen umgetauscht haben müssen (mehr hier).

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  1. Haikubehindert sagt:

    Bei den Griechen muss man derzeit 24000 US$ Credit Default Swap pro 100’000 Staatsanleihen bezahlen. für US-Amerikanische Anleihen gerade mal 34 US$.
    http://www.cnbc.com/id/38451750/
    Die Papiere können auch ‘nackt’ gezockt werden, das heisst man muss nicht unbedingt auch tatsächlich Anleihen kaufen.

    Wenn die Wahrscheinlichkeit eines bestätigten Zahlungsausfalls durch die ISDA derzeit 40% beträgt, dann besteht eine gewisse Wahrscheinlichkeit aus 24000 US$ das vierfache zu machen -oder alles zu verlieren. Die Wettbüros der Edge laufen auf Hochtouren, viele Rentenkassen sind damit schon involviert wenn sie bei solchen Hedge anlegen. Wie auch immer das Spiel ausgeht, es wird eine Menge Verlierer und Gewinner geben -und die werden sich per Gericht bekämpfen bis aufs Messer.

  2. Munnie sagt:

    Unsere Nachbarn Niederlande und Österreich haben wenigstens noch Stimmen, die gegen Euro und ESM sind. Davon ist in Deutschland so gut wie kaum was zu vernehmen.

    Geert Wilders will, dass Holland aus dem Euro raus geht
    und
    Strache aus Österreich spricht in diesem Video Klartext zum ESM und dessen unglaubliche Statuten.

    http://sosheimat.wordpress.com/2012/03/04/geert-wilders-raus-aus-dem-euro/

  3. schlaumeister sagt:

    Jetzt sitzen alle in der Falle: Banken kaufen keine Staatsanleihen, weil nicht mehr
    versicherbar. Die Prämie kann man zahlen, der Versicherungsfall ist ausgeschlos-
    sen. Staaten müssen wohl durch Gelddrucken finanziert werden, Münchhausen
    muß sich am eigenen Schopf aus dem Sumpf ziehen. Funktioniert aber nur im
    Märchen. Das Vertrauen in fiat money wird langsam schwinden. Es wird Prozesse
    ohne Ende geben. Die Versicherungsprämien in Abermilliardenhöhe müßten wohl
    zurückgezahlt werden, wenn das ganze CDS Gebäude einstürzt.

  4. Selbstdenker sagt:

    Hier nun für den letzten deutschen Träumer: der ESM nochmals verständlich erklärt!!!

    http://krisenfrei.wordpress.com/2012/03/05/esm-vertrag-versklavung-der-eu-burger/